Mag. Monika Fiala, Geschäftsführerin Waldquelle Mineralwasser

Regionalität bei Kauf ausschlaggebend

Seit Ende 2017 ist Mag. Monika Fiala Geschäftsführerin des Mineralwasserunternehmens Waldquelle. retailreport.at gab sie ein umfassendes Interview.

Zahlreiche Themen beschäftigen die Mineralwasserbranche zur Zeit: Herkunft, Sorten und vor allem Verpackung, Verpackung und nochmals Verpackung. Das Thema Nachhaltigkeit und Plastikvermeidung trifft gerade bei der Getränkeindustrie einen wichtigen Nerv. Im Interview mit retailreport.at nahm die Geschäftsführerin der Waldquelle zu all diesen Themen Stellung.

retailreport.at: Waldquelle hat in den vergangenen 10 Jahren eine fulminante Entwicklung vollzogen, wie sieht der Markt derzeitig aus und welche Stellung hat Waldquelle zurzeit im heimischen LH?

Monika Fiala: Laut Nielsen-Ergebnissen stagniert der Minerwalwasser-Markt sowohl in 2018 als auch in 2019. Erfreulicherweise konnten wir als Waldquelle Mineralwasser im Jahresvergleich 2017/2018 unseren Marktanteil aber ausbauen und ein Marktwachstum von 1% erreichen. (2018 hatten wir insgesamt einen Absatz von 143 Mio. Flaschen und einen Umsatz von 40 Mio. Euro). Mengenmäßig nehmen wir am heimischen Markt im Segment Mineralwasser den starken 2. Platz ein. 

Eine besonders dynamische Entwicklung sehen wir derzeit bei Packungsformaten. Die Glas Mehrweg Packung entwickelte sich im Jahr 2018 schon sehr dynamisch, aber die Zuwachsraten von heuer sind außergewöhnlich. Wir verzeichnen Ende August im Mehrweg-Segment ein Wachstum von 10%, wobei wir im allein im Juli +35% zugelegt haben. Derzeit sind wir beim Leergut mit einem Engpass konfrontiert und können die immense Nachfrage nicht vollständig bedienen. Weiters sehen wir weiter den on-the-go Trend: Unsere 0,5L PET liegt stark im Trend und kann zulegen. Die 1,5L PET ist leicht rückläufig, was aber laut der Nielsen-Zahlen ein genereller Trend in dieser Kategorie ist.

retailreport.at: Dazu eine Zusatzfrage: Drängen weitere internationale Marken auf den Markt oder bevorzugt der Österreicher immer noch die heimischen Marken (in Ö abgefüllt). Wie sehen Sie das Thema Wasser an sich, wenn es um die Diskussion „Wasser für alle vs. Wasser zu kaufen“ geht? 

Monika Fiala: Wir sehen hier keinen Trend zu internationalen Marken, da der Konsument im Segment Mineralwasser auf Regionalität setzt und Produkte österreichischer Herkunft wertschätzt und bevorzugt. Wir bekommen auch von unseren Konsumenten immer wieder die Rückmeldung, dass ihnen besonders die Regionalität in der Kaufentscheidung den Ausschlag gibt. Für uns ist dieser Trend besonders erfreulich, da wir in unserer Markenstrategie schon immer die Themen Natur, Familie und Regionalität verankert und kommuniziert haben. Da es sich bei Mineralwasser um ein wertvolles Lebensmittel handelt, das durch seine Mineralisierung dem Konsumenten viel Mehrwert liefert, kann ein direkter Vergleich mit „Wasser für alle“ nicht gezogen werden, da es sich dabei nur um Leitungswasser handeln kann. 

retailreport.at: Um die Konsumenten bei Laune zu halten Waldquelle zu kaufen, was muss man dafür als Marke erfüllen? Geht es nur um die Regionalität? Geht es um Neuheiten? Oder rein um den Preis?

