Walter Scherb jun. im Gespräch

"Lösungen sind gefragt"

Für das Familienunternehmen Spitz und seinen Geschäftsführer ist berufliche Partnerschaft ein Spitzenwert in der Unternehmenskultur.

Mehr als neun Monate leitet Walter Scherb (jun.) das Familienunternehmen Spitz in Attnang-Puchheim (OÖ) nun schon als Geschäftsführer, zuvor an der Seite von Josef Mayer, der sich mit Ende 2018 aus dem Unternehmen zurückzog und geordnet an den jungen Firmen-Chef die Geschäfte übergab. Seither hat sich so einiges getan in der Stadtgemeinde rund um den Unternehmenssitz: neue Anlagen, viele Auszeichnungen vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und auch Firmenübernahmen, wie etwa die komplette Übernahme von Mineralwasser Gasteiner und der Honigmanufaktur Honigmayr in Tenneck.

Aber in Wahrheit ist Walter Scherb kein Solist. Er möchte und kann auch auf seine mehr als 700 Mitarbeiter zählen. „Viele sind schon über Generationen bei uns im Unternehmen“, so Scherb. Das ist ein wesentlicher Teil der Nachhaltigkeit, die im Kern des Unternehmens fast alles bestimmt: eben Mitarbeiterführung, Ressourceneinsatz wie z.B. von Wasser und Energie, Beschaffung, Produktentwicklung, Transport und Logistik und Partnerschaften mit Handel, Gastronomie und Lieferanten. „Für alle Bereiche braucht man immer die besten Lösungen bei der Hand“, meint Walter Scherb.

In die Märkte genau hineinblicken

Bei dem breiten Portfolio, das Spitz abdeckt und auch bei der Anzahl an Kunden, die bedient werden, ist eine gute Marktforschung das Um und Auf: im Eigenmarkenbereich geht es um die Bereiche Getränke, Süßes und Backwaren und Süß und Sauer. Im Markenbereich stellt man die Marken Spitz, Gasteiner, Auer, Blaschke, Puchheimer, Goal und Honigmayr strategisch gut auf. „Zunächst identifizieren wir, auf welchen Fokus der Markt Wert legt: was wünscht sich der Konsument, wohin geht der Trend?“, beschreibt der Geschäftsführer die Marktanalysen. Man bedient sich interner und externer Marktforschungen. Aus diesen Ergebnissen können unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden: entweder neue Produkte entstehen oder man benötigt eine neue Anlage, um für die Zukunft gerüstet zu sein, aber auch Firmenübernahmen waren in der Vergangenheit immer wieder ein Thema – man erinnere sich an Auer, Blaschke oder Honigmayr. Auch für weitere Firmenübernahmen ist man offen, derzeit ist aber nichts in Planung.

Im Falle der neuen Anlagen ist aktuell eine neue Dosenabfüllanlage in Umsetzung , eine neue Aseptik-PET-Anlage wurde kürzlich in Betrieb genommen– immer unter dem Dach der Nachhaltigkeit gedacht.

Denn wie bereits erwähnt sieht man im Hause Spitz nachhaltige Entwicklung als ein zentrales Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Diese Denke geht nicht nur vor Walter Scherb aus, sondern wird von den Mitarbeitern mitgetragen. „Regelmäßig passiert es bei Einstellungsgesprächen, dass wir auf unsere fortgeschrittene Nachhaltigkeitsstrategien angesprochen werden – auch im internationalen Kontext“.

Ein Thema der Nachhaltigkeit ist auch die Supply Chain zu optimieren: Die Digitalisierung der Supply Chain mittels EDI wird immer öfter auch zwischen der Industrie und ihren Vorlieferanten praktiziert. Dabei vertraut Spitz auf den  EDI-Dienstleister Editel. Jüngster Neuzugang bei der elektronischen Anbindung an Spitz ist der Kornspitz-Erfinder Backaldrin. Mittlerweile kommuniziert Spitz mit 25 seiner wichtigsten Rohstoff-Lieferanten auf diesem Weg. Im Vordergrund steht dabei die Qualitätssteigerung durch die papierlose Abwicklung von Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Lieferavis. „Der wesentliche Vorteil von EDI liegt in der nahtlosen Rückverfolgbarkeit durch die Nutzung der Lieferantendaten. Zudem wird die Effizienz im Wareneingangsprozess erhöht. Uns ist es nicht so wichtig, einen bestimmten Eurobetrag einzusparen, sondern es geht uns darum, die Prozesse sicherer, effizienter und ohne Medienbruch abzuwickeln“, erklärt der Spitz-Geschäftsführer.

Aktuelle Trends

Welche Trends sollte man nun als erfolgreiches Unternehmen verfolgen? „Ich denke, dass es ein paar wichtige wegweisende Trends gibt. Dazu gehört mit Sicherheit Natürlichkeit der Produkte inklusive der Zuckerreduktion, keine künstlichen Aromastoffe, keine Konservierungsstoffe, Convenience und „on the go“-Produkte, Nachhaltigkeit und ganz wichtig und oft vergessen: Transparenz“, weiß Walter Scherb. Wer steht hinter den Firmen, wer produziert welche Produkte und woher kommen die Rohstoffe? Das sind die wesentlichen Fragen, die den Konsumenten beschäftigen.

Rohstoffe und Regionalität

Hier schließt sich der Kreis wieder: über Generationen hinweg schätzt Spitz die Partnerschaften mit Lieferanten. „Soweit es nur irgendwie möglich ist beziehen wir die Rohstoffe für alle Produkte aus Österreich. Doch in manchen Fällen ist es einfach nicht möglich ausreichend Rohware aus Österreich zu bekommen. Das plakativste Beispiel sind Äpfel: der Großteil an heimischen Äpfeln wird für Tafel-Obst verwendet, Spitz braucht aber Obst für die industrielle Verarbeitung und bezieht diese aus Europa. 

Ein anderes Beispiel ist die Kooperation mit dem Projekt „Unverschwendet“ von Cornelia Diesenreiter – eine lokale und regionale Zusammenarbeit mit kleinen Lieferanten steht hierbei im Vordergrund.

Auch im Falle der Verpackungen ist man schon sehr weit in die Nachhaltigkeit vorgedrungen und setzt bei der Gastronomie bei Gasteiner etwa auf Glas Mehrweg und bei Plastikflaschen auf recyceltes PET. Die bei Hofer gelistete Tauernquelle ist bereits in einer 100%-recyclierten PET-Flasche. „Wir wollen unsere Nachhaltigkeits-Maßnahmen für den Konsumenten greifbar machen“, bestätigt Scherb – von der Herkunft bis zur Kreislaufwirtschaft.

Aber auch für den Handel: 70% sind Herstellermarken im Portfolio und 30% Eigenmarken. Für alle gilt jedoch das gleiche.

Bündelung der Strategien

Um für Sichtbarkeit bei den Maßnahmen zu sorgen, bedarf es einer Bündelung der Aktivitäten. Für alle Kunden – auch für den größten Kunden Aldi – ist es wichtig, dass Transparenz herrscht. Seit jeher hat man sich im Werk in Attnang-Puchheim mit der Langfristigkeit eines nachhaltigen Gedankens auseinandergesetzt. „Mit allem unternehmerischem Risiko, das wir eingehen, sind wir sicher, dass wir auf die richtigen Trends und Partnerschaften setzen“, meint Walter Scherb abschließend.

Veröffentlicht am

06.11.2019