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Marcel Haraszti und Christoph Matschke

„Zufrieden sind wir nie“

Die Rewe Group präsentierte ihre Zahlen in Köln und zeitgleich wurden am Standort in Wiener Neudorf die Ergebnisse für Österreich bekannt gegeben.

Die Mutter in Köln, die Tochter in Wiener Neudorf in Österreich – zeitgleich präsentierte die Rewe Group ihre Ergebnisse über das Geschäftsjahr 2018. Dass die Geschäfte in Österreich teilweise nicht ganz rund liefen, bestätigt auch Marcel Haraszti, Vorstand der Rewe International AG. Das große Aber: er steht voll und ganz hinter den Umstrukturierungen, die das letzte Jahr geprägt hatten und noch immer im Gange sind und nennt sie „Fitness-Programm“ für das Unternehmen. „Zufrieden sind wir nie und als Händler muss man immer nach mehr streben“, so Haraszti. Die ersten Pflänzchen beginnen schon zu sprießen.

Blick zur Mutter

Ein kurzer Blick über die Grenzen sei hier gestattet: erstmals in der Unternehmensgeschichte erreichte die Rewe Group einen Gesamtumsatz von über 60 Mrd. Euro, genau gesagt 61,2 Mrd. Euro, was eine Steigerung von 4,2% bedeutet. Deutschland konnte den Umsatz um 4,5% steigern und die Auslandstöchter um 5,2%. Der Auslandsanteil am Gesamtaußenumsatz der Rewe Group stieg dadurch leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 28,7%. Vor allem die Rewe-Kaufleute haben in Deutschland erheblich zur Steigerung beigetragen: 2017 wuchsen sie um 8,5% und 2018 sogar um 9,1%. Derzeit sind es 1718 Rewe-Kaufleute. 

Der Rewe-Konzern, zu dem Vollsortiment International und National, sowie Discount International und National, aber auch Baumärkte und Touristik gehören, stieg auf 53,4 Mrd. Euro. Das ist eine Steigerung zu 2017 um 8 % (8,1 % wechselkursbereinigt).

Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group: „Die Zukunft hat ihre Herausforderungen im Handel. Wir investieren weiter, um Projekte zu testen, sei es in der Digitalisierung, aber auch in den Nonfood-Aktionen, im Reisevertrieb oder bei den Marktplätzen der Rewe“.

Im Onlinebereich erreichte die Rewe Group einen Zuwachs von 22,4% im Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Digitalisierung ist auch das Thema der Zukunft, vor allem um Prozesse zu optimieren. 

Im Markt selbst richtet man sich im Konzept 2020 stark auf den Frischebereich aus, aber auch gesunde Ernährung, Convenience und Gastronomie werden wichtige Themen sein. „Wir werden unser Geschäft nicht mit Konserven und Klopapier weiterentwickeln können“, meint Souque. 

Viel Geld und Gehirnschmalz wird in KI-Projekte fließen. Dort, wo es um die Verbesserung von Algorithmen für Abverkäufe im Markt, Out-of-Stock-Situationen, verderbliche Ware und Bezahlung geht.

Und auch die Logistik wird abermals verbessert: So wurde für 2019 1 Mrd. Euro für automatisierte Läger in Deutschland genehmigt. 

Insgesamt investiert die Rewe Group heuer 2 Mrd. Euro, ein Drittel davon geht ins Ausland. Schwerpunkte sind Modernisierungen der Märkte und der Ausbau der Vertriebsnetze.

Eines ist zum Abschluss klar: ein neues Land wird in Bezug auf Lebensmittelhandel nicht angestrebt.

Lob der Mutter

Wenn man hört, was die Rewe Group vor hat, dann ist auch klar, dass für die Zukunft das Rüstzeug zur Verfügung stehen muss. So auch in Österreich. 

Offizielles Lob kam im Rahmen der Pressekonferenz an das starke Team in Österreich, das seit dem Einstieg von Jan-Peer Brennecke als Bereichsvorstand Ware auf sechs Mitglieder in der Führung gewaschen ist. 