Monika Fiala: Dies ist sicherlich ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Wir möchten allen unseren Konsumentinnen und Konsumenten ein perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten: Beste Qualität zu einem stets guten Preis. Zusätzlich sehen wir, dass – wie oben bereits erwähnt – Konsumenten regionalen Produkten mehr Vertrauen schenken. 

Natürlich spielen aber auch unsere Innovationen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, ein attraktiver Mineralwasser-Lieferant für den Endkonsumenten zu sein. Seit 2011 bringen wir jährlich in unserem Near Water Bereich eine Innovation auf den Markt und bleiben somit immer im Gespräch. Unser Erfolgsrezept bei Waldquelle Frucht ist der Einsatz von beliebten heimischen Früchten, die sowohl Kindern als auch Erwachsenen gut schmecken.

Da wir uns auf die Zielgruppe der Familien fokussieren, sind wir im Jahresverlauf auch besonders präsent auf Veranstaltungen und Angeboten für diese Zielgruppe. So gibt es beispielsweise im Sommer wieder unser großes Sommergewinnspiel, bei dem es 100 attraktive Preise für Familien zu gewinnen gibt, wie 10 Familienurlaube im Burgenland. Und zum Start ins neue Schuljahr organisieren wir den 2. Waldquelle Familienwandertag in Kobersdorf. An diesem Wandertag haben letztes Jahr über 1000 Kinder und Erwachsene teilgenommen und dieser findet heuer am 22. September statt.

retailreport.at: Welche großen Innovationen haben Sie in den vergangenen Monaten auf den Markt gebracht und wie hat der Handel reagiert? 

Monika Fiala: Ein wichtiger anhaltender Trend ist die gesunde und bewusste Ernährung. Für uns als Waldquelle mit unserer Kernzielgruppe der Familien sind die Themen Gesundheit sowie körperliches Wohlbefinden besonders wichtig – damit einher geht die kontinuierliche Reduktion von Zucker. Hier setzt auch unsere Produktinnovation heuer an. Mit Waldquelle Frucht Still haben wir als erstes regionales Mineralwasserunternehmen ein Frucht-Mineralwasser ohne Kohlensäure auf den Markt gebracht. Unsere neuen stillen Fruchtsorten enthalten dabei um durchschnittlich 40% weniger Zucker als andere Near Water-Produkte (max. 2,5g Zucker pro 100ml). Die Frucht-Sorten haben als Basis stilles Waldquelle Mineralwasser und mit ihrem Geschmack nach beliebten heimischen Früchten sind sie idealer Durstlöscher für Kinder und Erwachsene. Die Sorten „Marille & Passionsblume“ und „Erdbeere & Himbeere“ enthalten zusätzlich Vitamin B für mehr Energie und Vitalität im Alltag. Während der Sommermonate gibt es zusätzliche eine besonders erfrischende Limited Edition mit Zitrone & Melisse. 

retailreport.at: Verpackung: Worum geht es tatsächlich? Wie kann man die Diskussion um das Thema Plastikvermeidung seriös führen, wenn man ein Mineralwasserhersteller ist, der sein Produkt in Plastikflaschen abfüllt? 

Monika Fiala: Die Themen Nachhaltigkeit und Einsatz von PET bestimmen aktuell die Diskussionen im Markt. Waldquelle hat immer stark auf die 1l-Glasflasche gesetzt und die Waldquelle Glasflaschen dominieren daher auch den Markt. Wie schon erwähnt verzeichnen wir z.B. im Juli 2019 zu Juli 2018 ein Wachstum von +35%. Dies lässt sich auf die Sensibilisierung der Konsumenten in puncto Nachhaltigkeit zurückführen. Nachhaltiges Denken gewinnt immer weiter an Bedeutung und wir unterstützen dies sehr gerne. Deshalb investierten wir auch mehrere 100.000 Euro in die Aufrüstung unserer Glaslinie (v.a. in die Technik sowie in den Zukauf von Kisten und Flaschen).

