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Metro/AGM: Im Zustellservice spielt die Musik

Metro/AGM: Im Zustellservice spielt die Musik

Wenn Metro neun AGM-Standorte übernehmen will, so hat das einen Grund, wie Dr. Hanspeter Madlberger feststellt.

Fassen wir zusammen:

  • Gastro Data sagt über das 1.HJ 2021: Seit dem Restart im Frühjahr steigt wieder der Umsatzanteil des Zustell-Geschäfts auf Kosten der C&C-Abholung
  • Durch AGM-Übernahmen könnte Metro vor allem den Rückstand im Gastro-Zustellgroßhandel aufholen
  • Umsatzeinbrüche im Jänner (- 68,2%) und im Februar (66,0%) schlagen auf Halbjahresbilanz (- 24,8%) durch. Minusrekord in Salzburg und Tirol    

Die Corona-Lockdowns haben die strukturelle Verschiebung des heimischen Gastro-Großhandels von der C&C-Abholung zum Zustellservice nur kurzzeitig unterbrochen. Seit dem Restart im heurigen Frühjahr steigt der Umsatzanteil des Zustell-Geschäfts wieder zulasten der C&C-Verkäufe. Das geht aus einer Sonderauswertung hervor, die Stefan Obergantschnig vom Marktforschungsinstitut Gastro Data für retailreport.at erstellt hat:

  • Im Jahr 2019 erreicht der Zustellanteil im Gastro-GH den bisherigen Höchstwert von 68,1%, entsprechend war die C&C-Abholung auf 31,3% gesunken.
  • Im Jahr 2020 (mit den Corona-Quartalen 2, 3 und 4) sank die Zustellquote auf 64,7%, der Abholanteil kletterte auf 35,3%.
  • Im Jänner 2021 erreichte der C&C-Anteil den Höchstwert von 40,1% (Zustellung: 59,9%)
  • In den Monaten Februar bis April blieb das Verhältnis relativ konstant: 39% Abholung zu 61% Zustellung.
  • Seit Mai legt die Zustellung wieder massiv zu: Im Wonnemonat erreichte sie bereits einen Anteil von 64,2%, im Juni waren es schon 67,9%.

Metro-Aufholjagd im Zustellsektor

Branchenkenner sehen einen engen Zusammenhang zwischen dem Comeback des Gastro-Zustellgroßhandels und der von Metro Österreich angestrebten Übernahme von neun AGM-Betrieben. Transgourmet verdankt seine Marktführerschaft im Gastro-GH weitgehend dem großen Umsatzvorsprung, den man sich über Jahre hinweg  im Zustellgeschäft gegenüber dem C&C-Urgestein Metro erkämpft hat. Die AGM Märkte sind beim Gastro-Zustell-GH mit einem Zustell-Anteil 2019 von rund 60% nicht ganz so gut aufgestellt wie Transgourmet (68% im Jahr 2019), schneiden aber deutlich besser ab, als die Metro-Betriebe. Diese liegen bei der Zustellquote trotz Aufhol-Bemühungen weit unter der 50%-Marke.

Mit der angestrebten Übernahme der neun AGM-Betriebe könnte Metro also dieses Manko gegenüber der Konkurrenz zumindest teilweise kompensieren. Ob die Rechnung aufgeht, hängt sehr wesentlich von der wettbewerbsrechtlichen Überprüfung des Deals durch die BWB ab. Die sehr ausführliche Befragung der relevanten Marktteilnehmer durch die Behörde läuft in diesenTagen auf Hochtouren.

Corona-Winter traf Salzburg und Tirol besonders hart

Die angepeilte Übernahme von AGM-Standorten durch Metro fällt in eine Zeit, da der durch Corona arg gebeutelte heimische Gastro-Großhandel sich in einer äußerst turbulenten Restart-Phase befindet. Die von Gastro Data vorgelegte Umsatzbilanz der ersten Jahreshälfte 2021 liefert ein grundsätzlich positives, im Detail aber sehr facettenreiches Bild:

o Der rotweißrote Gastro-GH musste im ersten Halbjahr  2021 ein Umsatzminus von 24,8%  hinnehmen,  im Vergleich dazu waren die  Einbrüche in Deutschland mit 21,0% deutlich geringer. Noch besser schnitten die Eidgenossen ab, beim westlichen Nachbarn betrug das Minus nur 9,5%. Zurückzuführen sind diese Unterschiede vor allem auf den beinahe-Totalausfall der Wintersaison in den westösterreichischen Skigebieten, wo zu normalen Zeiten ein hoher Anteil an Auslandstouristen für ein Umsatzhoch sorgt. Ein Umsatzminus 20/21 von 68,2% im Jänner und von 66,0% im Februar sprechen eine deutliche Sprache. Das gute Ostergeschäft (+56% im April) und ein vergleichsweise normaler Sommertourismus (auch 2020 war recht passabel) konnten die Einbußen des ersten Quartals  nur zum Teil wettmachen.

o So unterschiedlich, wie der saisonale Umsatzverlauf fallen auch die Halbjahres-Umsatzbilanzen, bezogen auf die einzelnen Bundesländer aus. Die Wintersport-Hochburgen Salzburg (-44,3%) und Tirol (-42,0%) wurden vom Corona-Winter 2020/2021 am stärksten getroffen. Im Osten waren die Einbußen deutlich geringer: Oberösterreich: - 13,0%, Niederösterreich: -10,1%.

o Gegliedert nach Sortimenten, waren die Umsatzrückgänge bei alkoholischen Getränken mit -36,1%  besonders hoch (Stichwort: Après Ski), bei alkoholfreien Getränken (-16,5%) besonders niedrig. Um knapp 30% gingen die  Fleisch &Wurst- sowie die Tiefkühlkost-Umsätze des Gastro GH im ersten Halbjahr 2021 gegenüber der Vergleichsperiode 2020 zurück.  

In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass der Gastro-GH nach seriöser Zeitreihen-Hochrechnung des ausgewiesenen Experten Helmut Obergantschnig nur für rund 40% des gesamten Wareneinsatzes in der Gastronomie (einschließlich Gemeinschaftsverpflegung) aufkommt. Rund 60% der Ware kaufen unsere Wirte und Restaurantbetreiber direkt bei den Produzenten (Bauern, Lebensmittelindustrie, Lebensmittelgewerbe) oder bei anderen Bezugsquellen wie beispielsweise dem Einzelhandel.

Weitere interessante Details zum volatilen Gastro-Großhandelsgeschäft zeigen die  Charts im Anhang, die Gastro Data freundlicherweise retailreport.at zur Verfügung stellte.

Umsatzveränderung DACH
Umsatzveränderung nach Sortimentsgruppen
Umsatzveränderungen nach Bundesländern

Kategorie

Veröffentlicht am

10.09.2021