Manege frei für Ladenbau-Innovationen

Manege frei für Ladenbau Innovationen

Will man im stationären Handel gegen die reinen online-Auftritte der Kollegen erfolgreich bestehen, so muss man mehr als die Hausaufgaben erfüllen.

Jeder und jede Person mit Internetanschluss und gültiger Kreditkarte kann über Webshops einkaufen. Praktisch für Konsument und auch Händler. Die traurigen Bilanzen der Rücksendungen und auch jener der „last mile“ kennen wir alle und wir wissen nicht, wann wir sie zufriedenstellend für alle lösen werden.

In der Zwischenzeit ist es sinnvoll sich verstärkt auf die tatsächlichen Verkaufsflächen im Handel zu konzentrieren. Denn – wie auch alle wissen – der Kunde kauft lieber in schönen, hippen, modernen und seinen Ansprüchen gerechten Geschäften ein, als in verwahrlosten Buden. Viele Vorschläge, ob sie nun technisch auf extrem hohem Niveau liegen oder für die breite Masse leistbar und umsetzbar, bietet die Euroshop im Februar in Düsseldorf eine breite Palette an Neuheiten. Doch vorab ein Rundblick, was sich in der jüngsten Vergangenheit getan hat.

Jos de Vries

Eines der besten und aufwändigsten Beispiele in der für Kunden attraktiven Umsetzung gelang dem internationalen Ladenkonzept-Planer Jos de Vries in Singapur. In der 6 Mio. Einwohner Stadt stattete das Team von Jos de Vries den Supermarkt-Führer Fair Price neu aus. Das neue Outlet liegt in Singapurs Top-Einkaufszentrum Vivocity und hat das FairPrice Format Xtra. Besucher sind nicht nur Einheimische, sondern auch Touristen und es gibt auch zwei verschieden Eingänge, was die Umsetzung erschwerte. Das Endergebnis ist gelungen: auf einer Fläche, die den wohl höchsten m2-Preis hat, wurde ein Einkaufserlebnis der besonderen Art umgesetzt. Ein wesentlicher Faktor ist die Einbindung der Gastronomie in den Handel. Man kauft sich ein Steak an der Theke und lässt es sich in der Mitte des Marktes vom Koch zubereiten. Dazu gibt es Beilagen-Vorschläge. Auch die Getränke werden in der Gastro-Abteilung gekauft. Mit diesem Konzept verbindet man den immer stärker werdenden Out-of-Home-Konsum mit dem klassischen Lebensmittelhandel. 

Weitere Besonderheiten sind ein Café, eine Fischabteilung mit zahlreichen Aquarien mit lebenden Krabben und Fischen, eine Bäckerei, Sushi, eine Teeabteilung und ein frischer. Der Eiswagen ist ein wichtiger visueller Punkt im trockenen Lebensmittelgeschäft, ebenso wie einige zusätzliche digitale Elemente. Dazu zählt das „Endlos Regal“: auf einem Bildschirm kann man sich neben Produkten vor Ort auch viele weitere aussuchen, die dann nach Hause geliefert werden. Beliebte Produkte sind dabei technische Geräte, wie etwa Waschmaschinen und Co. 

Eine ähnliche Umsetzung im Sinne der Verbindung zwischen Gastro und Handel bietet auch der ukrainische Supermarkt Silpo, der sogar Tische eindeckt, um die Kunden zum Verweilen zu animieren. Und auch in Österreich darf man laut Handelsmanager im nächsten Jahr einiges erwarten.

Jos de Vries präsentiert auf der Euroshop 2020 vom 16. bis 20. Februar sein neues Buch, das diesmal den spannenden Titel „From Spaces to places“ tragen wird und die online und offline-Thematik behandelt.

 

 

dm drogeriemarkt

 

Ein Highlight der besonderen Art fand retailreport.at bei dm drogeriemarkt in vereinzelten Filialen: den animierten Spiegel. Damit ist dem Drogeriefachhändler ein Coup gelungen, der bis dato auf Messen zu sehen war und zur Zeit in drei dm Filialen zum Einsatz kommt (Anif, Spittal an der Drau, Villach). Der dynamische Spiegel funktioniert folgendermaßen: Per Berührung auf den Touch-Point der jeweiligen Lichtfarbe kann der Kunde je nach Wunsch sein Make-up bei verschiedenen Lichtfarben testen. Die dm Schminkstation wird in Österreich immer mit dynamischem Spiegel ausgeführt und bei Umbaufilialen mit Schönheitsschwerpunkt eingesetzt.