Hinsichtlich der Verpackungsdiskussion und dem Einsatz von PET gibt es sehr viele unterschiedliche Ansätze. Für uns ist es essentiell, dass Plastik richtig entsorgt wird und anschließend recycelt werden kann, damit ein geschlossener Kreislauf entsteht. Jede Initiative, um diesen Kreislauf zu schließen, unterstützen wir sehr gerne. Aus unserer Sicht muss nämlich auch jeder, der Plastik in den Umlauf bringt, auch dafür Verantwortung übernehmen und es wieder in den Kreislauf zurückführen. 

Hier gibt es auch Vorschriften seitens der EU, die eingehalten werden müssen. Die neuen EU-Gesetze sagen, dass bis zum Jahr 2025 von allen Herstellern 25% Recycle-PET verwendet werden muss, gleichzeitig müssen im Jahr 2029 90% aller PET-Flaschen europaweit wieder eingesammelt werden. Derzeit laufen viele Gespräche und Diskussionen, welche Maßnahmen hier die richtigen für uns und unsere Konsumenten sind.

Neben der Plastik Diskussion ist es uns aber auch wichtig, Maßnahmen umzusetzen und Worten Taten folgen zu lassen. Wir versuchen hier auf vielen verschiedenen Ebenen bewusstseinsbildend zu agieren und Einfluss zu nehmen. So haben wir im Frühjahr eine große Baumpflanzinitiative ins Leben gerufen und gemeinsam mit Esterhazy und dem Schottenstift in Wien 1700 Bäume gepflanzt. Außerdem haben wir heuer in der Produktion unsere Stapler-Flotte auf E-Stapler umgestellt und erzielen dadurch eine CO2Reduktion von 202 Tonnen pro Jahr. 

retailreport.at: Welche Ideen hätten Sie für einen besseren Umgang mit dem Thema Verpackung?

Monika Fiala: Es gibt hier sicherlich viele Möglichkeiten bei Verpackung (vor allem auch bei der Umverpackung wie z.B. bei Palettenfolien) weiter einzusparen und zu optimieren. Wir legen hier unser Augenmerk auf weitere Optimierung und Reduktion. Im Bereich der Verpackung, die für den Konsumenten sichtbar ist, sehen wir es als essentiell die Sammelquote weiter zu erhöhen, um damit den Kreislauf zu schließen. Dies entspricht dem derzeitig sehr häufig verwendeten Schlagwort „Kreislaufwirtschaft“. In Österreich haben wir z.B. ein etabliertes Sammelsystem für PET-Flaschen, das zwar sehr gut funktioniert, aber die von der EU geforderte Quote von 90% nicht erfüllt. Hier müssen wir als Getränkeindustrie noch sehr intensiv über neue Ansätze nachdenken, mit welchen Maßnahmen wir diese 90% Quote erreichen und den Konsumenten dazu animieren können, (am besten) jede PET Flasche, die gekauft wurde, wieder in den Kreislauf zurück zu führen. 

retailreport.at: Welche Alternativen hat denn der Handel bzw die Industrie, ohne die Logistikkosten mit Glas-MW ins unermessliche zu schrauben?

Monika Fiala: Hier spielt Regionalität eine wichtige Rolle. Der Einsatz von Glasflaschen verursacht auf Grund des höheren Gewichts im Vergleich zu PET-Flaschen auf den Transportwegen einen erhöhten CO2Ausstoss. Die letztaktuelle Studie des Beratungsunternehmens c7-Consult zeigt, dass Mehrweg-Glas und Einweg-PET in ihrer Ökobilanz ähnlich abschneiden. Der große Unterschied entsteht ab 200 km Transport. In einem Radius von 100 – 200 km ist Mehrweg-Glas ökologischer, ab 200 km gilt PET als ökologischer. Verkürzt man so die Transportwege durch regionalen Vertrieb, sind Glasflaschen die eindeutig umweltfreundlichere Alternative.

Veröffentlicht am

22.08.2019