Spatenstich der MPreis Wasserstoff Initiative: v.l.n.r. Dr. Ernst Fleischhacker (Green Energy Center), Peter Paul Mölk, Julia Mölk (beide MPreis), LHStv Josef Geisler, Stefanie Graber (Bäckerei Therese Mölk), Bürgermeister Völs Erich Ruetz, Ewald Perwög (MPreis Sustainable Energy Solutions)

MPreis investiert in Wasserstoff-Technologie

In der Nähe der Zentrale in Tirol wird eine Anlage für die Produktion von „grünem“ Wasserstoff entstehen. retailreport.at im Interview mit Peter Paul Mölk und Ewald Perwög.

Bericht und Interview von Barbara Egger

„Ziel unseres innovativen Wasserstoffprojektes sind massive Einsparungen bei CO2 und eine Entlastung der Umwelt“, machte Ewald Perwög, MPreis Sustainable Energy Solutions, beim Spatenstich am Grundstück der Bäckerei Therese Mölk vor Medienvertretern deutlich. „Als Tiroler Familienunternehmen setzen wir damit einen wichtigen Impuls für eine bessere Zukunft.“ Worum geht’s: Mithilfe von Ökostrom wird künftig grüner Wasserstoff produziert, welcher zu­nächst im Rahmen des EU-Projektes Demo4Grid zur testweisen Stromnetzregelung der Tiwag verwendet wird. Der so erzeugte Wasserstoff wird zur CO2-neutralen Beheizung der Bäckerei Therese Mölk verwendet. 

In weiterer Folge wird er als Treibstoff für Brennstoffzellen-Fahrzeuge dienen. Langfristig wird MPreis alle LKWs auf Wasserstoffbetrieb umstel­len und emissionsfrei und CO2-neutral ausliefern. Als Ausgangsstoff wird aufbereitetes Grundwasser verwendet, als Energie dient Strom aus regionaler Wasserkraft. Selbst die Abwärme wird für die Beheizung der Bäcke­rei Therese Mölk genutzt, wodurch eine sehr hohe Energieeffizienz von über 90% erreicht wird.

„Wirklich umwälzend wird die Umstellung der Logistikflotte auf Wasserstoff LKWs sein“, betont Ewald Perwög. Zur­zeit gebe es zwar erst einen Hersteller weltweit, der solche Fahrzeuge anbietet, doch die Ent­wicklung schreite unaufhaltsam voran. 

Bei der Umsetzung des Projektes kooperiert MPreis mit Partnern aus der Region. Die Strategie- und Pro­jektentwicklung erfolgt zusammen mit dem Tiroler EU-Projektpartner FEN Systems im Green Energy Center in Innsbruck. Für den Stromeinkauf und das Stromnetz wird mit der Tiwag/Tinetz zusammengearbeitet. Für die technische Umsetzung wurde die ILF Consulting Engineers Austria mit Sitz in Rum bei Innsbruck mit ins Boot geholt. Die Elektrolyse-Technologie stammt von der Schweizer Firma IHT.

Hohes Investitionsvolumen

Das Investitionsvolumen beträgt 13 Millionen Euro. Finanzielle Unter­stützung kommt von der Europäischen Kommission, der Österreichischen und der Schweizer Bundesregierung. „Tatkräftige Unterstützung kommt auch von der Tiroler Landespolitik und von den zahlreichen Verwaltungsorganen, die im 3-jährigen Entwicklungsprozess des absoluten Neu­land-Projektes für die entsprechenden Bewilligungen gesorgt haben“, erklärt Perwög.

Für das ambitionierte Projekt reicht eine erstaunlich kleine Fläche. Auf wenig mehr als 1000 m² wird zuerst die Elektrolyseanlage für die Wasserstoffproduktion errichtet, die schon im kom­menden Jahr den Testbetrieb aufnehmen soll. In der zweiten Bauphase folgt eine kombinierte Tankstelle für Diesel und Wasserstoff. Die Umstellung des Fuhrparks wird etwa sieben Jahre dauern, da die existierenden Fahrzeuge sinnvollerweise erst am Ende ihrer Lebensdauer ersetzt werden. 

"Wir sind europaweit Werbebotschafter für Wasserstoff"

Im Interview mit retailreport.at erläutern MPreis Geschäftsführer Peter Paul Mölk und Ewald Perwög, MPreis Sustainable Energy Solutions, die Beweggründe für die MPreis-Wasserstoff-Initiative. 

retailreport.at: Wie wichtig ist es für MPreis in Wasserstofftechnologie zu investieren?

Peter Paul Mölk: Das ist für uns ein zentrales Anliegen, weil wir ja sehr stark auch logistikgeprägt sind, sprich über einen Fuhrpark verfügen. Und wir müssen die Ware in die Filialen bringen. Aufgrund dessen haben wir eine nicht zu vernachlässigende CO2-Emission und deshalb auch Handlungsbedarf.

retailreport.at: Welche Gründe sprechen noch dafür?