 

dynamischer Spiegel bei dm
dynamischer Spiegel bei dm

 

Emmas Enkel

 

Das EHI berichtet, dass in Stuttgart Real gemeinsam mit dem Start-up Smark ein neues Einzelhandelskonzept realisiert hat, das Konsumenten 24/7 ermöglicht, Produkte für den täglichen Bedarf via Bestellterminal einzukaufen – ohne dafür eine Smartphone-App nutzen zu müssen. Am Rosenbergplatz 1 können Konsumenten im neuen 45 m2 großen „Emmas Enkel“-Store ab sofort an 365 Tagen im Jahr zur gewünschten Zeit Bedarfsprodukte einkaufen. Inszeniert wird jedoch nur ein kleiner Anteil der Waren. Das Ladengeschäft dient als Anlaufstelle für den schnellen Einkauf und richtet sich vor allem an die Laufkundschaft, die in direkter Umgebung lebt und/oder arbeitet und ohne eigenes Auto auskommt. Einkaufen kann der Kunde seine Produkte im Store oder bereits vorab via App. Bestellt er bereits vor Betreten des Ladengeschäfts via App, kann er seinen Warenkorb von überall aus nach dem „Click & Collect“-Prinzip zusammenstellen und mit Paypal bezahlen. Alternativ stehen dem Kunden in der Filiale zwei Bestellterminals zur Verfügung, an denen er seinen Einkauf nach der Produktauswahl neben Paypal auch per EC- oder Kreditkarte sowie mit Google Pay und Apple Pay abschließen kann. Nach der Zahlung erhält der Kunde einen QR-Code – via App digital, im Store in ausgedruckter Form – mit dem die Bestellung zu jeder beliebigen Zeit an einem der beiden Abholterminals im Markt entgegengenommen werden kann.

 

Bestellt werden alle Produkte an einem der dafür vorgesehenen Terminal im Store.

Wanzl 

Wanzl Shop Solutions entwickelte in enger Zusammenarbeit mit der Edeka Ladenbauabteilung für die wiedereröffnete Edeka Filiale Fitterer in Rülzheim/Deutschland auf 2200 m2 ein besonderes Konzept: Die Ladenfläche entführt die Kundschaft auf einen Wochenmarkt im Retro-Stil. Das Design ist an das Selbstverständnis der Betreiberfamilie angelehnt. Nach dem Motto „Fit, Fitter, Fitterer“ steht sie mit ihrem Namen für Regionalität, Frische und Qualität. Daher prangt das Motto als Gütesiegel individuell adaptiert in den verschiedenen Produktsegmenten. Das Konzept setzt ein weißes, geflochtenes Rautenmuster als redundantes Motiv ein, das an den traditionellen Einkaufskorb erinnert. Einzigartig präsentiert sich die ein wichtiger Bereich, die Süßware: Der „Candy Shop“ ist im Vintage-Stil der
50er Jahre gestaltet. Bunte, mit kleinen Spots beleuchtete Buchstaben ziehen alle Blicke auf sich und
wirken wie das Tor zu Willy Wonkas Wunderland.

 

Candy shop in Retro bei Edeka Fitterer

 

EHI Studie zu Ladenbau

Die Investitionsbereitschaft des Handels in das Erscheinungsbild und die technische Ausstattung seiner Geschäfte ist weiterhin auf einem hohen Niveau – das gilt insbesondere für den Lebensmittelhandel. Über alle Handelsbranchen hinweg ist die Optimierung des Bestands der größte Kostenfaktor bei den Investitionen. So einige vorläufige Ergebnisse der EHI-Studie „Ladenmonitor 2020.

Die Kosten für die Einrichtung eines neuen Lebensmittelmarkts sind im Vergleich zu 2016 um 14,7 % auf 733 Euro pro m2 Verkaufsfläche (VKF) gestiegen (Deutschland). „Ein unverändert hoher Anspruch an die Ladenoptik, gerade in den Frischebereichen, mehr gastronomische Angebote und kühlpflichtige Convenience-Sortimente bestimmen das Investitionsverhalten des Lebensmittelhandels. Damit wird auch weiterhin in moderne, energieeffiziente Kältetechnik investiert.“, erklärt Claudia Horbert, EHI Ladenbau Expertin. So gehört die Kühltechnik aktuell für 90 % der befragten Lebensmittelhändler zu den Investitionsschwerpunkten. 2016 lag der Anteil noch bei 73 % 

Im Mittelpunkt ihrer Investitionen steht für Handelsunternehmen aller Branchen weiterhin die Bestandsoptimierung der Filialen. Diese folgt allerdings nicht mehr zwangsläufig regelmäßigen Renovierungszyklen im Sinne von Komplettumbauten. So hat sich der Trend der letzten Jahre zu einer Verlängerung der Fristen für Umbauten deutlich verstärkt. Vollumfassende Renovierungen im Food- und Nonfood-Handel werden jetzt erst nach über 9 bis 9,1 Jahren durchgeführt. An ihre Stelle treten Teilumbauten und kleinere Refresh-Lösungen mit hochflexiblen Einrichtungsmodulen und einer raschen Veränderung von Aktionsflächen, um die Läden technisch und optisch auf dem neuesten Stand zu halten. Die komplette Studie wird auf der Euroshop 2020 vorgestellt.

Veröffentlicht am

16.12.2019