Meinungen zum Regierungsprogramm

Stimmen zum Regierungsprogramm

retailreport.at hat bei Handel und Industrie angeklopft und um eine Meinung zu den Vorhaben der neuen Regierung gebeten.

In der Lidl Geschäftsleitung vernimmt man folgendes von Alessandro Wolf, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Lidl Österreich: „Wir werden auch in Zukunft unseren Beitrag dazu leisten, die Wertschöpfungskette im österreichischen Lebensmittelhandel nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten. In diesem Sinne freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung und den Ministerien."

Mag. Hannes Wuchterl, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Nah&Frisch: "Wir freuen uns über jede Initiative die tatsächlich Nachhaltigkeit fördert. Das wird zu einer Stärkung des ländlichen Raums, der dort angesiedelten Klein- und Mittelbetriebe und auch der niedergelassenen Kaufleute führen. Bezüglich der Steuerpläne begrüßen wir jene Vorschläge die in ökologisch vertretbarer Form die Kaufkraft stärken und den Wirtschaftsstandort Österreich stärken und damit verbunden Arbeitsplätze schaffen. Steuergeschenke, an wen auch immer, lehnen wir dezidiert ab."

Mag. Martin Engelmann, Vorsitzender der dm Geschäftsführung: „Die beiden Partner der neuen Bundesregierung vereinen ein besonders breites Spektrum an Weltanschauungen und politischen Schwerpunktsetzungen – das gilt für gesellschaftspolitische Fragen genauso wie für ökologische Aspekte. Ich teile die Hoffnung zahlreicher Kommentatoren, dass diese Breite dazu führen wird, dass ein breiter, sachlicher Dialog zu den wichtigen Zukunftsthemen in unserem Land in Gang kommt. Eine Ökologisierung des Steuersystems, Lösungen für den Fachkräftemangel, lenkende Maßnahmen zugunsten einer verstärkten Kreislaufwirtschaft, Generationengerechtigkeit und der Ausgleich zwischen Arm und Reich, Modernisierungen im Bildungssystem und vieles mehr sind Fragen, die uns auch als Arbeitgeber, Ausbildner und Händler unmittelbar betreffen.“

 

Besonders erfreut ist man bei der Industrie über zwei Themen: den Wegfall der Schaumweinsteuer und den Wegfall der Tamponsteuer.

Dazu aus der Procter & Gamble-Zentrale in Schwalbach am Taunus: P&G setzt sich weltweit für die Gleichstellung der Geschlechter ein. Wir begrüßen alle Bestrebungen, den Zugang zu Damen-Hygieneprodukte für mehr Frauen und Mädchen zu erleichtern. Der Endverbraucherpreis liegt stets im alleinigen Ermessen des Handels, daher können wir uns hierzu nicht äußern. Ganz allgemein gehen wir aber davon aus, dass bei der Anwendung eines ermäßigten Steuersatzes die Steuersenkung dann auch an die Verbraucherinnen weitergegeben wird. 

Und die österreichischen Sekthersteller freuen sich ebenfalls, dass die „wettbewerbsverzerrende Bagatellsteuer“ wegfallen soll. Im Regierungsprogramm auf Seite 81 ist die Abschaffung der Schaumweinsteuer als Maßnahme festgehalten und somit aus Sicht der Hersteller der Fall der wettbewerbsverzerrenden Bagatellsteuer besiegelt.

Das exakte Timing steht noch aus, aber aus den Reformplänen der alten Regierung wäre es April 2022 gewesen. Man hofft vielleicht sogar noch etwas früher zu einer entsprechenden Umsetzung zu gelangen. „Die vielen intensiven Gespräche unseres Hauses in den letzten Jahren haben sich endlich bezahlt gemacht“, so ein erfreuter Schlumberger Geschäftsführer Mag. Benedikt Zacherl. „Entscheidend waren ein langer Atem und unsere erneuten Bemühungen im Zuge der Regierungsverhandlungen im Spätherbst. Wir haben uns gleich zu Beginn der Gespräche zwischen ÖVP und Grünen mittels persönlichem Schreiben an alle Beteiligten der Verhandlungsgruppe Wirtschaft und Finanzen gewandt, um einmal mehr die Auswirkungen dieser Bagatellsteuer auf die heimische Sekt- und Weinwirtschaft und die Benachteiligung österreichischer Hersteller aufzuzeigen und aufzuklären“, erläutert Zacherl, der eine Weitergabe der Steuerersparnis an den Konsumenten in Aussicht stellt. 

Preisvorteil soll voll weitergegeben werden

Wenn die Korken am Tag X dann endgültig knallen und auf das Ende der Sektsteuer angestoßen wird, sollen auch die Konsumenten etwas zu feiern haben. Dieser Ansicht ist man jedenfalls bei Schlumberger. Die Steuerersparnis von 90 Cent je Flasche soll eins zu eins weitergegeben werden. „Wir möchten dieses freudige Ereignis mit allen Schlumberger-Fans gemeinsam feiern. Aus diesem Grund werden wir 90 Cent voll weitergeben“, verspricht Zacherl. Im übrigen: Da seinerzeit bei der Einführung 2014 der Markt innerhalb von zwei Jahren um rund 25% zurückgegangen ist und sich dieser bis heute noch nicht komplett erholt hat, geht man in jedem Fall bei der Abschaffung bzw in deren Folge von einem Marktwachstum aus.

Aus dem Hause Kattus vernimmt man: „Eine Stärkung regionaler und nationaler Produkte entspricht auch dem Umweltgedanken, da Transportwege gekürzt und die heimische Landwirtschaft gefördert werden. Die Sektkellerei Kattus hofft auf eine baldige Umsetzung“, kommentiert Johannes Kattus das Regierungsprogramm.

Veröffentlicht am

09.01.2020