Fachverband Propak bei den Ergebnissen

PROPAK: Markt muss versorgt werden

In Corona-Lockdown-Zeiten gab es keine Alternativen: Österreichs Verpackungsfirmen hatten durchgehende „Rushhour“.

Während Österreichs Bevölkerung großteils in einen Lockdown ging und nahezu nur mehr der Lebensmittelhandel, Apotheken und wichtige Versorger ihre Geschäfte offen hielten, gab es einige wenige Branchen, die im Hintergrund als „systemrelevant“ galten. Dazu zählten auch die 85 zum Fachverband PROPAK gehörenden Verpackungsfirmen. Bei ihnen hat es keinen Ausfall gegeben und sie haben die Lebensmittelbranche und alle anderen gut versorgt: die Industrie von Papier und Karton zeigt Resilienz in der Krise. PROPAK-Obmann Georg Dieter Fischer: „Wir können uns zwar der allgemeinen Konjunkturschwäche nicht entziehen, aber wie schon in der Vergangenheit werden die PROPAK Unternehmen grosso modo nicht zu den größten Krisenverlierern gehören.“ Und Marko Bill Schuster, COO Mondi Functional Paper and Films, ergänzt: “Wir kamen von einer stabilen Ausgangssituation, deshalb sind die Höhen und Tiefen, die wir durchleben nicht so ausgeprägt“.

Was die Branche gut am Leben erhalten hat, war der freie Transportverkehr für und mit Rohstoffen, die Nachfrage nach lebenswichtigen Produkten und die Grundversorgung der österreichischen Bevölkerung. Die Grundvoraussetzung für die Versorgung der Bevölkerung mit Erzeugnissen aus Papier und Karton sind vor allem funktionierende internationale Lieferketten. „Die PROPAK Industrie erwirtschaftet drei von vier Euro im Ausland. Dafür sind offene Grenzen notwendig, um sowohl die Verarbeiter mit den erforderlichen Rohstoffen als auch die komplette Supply Chain bis zum Endverbraucher mit den benötigten Produkten versorgen zu können“, berichtet Andreas Blaschke, Vorstand Mayr-Melnhof Packaging International. Mit -1,0 % beim Wert und +2,1 % in der Menge prägte der Export dementsprechend die Entwicklung in den ersten fünf Monaten.
Die Mehrheit der PROPAK-Unternehmen rechnet mit einem wirtschaftlich herausfordernden Herbst. Im Branchenschnitt wird ein Umsatzrückgang rund um 6% bis Jahresende erwartet – bei einer großen individuellen Bandbreite. Das ergab eine Anfang September durchgeführte Umfrage des Fachverbandes, bei der mehr als 2/3 der Mitglieder Rückantworten einsandten.
Solange das Coronavirus die Rahmenbedingungen diktiert, wird die Lage hoch volatil bleiben. Und auch nach Ende der Gesundheitskrise wird es bis zur vollständigen Erholung der Wirtschaft noch dauern. Denn: der Aufholprozess seit der Öffnung der Wirtschaft hat an Dynamik verloren. Der weitere Verlauf in der Wirtschaft hängt von den Infektions-Zahlen ab. Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft der OeNB, spricht von einem Verlust von rund 20 Mrd. Euro im BIP für 2020. Die volkswirtschaftliche Analyse zeigt, dass die COVID19-bedingte Rezession mit einem Rückgang des BIP von -7,2 % im heurigen Jahr im Vergleich mit der Finanzkrise 2009 deutlich größer ist.

Die gute Nachricht für die Branche: Die Produktion von Waren aus Papier und Pappe ist im Shutdown nicht in gleichem Ausmaß geschrumpft wie jene der Gesamtindustrie. Auch der Beschäftigungsrückgang war unterdurchschnittlich.

In Ziffern belegt

In Ziffern dargestellt heißt das, dass die Branche nach einem guten ersten Quartal 2020 dank ihrer Systemrelevanz vom Lockdown in den Monaten April und Mai mit -5,9 % Wert- bzw. -5,6 % Mengenrückgang vergleichsweise glimpflich getroffen wurde. Kumuliert über die ersten fünf Monate 2020 kam sie damit leicht unter dem Vorjahrsniveau zu liegen: Der Umsatz ging um -1,6 % zurück, die abgesetzte Menge (in Tonnen) blieb stabil (+ 0,4 %). 

Innovationen zum Erfolg

In der herausfordernden Zeit des Lockdowns und auch danach kamen bei PROPAK-Unternehmen Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht zu kurz. Mondi ist ein gutes Beispiel für Innovation in Zeiten der Krise: 
IQ Grass + Packaging: Eine der jüngsten Entwicklungen im Bereich alternative Rohstoffe ist IQ Grass + Packaging, das schnell wachsendes Gras als Rohmaterial nutzt und in enger Zusammenarbeit mit Kunden entwickelt wurde. Eine Kombination aus 30 % Grasfasern und 70 % nachhaltigen Frischfasern verleiht der Produktneuheit eine einzigartige Haptik sowie ein natürliches Aussehen. Sie macht IQ Grass + Packaging zur perfekten Wahl für Premium-Einkaufstaschen und Verpackungen aus Well-oder Vollpappe. Im Vergleich zu herkömmlichen ungestrichenen Feinpapieren weist IQ Grass + Packaging eine deutlich höhere Reißfestigkeit auf. Zudem ist es für Flexodruck-Verfahren optimiert, die besonders beim Bedrucken von Verpackungen eingesetzt werden, und verfügt über eine Zertifizierung im Bereich Lebensmittelsicherheit. Das neue Material kann seit September 2020 in ganz Europa bestellt werden.

Mondi und BIOhof ersetzen Plastikverpackung: Mondi Grünburg (Österreich) hat in Zusammenarbeit mit dem BIOhof Kirchweidach eine nachhaltige Verpackungslösung für Rispentomaten in 500-Gramm-Packungen entwickelt. "Mit Mondis Know-how haben wir das perfekte Verhältnis zwischen guter Sicht auf das Produkt im Inneren der Verpackung, Stabilität der Schale für das Stapeln beim Transport und optimaler Steifigkeit für die Automatisierung erzielt“, erklärt Jan Blankiewicz, Product Innovation Manager bei Mondi Corrugated Solutions.

IQ Grass Box
Kartonverpackung Biohof

Veröffentlicht am

06.10.2020