Peter Paul Mölk: Uns prägt eines, und das ist, dass wir tendenziell immer einen Schritt früher einen Weg beschreiten, als andere. Sei es mit Fair Trade, mit Regionalität, mit Photovoltaik, mit Passivhaus-Technologie. Es gibt sehr viele Bereiche, wo wir nicht gewartet haben, bis das Mainstream wird oder marketingtechnisch geschickt ist, sondern wir haben diese Themen aufgegriffen.

retailreport.at: Wie kam es zur MPreis-Wasserstofftechnologie-Initiative?

Ewald Perwög: Die Antwort auf diese Frage befindet sich in der DNA der Unternehmerfamilie. Wenn wir zurückschauen, als die Gründerin Therese Mölk 1923 begonnen hat, Lebensmittel zu verkaufen, war ihre Motivation, nie nur eine rein wirtschaftliche. Therese Mölk hatte ein exemplarisches Gespür dafür, dass das auch eine soziale Verantwortung ist. 

retailreport.at: Übertragen auf die heutige Situation bedeutet das?

Ewald Perwög: Wenn wir das auf heutige Problemstellungen anwenden, dann sehen wir, dass eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft der Klimawandel ist. Und jeder soll kann und darf hier einen Beitrag dazu leisten, dieses Problem zu minimieren. Unser Unternehmen braucht, um die Waren zu distribuieren, jedes Jahr zwei Mio. Liter Diesel. Das ist eine Emission, die wir mit unserem Projekt der Wasserelektrolyseanlage, abschaffen möchten. 

retailreport.at: Das Projekt ist also der Grundstein für eine Wende?

Ewald Perwög: Unsere neue Anlage legt den Grundstein dafür, dass wir in absehbarer Zeit zu einer komplett emissionsfreien Logistik kommen können und damit diese soziale Verantwortung wahrnehmen wollen. 

retailreport.at: Welche Herausforderungen birgt das Projekt?

Peter Paul Mölk: Wir bewegen uns hier in einem Zukunftsbereich, der vor allem auch unter der Warte „Geschäftsmodell“ noch sehr undefiniert ist. Es gibt sehr viele Variablen, die in alle Richtungen ausschlagen können. Das Anliegen unserer Urgroßmutter Therese Mölk war es, leistbare Lebensmittel anzubieten. Das geht aber nur, wenn man auch auf anderen Gebieten kostenmäßig vernünftig aufgestellt ist. Wir können also so ein Projekt nicht als Hobby betreiben und auch keine Millionen versenken, sondern es muss sich wirtschaftlich tragen. So dass wir unsere Kernaussage weiterhin beibehalten können. 

retailreport.at: War der Standort von Anfang an klar?

Peter Paul Mölk: Es ist nicht das ursprüngliche Wunschgrundstück, wo das Projekt jetzt entsteht. Es hat unterschiedliche Standorte für das Projekt gegeben, bis es sich zum jetzigen hin entwickelt hat. Letztlich musste es in der Nähe der Produktion sein, weil ja dort in der ersten Phase der Wasserstoff eingesetzt wird und letztlich auch die Leitungsführung ein starker Kostenfaktor ist. 

retailreport.at: Sind nun alle Herausforderungen gemeistert?

Peter Paul Mölk: Endgültig beantworten kann man das noch nicht. Ich denke, es bleibt herausfordernd. Wir haben versucht, die Unbekannten bekannt zu machen, soweit das möglich war. Das geht aber nicht zu Gänze. Erfreulich ist, dass wir das Wasserstoffprojekt über eine EU- und Bundesförderung starten konnten. Das sorgt für eine Risikoabschwächung, aber selbstverständlich nicht gänzliche Risikoabdeckung. 

retailreport.at: Es ist also ein durchaus mutiger Schritt?

Peter Paul Mölk: Ja, für uns ist es ein mutiger Schritt. In diesem Ausmaß gibt es wenig Vergleichbares. Es ist ein starkes Statement. Die gesamte Familie steht hinter diesem Projekt. Das ist der Weg, den wir beschreiten wollen. Wir wollen Verantwortung übernehmen. Ob alles genauso passiert, wie wir uns das vorstellen, ist noch offen. Wir haben jetzt das Projekt gestartet, müssen uns aber weiterhin eine gewisse Flexibilität erhalten und wenn nötig auf Veränderungen eingehen. Das ist die große Kunst, dass das Projekt immer noch wirtschaftlich bleibt und am Schluss das herauskommt, was wir damit erreichen möchten. 

Ewald Perwög: Wir arbeiten seit fünf Jahren an diesem Projekt. Da gab es viele Herausforderungen und Hürden zu meistern. Zwei Eigenschaften sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig gewesen: den Mut, dieses innovative Projekt überhaupt zu machen und Besonnenheit, die notwendig ist, um das in einem wirtschaftlichen Rahmen zu gießen. Jetzt sind wir soweit, dass wir die Projektumsetzung mit dem Spatenstich symbolisch begrüßen können.

retailreport.at: Wie kann man sich das Projekt technisch vorstellen?

