Mag. Gregor Herzog, Geschäftsführer der GS1 Austria

Der verlässliche Partner

GS1 ist nicht nur technisch ein unverzichtbarer Partner, mit GS1 schafft man Vertrauen und Sicherheit. Ein Interview mit Gregor Herzog.

Aus dem täglichen Leben kennt man die Situation: hat man einen Partner, auf den man sich verlassen kann, so werden auch schwierige Situationen gemeistert. Das ist im beruflichen und im privaten so. Von GS1 weiß man ebenfalls: Innerhalb des GS1 Systems sind der elektronische Geschäftsdatenaustausch und die Standardisierung von Nachrichten und Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen auf höchst professioneller Stufe.

„Das wird auch deshalb immer wichtiger, da sich die Parameter im Handel im Laufe der Zeit stark verändert haben“, weiß GS1 Austria Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog. „Mit e-Commerce hat sich die technische Situation stark verändert, es geht prinzipiell nicht nur um die Umrüstung von stationär zu digital, sondern um den großen Aspekt der Sicherheit“. 

Wem kann ich vertrauen, welchem Produkt kann ich vertrauen, kenne ich das Unternehmen, wie werden Produkte hergestellt? Mit den GS1 Standards kann man Händlern diese Last leicht abnehmen. „Der Trend zu digitalen Marktplätzen ist zum einen für kleine Händler von großer Wichtigkeit, aber die Zusammenarbeit mit einer großen Online-Plattform wie Amazon oder auch Alibaba muss ganz klar ablaufen“, so Herzog.

Die jüngste Integral-Studie besagt, dass die Online-Plattformen immer weniger Umsatz über ihren eigenen Online-Shop und immer mehr über ihre Funktion als Marktplatz generieren. So liegt der Anteil des Online-Handels am erwirtschafteten Gesamtumsatz von Amazon zum Beispiel lediglich bei gut 50 %. Über die Seller Services für Drittanbieter, die über den Marktplatz verkaufen, generiert Amazon inzwischen starke 18 % des Gesamtumsatzes (amazon.com Inc. 2019).

Alles hat zwei Seiten

„Die paradoxe Situation im Handel stellt sich folgendermaßen dar: wir haben österreichweit so viele Outlets wie noch nie, aber auch so viele Distributionskanäle wie nie zuvor“, beschreibt Gregor Herzog die Situation. Was es für den Händler, den Produzenten, aber auch den Konsumenten nicht einfacher in der Handhabung macht. Alle Branchen sind von der neuen digitalen Welt betroffen, deshalb ist es umso erfreulicher zu hören, dass GS1 Standards und Systeme ALLE Händler unterstützen: Pharma (Medizinprodukte von der Brille zum Implantat), DIY-Märkte, Parfumerie, Lebensmittelhandel, Textil, Sport, Technische Industrien, Automobilbranche, Buchhandel, Zeitschriften, Abfallwirtschaft bis hin zur Republik Österreich. So legen beispielsweise 1,3 Mio. Unternehmen eine elektronische Rechnung über GS1. Das damit erworbene Wissen ist enorm.

„Unser Ansatz lautet: egal, welches Unternehmen und welcher Vertriebskanal, wir sind DAS Identifikations-Unternehmen und geben damit Sicherheit“, so Herzog. Auch wenn der klassische EAN-Code (eindimensional) schon längst durch den zweidimensionalen und mit mehr Möglichkeiten ausgestatteten QR-Code abgelöst werden könnte, der Einsatz der Identifikationsnummern  ist unumgänglich. „Das, was wir im stationären Handel gelernt haben, das legen wir auf den Online-Handel um“, so Herzog. Die weltweit eindeutigen Nummern sind die „Einflugschneise in den elektronischen Handel“, wie der Experte es auf den Punkt bringt. Denn: Das Nummernsystem und die Strichcodes sind robust und dienen der Prävention gegen Fälschungen. „Nehmen wir Amazon: wenn auf den Plattformen und Marktplätzen mit Fälschungen – aus welchem Bereich auch immer – gehandelt wird, dann hat das Unternehmen ein großes Image-Problem, ja eigentlich einen Imageschaden“, erklärt Herzog. Deshalb verlangen mittlerweile alle großen Online-Händler eine GTIN (Global Trade Item Number).

