Dir. Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch, hier in seiner Funktion als Präsident der VÖM bei jährlichen Pressegespräch vor Journalisten

„Haben Härtetest bestanden“

Vor so einer Situation sind auch die heimischen Milchbauern noch nie gestanden und das letzte Jahr zu meistern, war eine Herausforderung. Aber man konnte die Versorgung immer sicherstellen.

Dir. Helmut Petschar, der Geschäftsführer der Kärntnermilch und Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) brachte es auf den Punkt, wenn er meinte das letzte Jahr war wohl in der Abwicklung der Milchlieferung und -verarbeitung eines der herausforderndsten überhaupt. Aber die Milchbranche hat den Härtetest bestanden und die Versorgung der österreichischen Bevölkerung über die Molkereien und schließlich den Handel zu sichern. Die Milchwirtschaft konnte kurzfristig Umstellungen in der Produktion bewerkstelligen und auch höhere Mengen zu höchster Qualität liefern. Aktuell leiden die Molkereien neuerlich unter dem Ausfall der Wintersaison. Denn auch im Jahr 2020 waren die Verluste durch die geschlossene Gastronomie und Hotellerie in den diversen Lockdowns stark spürbar.

Wie bereits gesagt, war 2020 auch für die Milchbauern ein Ausnahmejahr, aber viele Themen werden nach der Pandemie wieder zurückkehren – sei es das Thema Fairness den Milchbauern gegenüber, was den Preis anbelangt oder auch das Thema Nachhaltigkeit, das bei den Themen Futtermittel und Verpackung immer wichtiger wird.

Milchanlieferung stabil

Die Gesamtanlieferung blieb mit 3,38 Mio. Tonnen insgesamt stabil, wobei zu Beginn des Jahres eine höhere und in der zweiten Jahreshälfte eine geringere Anlieferung zu verzeichnen war. Mehrere Molkereien mussten aufgrund der Corona bedingten Nachfragerückgänge im Frühjahr Mengensteuerungsmaßnahmen bei der Milchanlieferung setzen. Der Anteil von Biomilch und Heumilch konnte weiter gesteigert werden, Österreich erreichte mit 19,1 % bzw. 600.000 Tonnen den höchsten Bioanteil in der EU. Der durchschnittliche Milchauszahlungswert lag bei 42,65 cent. Nachdem die Erzeugerpreise in Österreich auf schwachem Niveau gestartet sind, kam es beginnend ab Sommer zu spürbaren Stabilisierungen.

Umsätze gestiegen, Erträge gesunken

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind 2020 insgesamt um ca. 3,2 % auf 2,95 Mrd. Euro gestiegen, wobei die Zuwächse bei den Lieferungen im Lebensmitteleinzelhandel im In- und Ausland zu verzeichnen waren, während Lieferungen an Gastronomie und Tourismus deutliche Umsatzeinbußen und damit verbundene Verluste bei den Deckungsbeiträgen verursachten, für die es bisher auch keine Ausgleichsmaßnahmen gab.
Die RollAMA verzeichnete Rekordmengen beim Absatz über den Lebensmitteleinzelhandel, besonders bei Butter (+ 15,5 %) und Käse (+ 10,8 %), gefolgt von der weißen Palette mit einem Plus von 9,1 % und der bunten Palette mit + 4,5 %. Diesen Mengensteigerungen stehen entfallene Mengen im Außerhausverzehr gegenüber. Die Einkaufspreise für die Konsumenten stiegen um durchschnittlich 3,3 %.

Anzahl der Milchbauern gesunken

Die Anzahl der Milchbauern verringerte sich 2020 von 25.600 auf 24.650 um 3,8 %. Der Milchkuhbestand blieb mit 525.000 gleich, im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 21,3 Kühe, ein international gesehen kleiner Wert. Die durchschnittliche Milchlieferleistung der Kühe erreichte mit 6.458 kg (+ 0,2 %) im internationalen Vergleich einen moderaten Wert, der die nachhaltige Produktion dokumentiert.

Die durchschnittliche Anlieferung je Landwirt stieg von 131,9 auf 137,3 t. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Landwirt (Umsatz aus Milchverkauf) lag mit 58.570 € um 6,2 % über dem Vorjahr.

Wachstumsmotor Export

Die österreichischen Milchexporte erreichten 2020 auf Basis der vorläufigen Zahlen der Statistik Austria mit 1,312 Mrd. einen neuen Höchstwert und konnten um 4,5 % zulegen. Bei den Importen gab es mit 1,2 % auf 836,3 Mio. einen geringeren Zuwachs, was zu einem gestiegenem, positiven Außenhandelssaldo von 475,4 Mio. Euro (+10,7 %) führte. Die Exportquote bezogen auf den Umsatz betrug 44,5 %, die Importquote 28,4 %.

Wichtigstes Außenhandelsprodukt war die Kategorie Käse. Hier wurden 155.900 t (+ 1,8 %) im Wert von 666 Mio. Euro (+ 3,7 %) exportiert, während sich die Importe mit 130.800 t (+ 4 %) auf 511 Mio. Euro beliefen. Dabei konnten durchschnittliche Exportpreise von 4,27 Euro (+ 1,9 %) und Importpreise von 3,90 Euro pro kg (- 3,9 %) verbucht werden, was den Erfolg der heimischen Qualitätsstrategie auch im Export dokumentiert.

Wichtigstes Exportland mit einem Anteil von 50,4 % ist weiterhin Deutschland, gefolgt von Italien, China, den Niederlanden, Griechenland und Slowenien. Die Importe erfolgten zu 56 % aus Deutschland, gefolgt von Italien, den Niederlanden, Frankreich und Griechenland.

Veröffentlicht am

25.03.2021