Ewald Perwög: Zentrale Komponente der Anlage, die Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff spaltet, ist der Elektrolyseur. Weiters entsteht eine kombinierte Diesel-Wasserstoff Tankstelle sowie ein Druckgasspeicher, wo das produzierte Wasserstoffgas gespeichert wird. Über eine Trafostation wird die Anlage mit dem elektrischen öffentlichen Verteilnetz gekoppelt. 

retailreport.at: Wie geht es weiter?

Ewald Perwög: In einem ersten Schritt, wird der Wasserstoff das fossile Erdgas in unserer Bäckerei ersetzen. Wir werden damit in der Lage sein, auch hier für die industrielle Prozesswärme eine CO2-freie Alternative anzubieten. In einem zweiten Schritt – sobald entsprechende Fahrzeuge zur Verfügung stehen – wird der Wasserstoff verwendet, um ihn noch weiter zu komprimieren und ihn als CO-2 freien Treibstoff für unsere Logistikflotte zu verwenden. 

retailreport.at: Was nimmt man aus dem bisherigen Projektablauf mit?

Peter Paul Mölk: Wir haben es geschafft, dass wir mit den Herausforderungen, denen wir bisher begegnet sind, das Projekt zusätzlich verbessern konnten. Hätten wir nicht an dieser Strategie festgehalten, wäre das Projekt jetzt nicht umsetzungsreif. Wichtig ist auch, dass wir vom Land Tirol nicht bloß verbal unterstützt werden, sondern auch spür- und erlebbar. Das hat auch damit zu tun, dass die Landesregierung das Themenfeld für sich entdeckt hat. Tirol ist dabei sich in Europa einzigartig als Vorzeigeregion für Wasserstoff zu positionieren.

retailreport.at: Gibt es noch offene Fragen?

Peter Paul Mölk: Nehmen wir zum Beispiel die gesamte LKW-Situation. Den fertigen Wasserstoff-LKW gibt es noch gar nicht. Es gibt also rund um unser Projekt herum, noch viel Forschung und Entwicklung, was andere Bereiche betrifft. Es werden Prototypen gebaut werden. Aber wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wie dieser Prototyp ausschauen wird, was er kosten wird. 

retailreport.at: Sehen Sie sich auf Ihrem Weg bzw. Initiative bestätigt? Stichwort Klimawandel.

Peter Paul Mölk: Ja wir sehen jetzt, dass die Entscheidung eine richtige ist und dass sich rational betrachtet, viele Risikofaktoren relativieren müssten. Das heißt wir wissen, dass wir auf Alternativenergien umstellen müssen. Das heißt Photovoltaik, das heißt Wind, das heißt Wasser und dass aufgrund dessen der Regelenergiemarkt eher größer wie kleiner wird. Das ist auch ein Faktor, der nicht unerheblich ist. Wir wissen, dass in irgendeiner Form eine CO2-Besteuerung kommen wird. Es wird voraussichtlich Regelungen geben, die den Transport anbelangen. Das sind alles Dinge, die unser Projekt letztlich positiv begünstigen. Auch ist damit zu rechnen, dass auf EU- sowie auf Bundes- und Landesebene weitreichende Maßnahmen gesetzt werden, die für unser Projekt eher förderlich sein werden. Das ist unser Glaube daran und auch der Grund, dass es so ein starkes Bekenntnis gibt. 

retailreport.at: Wie ist die MPreis Wasserstoff-Initiative einzuordnen?

Peter Paul Mölk: In Österreich sind wir sicher weit voraus. Was wir aber sehen, ist ein allgemein großes Interesse der Branche an umweltfreundlichen Technologien und auch Themen wie Wasserstofftechnologie. Vermehrt und weil es naheliegender ist, beschäftigt man sich mit der Elektromobilität, die aber das Thema Schwerverkehr derzeit nur bis zu einem gewissen Grad lösen kann. 

retailreport.at: Und auf europäischer Ebene?

Peter Paul Mölk: Da gibt es einiges an Engagement, etwa in der Schweiz, Belgien oder Norwegen im Bereich der Wasserstofftechnologie. Diese Initiativen sind, aber noch nicht so weit, wie es unsere ist, weder vom Fortschritt noch von der Umsetzungsgenauigkeit her. Aktuell erhalten wir Anfragen aus der Schweiz, in dem Wissen, dass wir schon einige Dinge gelöst haben, die der Branche in der Schweiz aber erst noch bevorstehen. Es wird nach Know-how oder Input gefragt. Wir sind also momentan europaweit eine Art Werbebotschafter für Wasserstoff.

MPreis Wasserstoff Initiative
MPreis Wasserstoff Initiative

Veröffentlicht am

20.03.2020