In Wiener Neudorf liegt auch die gesamte Verantwortung für das internationale Geschäft der Rewe Group. Hier kratzt man im Umsatz an der 17 Mrd-Marke. 16,87 Mrd. Euro sind es 2018 geworden, ein Plus von 4,2 % . Zu dieser Entwicklung haben alle drei Geschäftsfelder in mittlerweile 11 Ländern beigetragen: Vollsortiment Österreich (Billa, Merkur, Bipa, Adeg) wuchs bei gleichzeitiger Umsetzung eines umfassenden Zukunftsfitness‐Programms von einem bereits hohen Niveau (2017: 7,71 Mrd. Euro) stabil auf 7,83 Mrd. Euro, Vollsortiment CEE (Billa) legte um + 7 % auf 3,56 Mrd. Euro und Discount International (Penny International) um + 6,50 % auf 5,48 Mrd. €Euro zu (alle Angaben wechselkursbereinigt). Die Werte für das Vollsortiment Österreich unterscheiden sich vom Brutto-Umsatz von 8,66 Mrd. in Österreich, da es sich bei „Handel International“ um eine andere Betrachtungsweise handelt. Es fehlen u.a. Penny Österreich oder der Großhandel in der Berechnung. Per Jahresende beschäftigt „Handel International" in elf Ländern rund 92.000 Mitarbeiter und hat etwa 4350 Filialen.

In Österreich lag der Umsatz der Rewe Group mit den Vertriebsschienen Billa, Merkur, Bipa und Adeg bei 8,66 Mrd. Euro, das ist ein Plus von 1,51%, das im Schnitt der Branche liegt. Im Lebensmittelhandel (inkl. Penny) ist man um 1,68% auf 7,68 Mrd. Euro gewachsen, im Drogeriefachhandel um 1,15 % auf 0,73 Mrd. Euro. 44.109 Mitarbeiter (ohne Mitarbeiter der Adeg Kaufleute) arbeiten für die Rewe Group in Österreich.

Marcel Haraszti „Wir sind mit 2018 zufrieden, soweit ein Händler zufrieden sein kann“. 2018 war schon eine Herausforderung: irgendwann ist der Plafond für Aktionen erreicht und die Politik macht es dem Handel auch nicht immer leicht (Plastikregelung, Karfreitagsregelung, ..). Die nächste Debatte kommt um die Ladenöffnungszeiten, wo Rewe 76 statt 72 Stunden anstrebt. 

„2018 war bei Rewe Group Österreich viel in Bewegung, aber das war gewollt“, so Haraszti. Man habe umstrukturiert und einen Ressourcenaufwand in Kauf genommen. „Wir wachsen als Gemeinschaft. Die Handelsfirmen werden in Zukunft zwar noch stärker eigenständig auftreten, doch wir werden vermehrt Synergien nutzen“, meint der Vorstand. Der Kulturwandel ist kein „blabla“, sondern wird auch in Erfolgskennzahlen gemessen. Man schaut sich die Ergebnisse der einzelnen Strategien an. Haraszti nennt die Symbiose zwischen den Vertriebsschienen „Markendreiklang“.

Für den Vorstand haben alle Umstrukturierungen System und passieren nicht zufällig, man macht sich fit für die Zukunft. Das wichtigste ist die Kundenwahrnehmung, danach will man sich richten, um auch in Zukunft wieder Wachstumsführer zu werden. Hier sieht der Vorstand den Konkurrenten Spar besser aufgestellt, das muss aber nicht so bleiben.

Ein Beispiel: Da Frische für den Kunden ein ganz wichtiges Thema ist, hat man mit DI Peter Gschiel einen eigenen Frischedirektor bei Billa installiert. 

Synergien gibt es auch beim Recruiting, beim Call Center, bald bei der Kundenkarte (Jö) und nun eben auch in der Ware. 

„Der Fokus wird in Zukunft nicht nur auf der Frische liegen, sondern auch im Vollsortiment und bei Bio.“ Und man will Kurantpreise statt Aktionen fördern.

2019 werden in Österreich dementsprechend auch 300 Mio. Euro investiert und sollte ein Projekt etwas mehr brauchen, so soll es daran auch nicht scheitern, meint Vorstand Christoph Matschke.

Die einzelnen Vertriebsschienen

Billa konnte beim Umsatz um + 1,21 % zulegen. Wie bereits erwähnt wurde nicht nur ein Vorstandsbereich für Vertriebskoordination eingerichtet, sondern zur Gewährleistung von Top-Frische auch eine eigene Organisationsstruktur mit einem Frische-Vertriebsdirektor und Frische-Managern in den Filialen geschaffen. Man konzentriert sich auf Frische und Fleisch – die Themen der Zukunft. Mit 29 neuen und 56 umgebauten Filialen (gesamt 1088 Filialen) wurde die Filialoffensive fortgesetzt und mit mittlerweile mehr als 50 Click & Collect-Filialen und der Integration des Merkur Online Shops die Flexibilisierung der on/offline-Einkaufsmöglichkeiten entlang der Kundenbedürfnisse erfolgreich ausgebaut. Eventuell kommen heuer 1 oder 2 neue Billa Click & Collect Filialen dazu. Heuer werden 25 Billa Filialen vergrößert und 30 erneuert.