Zunächst wird also vom Online-Händler geprüft, ob eine GTIN am Produkt vorhanden ist und dann geht es in die nächste Stufe: Es wird gecheckt, ob diese Nummer tatsächlich aus dem GS1 System kommt. In Zukunft sollen zu jedem Produkt sieben Attribute zentral erfasst sein, was das Fälschen erschwert. Unter dem Titel „Verfied by GS1“ laufen bereits erste Versuche in den USA, Pioniere sind Walmart und Procter & Gamble. 

Neben Sicherheit auch Verfügbarkeit

GS1 kann aber noch viel mehr, als die blosse Sicherheit geben, dass ein Produkt nicht gefälscht ist. Dank dem laufenden Austausch von EDI-Nachrichten – 300 Mio. über das EDI-Service eXite jährlich – kann etwa ein Händler dem Kunden jederzeit auf Knopfdruck sagen, ob Produkte erhältlich sind oder nicht und wenn sie nicht online oder in einer Filiale erhältlich sind, dann in welcher anderen sonst noch. „One Stop-One Shop“, lautet die Devise. Man nennt das „Echtzeitbestandsmeldungen“ und sie sind für den Umsatz von enormer Bedeutung. Für Österreich ist diese Art der Information nicht an allererster Stelle, da wir eine hohe Dichte haben – wie bereits erwähnt. Aber für andere Länder, wie etwa Schottlands Händler sind diese Infos überlebenswichtig. 

Dabei erkennt man eben: aus der Not entstehen Lösungen. Denn ist ein Kunde mit einer Bestellung zufrieden, so bestellt er wieder. Die Wiederkäufe bei Online liegen bei 80%. „Und auch in Österreich wird über kurz oder lang der Online-Kauf für bestimmte Warengruppen wie WC-Papier oder Mineralwasser kommen“, so Herzog. „Nämlich genau für jene Warengruppen, die keinen großen Einkaufsgenuss versprechen, aber auch Waren, die im stationären Handel schwer zu finden sind , wie etwa spezielle Schuhbänder“. Online bietet für Nischenmärkte eine große Zukunft.

Die großen Treiber der Zukunft

Was den Handel in Zukunft bewegen wird, das fasst Gregor Herzog zusammen:

  • Konsument und Verhalten: Durch die Singlesierung und das Älterwerden der Bevölkerung verändern sich die Ansprüche
  • Technologie: durch die stete Entwicklung von Datenträgern wie QR Codes kann man dem Konsumenten ganz andere Informationen mitgeben, als bisher. Die Marketingabteilungen sind hier gefordert. Neue Technologien entfalten Nutzen, wenn sie integriert werden. In vielen Ländern im Marketing, bei uns noch stark über das Warenwirtschaftssystem. 
  • Rückverfolgbarkeit: Hier bietet GS1 perfekte Tools, die den Produzenten, dem Handel und  den Konsumenten Transparenz bieten.. Dabei können auch Mengenströme und damit der Zusammenhang zwischen der bäuerlichen Urproduktion und dem verarbeiteten Endprodukt erfasst werden. 
  • Logistik: Durch das Prozesswissen innerhalb der Standards kann man viele Wege vereinfachen: Wohin gehen Bestellungen? Wohin gehen Rechnungen? Wie werden Paletten ausgezeichnet? Diese Informationen gelten für alle Lieferanten, ob sie groß oder klein sind oder saisonal oder permanent am Markt verkaufen. Auch für kleine Lieferanten ist GS1 sehr wichtig, zum einen sind die Kosten der Leistung gegenüber überschaubar (75 Euro/Jahr), zum anderen braucht man nur einen Computer im Büro, um an die Supply Chain auch der größten Händler anzuknüpfen.
  • Kleinteiligkeit: durch die regionalen Lieferanten und die Anzahl der Eigenmarken wird die Artikelanzahl immer größer. Mit GS1 Systemen behält man den Überblick. GS1 Austria betreibt neben dem Stammdatenservice GS1 Sync für große Händler auch Händlerportale. Ziel ist es, die Produktdaten einheitlich strukturiert und in geprüfter Qualität zur Verfügung zu stellen, unabhängig davon, ob diese von multinationalen Konzernen oder von kleinsten, lokalen Saisonlieferanten kommen.
  • „Und nicht zuletzt die Ökologie, die einer der wichtigsten Treiber der Jetztzeit ist. Auch hier können wir einiges dazu beitragen, wenn man an die Recycling-Quoten denkt. Woher kommt ein Werkstoff und wie oft wird er wiederverwendet?“, schließt Gregor Herzog den Bogen zur Verpackung und hat somit den gesamten Produktlebenszyklus im GS1-Visier.

Veröffentlicht am

12.06.2019