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Mag. Walter Wallner verabschiedet sich in den Ruhestand

Walter Wallner: Ein Tor in die neue Welt

Mag. Walter Wallner könnte über sein Berufsleben ein Buch schreiben und es würde ein Bestseller werden. Nun verabschiedet sich der Manager aus der Branche.

Es ist schon eine liebe Gewohnheit, dass retailreport.at Branchengrößen, die sich aus dem Geschäft zurückziehen, zu einem Porträt bittet. Mit Walter Wallner setzen wir die Serie fort. Der Manager – zuletzt Geschäftsführer der Schlumberger-Tochter Top Spirit, hat wohl einen der vielfältigsten Lebensläufe vorzuweisen – und somit auch eine enorme Expertise aus verschiedenen Welten mitgebracht. „Nun öffnet sich eine Tür in eine neue Welt, jene des offiziellen Ruhestands“, meint Walter Wallner. Das ist auch sein Motto: „Abschiede sind Tore in eine neue Welt“.

Nach einem aufregenden Berufsleben mag es mancherorts schon die eine oder andere wehmütige Minute geben, doch Walter Wallner hatte eine gewisse Art „Trockentraining“: „Als uns alle im Frühjahr die ersten Lockdowns ins Haus standen, war ich zu Beginn sehr unruhig. Alle Termine in der Gastronomie und auch meine Auslandsreisen wurden von einem auf den anderen Tag abgesagt. Nach etwa zwei Wochen dachte ich: Der Ruhestand, der 2021 ansteht, kann nicht schlimmer sein als jetzt“, scherzt der polyglotte Manager ein bisschen über das vergangene Jahr. Und dann war der Tag X plötzlich da und Walter Wallner fühlt sich sehr gut vorbereitet auf die kommende Zeit – speziell mit seiner Familie.

„Nein, ich werde kein Konsulent, ich mache auch hier keine halben Sachen“, so Walter Wallner im Hinblick auf seine Zukunft. Er hat die Ära des Berufslebens gut abgeschlossen und seine Agenden wunderbar in neue Hände gelegt.

Viel erlebt im Berufsleben

Der Oberösterreicher Walter Wallner hat Zeit seiner Ausbildung immer gearbeitet. Das war zum Teil sportlich, was die Organisation anbelangt, denn in den 70er und 80er-Jahren wurden berufsbegleitende Ausbildungen noch lange nicht in dieser Dimension angeboten, wie heute. Aber es hat sich gelohnt. Zum einen bekommt man im Berufsleben das nötige Selbstbewusstsein, nimmt eventuell den einen oder anderen Niederschlag nicht ganz so krumm und: man lernt enorm viel fürs Leben.

Nach der Matura und dem Bundesheer stieg Wallner wie bereits erwähnt ins Berufsleben ein und startete beim Finanzamt und später bei der Lauda Air. Er studierte parallel dazu BWL an der Johannes Kepler Uni in Linz Fachrichtung Management und Marketing beim „Marketingpapst“ Kulhavy.

Nach dem Studium 1991 wurde er Verkaufs- und Exportleiter bei Steinbach (Textilindustrie), und wechselte nach vier Jahren Mitte 1995 als Exportchef zu Spitz in Attnang-Puchheim. In seiner aktiven Zeit bei Spitz haben sich die Exporte auf 37 Mio. Euro mehr als verdoppelt, aber auch seine Reiseaktivität drastisch erhöht. USA, Japan, Skandinavien, Deutschland waren die Hauptmärkte seiner Arbeit, gemeinsam mit Aldi öffnete er damals regelrecht Märkte für die heimische Industrie.

Als es zu Umstrukturierungen bei Spitz kam und er noch einmal bei einem „Multi“ andocken wollte, wechselte Wallner im Oktober 2002 als Sales and Marketing Director CEE zur OSI Holding mit Sitz in Chicago. Somit bekannte er sich nun zum gandenlosen Pendler-Leben, denn OSI ist international tätig, beschäftigt weltweit 19.000 Mitarbeiter und erreichte 2006 einen Umsatz von 4 Mrd. USD. Walter Wallner legte im CEE Business von Null nach vier Jahren einen Umsatz von 50 Mio. Euro auf den Tisch. In dieser Zeit lernte er nicht nur die Welt der internationalen Konzerne kennen, sondern auch das amerikanische Arbeiten, das sich von einem europäischen doch sehr unterscheidet: „Antworten auf Fragen wie: warum kracht es immer wieder an der Börse und wie lerne ich delegieren und effizient zu arbeiten, wenn ich viel im Flugzeug bin, das habe ich aus dieser Zeit mitgenommen“, so Wallner.

Nach einem Leben im Flugzeug und mit Erkenntnis, dass auch Multis nur mit Wasser kochen, wechselte er im März 2007 als Geschäftsführer ins Handelshaus Wedl/Tirol und blieb dort sieben Jahre. Seit 1.1.2014 war Wallner Geschäftsführer von Top Spirit in Wien.

Die größten Errungenschaften

Bei Schlumberger/Top Spirit hat Wallner viel bewegt und auch bewegen können. Darin liegt ein großer Unterscheid, denn es war ihm immer möglich seine Entscheidungen bewusst selbst zu treffen und so auch keine faulen Kompromisse einzugehen. Das war in Zusammenarbeit mit dem Handel in Österreich, der ja sehr konzentriert ist, sehr wichtig. So lernte man den Geschäftspartner Walter Wallner überaus zu schätzen. Seine größten Errungenschaften sind der Relaunch der Marke Schlumberger und neue Wege im Vertrieb über Shop und B2C, aber auch B2B zu starten. Erfreulich war auch, die älteste Weinmarke Österreichs, Goldeck, wieder neu zu positionieren und sehr erfolgreich im LEH aufzubauen, sowie neue Marken ins Portfolio zu holen und bestehende Distributionsmarken trotz massiver Konkurrenz zu halten.

Hart und immer härter wird die Konzentration im Lebensmittelhandel und trotz Wohlverhaltensbekundungen der intensive Druck auf Lieferanten und Hersteller in Österreich. „Qualität, Herkunft oder USP verlieren immer mehr versus Preis. Bekanntlich zählen Alkoholische Getränke mit 50% Promo-Anteil – Tendenz steigend – zu den am meisten veraktionierten Warengruppen und entsprechend hart ist der Druck der Händler auf die Hersteller“, sorgt sich Wallner ein wenig um die Zukunft. Es herrscht eine neue Art der Preisgespräche, diese werden von anderen Themen als früher dominiert und auch in der Gastronomie ist der Kostendruck, der an Lieferanten weitergegeben wird, sehr hoch. In der Gastro kommt noch ein schnelles Kommen und Gehen durch die schwache Kapitalausstattung der Betriebe dazu. Aber die gute Nachricht: „Heuer sind wir im LEH extrem erfolgreich unterwegs:  YTD (01-05) erzielten wir ein Umsatz-Plus von 37% und konnten damit das coronabedingte Minus aus der Gastro         mehr als wettmachen“, freut sich Wallner.

Der Tipp an Neueinsteiger in die Branche und an seinen Nachfolger: die Ziele nie aus den Augen verlieren und ein Denken in Kundennutzen. Und wenn einmal Missstimmung herrscht, ist der Griff zum Telefon meist viel besser als ein eMail oder gar nicht zu reagieren. Auch zu Fehlern muss man stehen, sie passieren nun einmal. Und was sonst noch alles schiefgehen kann in der Handelsbranche, das wird man ja eventuell in einem Buch verfasst von Walter Wallner nachlesen können.

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geschrieben am

30.06.2021