Merkur wuchs wie schon im Jahr zuvor um + 1,40 % und hat die Expansionsstrategie mit einem Investitionsvolumen von 50 Mio. € erfolgreich fortgesetzt: neben der Eröffnung von sechs neuen Märkten (gesamt 138), wurden weitere sechs umgebaut und das Sortiment überarbeitet und verbessert. Merkur baut acht Märkte um und 5 neu.

Adeg (Großhandel, selbständige Kaufleute und AGM) hat sich 2018 mit einer Steigerung von + 3,49 Prozent gut entwickelt, wozu nicht zuletzt auch der Ausbau der Belieferung der Tankstellen-Shops mit der neuen Marke „Billa Unterwegs“ beigetragen hat. Es gibt 280 Standorte, die von Kaufleuten geführt werden, allerdings haben einige Kaufleute mehrere Märkte. Zur zeit werden 327 Tankstellen beliefert, 51 davon sind Shell mit Billa unterwegs.

Bei Bipa zeigt sich erstmals die Neuausrichtung, seit 2015 ist man das erste Mal wieder gewachsen. Bipa konnte mit einem Plus von 1,15 % wieder ein positives Umsatzwachstum verzeichnen: „Auch wenn wir noch unter dem Niveau von 2015 sind, ist Bipa auf einem guten Weg. Die eingeleiteten Maßnahmen greifen“, so Marcel Haraszti. Bipa hat auch im abgelaufenen Geschäftsjahr sein Modernisierungsprogramm mit neuen Standorten, Generalrenovierungen und Facelifts (180 an der Zahl) von Filialen fortgesetzt und das Filialnetz weiter optimiert (minus 11 auf 588 Filialen). Mit bihome und bicare kommen zwei neue Eigenmarken-Linien auf den Markt.

Auch Penny kann 2018 auf eine zufriedenstellende Entwicklung zurückblicken: Die gesteckten Expansionsziele wurden mit der Eröffnung von zwei neuen Standorten (gesamt 298) und der Modernisierung von 24 bestehenden Filialen erfolgreich umgesetzt. Wachstumstreiber im Sortiment waren im abgelaufenen Geschäftsjahr vor allem auch die mittlerweile 400 Produkte der regionalen Eigenmarke „Ich bin Österreich“ und die 60 Artikel der regionalen Bio-Eigenmarke „Echt B!o“ – womit die Position als landestypischer Diskonter mit einem hohen Anteil an regionalen Produkten weiter nachhaltig gestärkt wurde. So konnte Penny 2018 im extrem hart umkämpften österreichischen Diskont-Markt mit einem erfreulichen Umsatzplus von + 2,42 % ein Wachstum über dem Markt erzielen. Penny zielt heuer auf 6 Neu- und 6 Umbauten ab.

Für das erste Quartal 2019 sieht man, dass alle Maßnahmen wirtschaftlich Früchte tragen, erklärt das Management.

Logistik und IT

Mit 1.1.2019 wurde in ein gemeinsames Recruiting Center investiert, so entsteht Flexibilität innerhalb der Vertriebsschienen. Pro Jahr bekommt der Händler sage und schreibe 140.000 Bewerbungen. Heute arbeitet man zum Teil mit Videointerviews und steckt 30.000 Stunden an Weiterbildung in alle Mitarbeiter. Verstärkt sucht Rewe nun auch Mitarbeiter und ab Herbst auch Lehrlinge im IT-Bereich.

In St. Veit in Kärnten kamen 13.000 m2 Frischedienstlager dazu und Stams wurde um 5000 m2 im Trockensortiment erweitert.

Im Online-Shop, der nun nur mehr von Billa getragen wird, ist man um 25% gewachsen, Merkur erwirtschaftete bei der Implementierung damals rund 4-5 Mio. Euro Umsatz, der Billa-Online Shop macht in etwa 30-35 Mio. Euro Umsatz aus – soviel wie eine starke Billa Filiale.

In Graz startet demnächst ein Testlauf mit Smart-Shopping, denn wie bereits erwähnt, wird in neue Technologien viel investiert und die IT-Mannschaft laufend ausgebaut, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Und nicht zuletzt zum Thema Eigenmarken: Hier legt sich Marcel Haraszti auf keinen Endwert fest: „Wir geben kein quantifiziertes Ziel ab bei Eigenmarken, wir wollen qualitativ besser werden. Es wird immer eine harmonische Koexistenz mit der herstellenden Industrie geben, aber sie geht mit den Eigenmarken in einen spannenden Wettbewerb“.

 

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Veröffentlicht am

05.04.2019