Henkel Mag. Birgit Rechberger-Krammer

Weibliche Handschrift erwünscht

Für einen Konzern wie Henkel ist es ein wichtiges Zeichen: Seit Oktober 2017 ist erstmals eine Frau an der Spitze in Österreich.

Mag. Birgit Rechberger-Krammer hat 2017 als Präsidentin der Henkel CEE die Nachfolge von Mag. Günter Thumser angetreten. Sie hat zwar knapp 30 Jahre Erfahrung im Düsseldorfer Konzern, aber diese Position einzunehmen war für sie schon etwas ganz Besonderes – die Funktion an sich und dann im Besonderen als Managerin. Als Frau müsse man sehr gut organisiert sein, speziell dann, wenn man eine Familie hat. „Das frage ich auch ganz direkt meine Mitarbeiterinnen, wenn sie eine höhere Position im Unternehmen anstreben: Wie gut bist du organisiert?“, so Rechberger-Krammer. Durch „Succession Planning“ werden Mitarbeiter in ihrer Laufbahn gefördert und befördert. Auf diesem Karriereplan müssen auch Frauen gelistet sein. Die Maßnahmen wirken, heute sind 34% aller Henkel-Manager weiblich. 

Drei Themen liegen am Herzen

Dass die Managerin das tägliche Geschäft fest im Griff hat, ist selbstverständlich. Welche Schwerpunkte sie darüber hinaus setzen möchte, erklärt sie in einem Gespräch: „Es gibt drei Themen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen: Nachhaltigkeit, Frauen- und Talenteförderung sowie Digitalisierung“. Die Themen scheinen richtig gewählt zu sein, sind es doch exakt jene, die die Branche stark betreffen und intensiv beschäftigen: Plastikvermeidung, Transportwege verkürzen, die Suche nach High Potentials, aber auch nach Fachkräften, sowie die Transformation des Unternehmens ins digitale Zeitalter stehen etwa auf der Agenda.

Für 850 Mitarbeiter in Österreich (rund 100 sind in Vorarlberg bei der jüngst von Henkel erworbenen Firma Sonderhoff angesiedelt) stellt sie für die Zukunft die Weichen. Die 750 in Wien ansässigen Mitarbeiter sind in der Produktion, im Zentrallager und in der Verwaltung beschäftigt. Um die richtigen Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen, holt sich Birgit Rechberger-Krammer oft in der Konzern-Zentrale in Düsseldorf die Inspiration. Dort treffen, wie auch in Wien, sehr viele Kulturen aufeinander, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alle sehr unterschiedliche Erfahrungen im Management gemacht haben. 

„Ein Beispiel, bei dem wir besser werden können, will ich Ihnen gerne nennen“, so Rechberger-Krammer. „Wir sind bei Henkel ausgezeichnet im Thema Nachhaltigkeit und haben viele Projekte bereits realisiert. Aber: Wir sind nicht besonders gut im Storytelling.“

Henkel als Konzern investiert viel Geld in die Reduktion seines ökologischen Fußabdrucks, das reicht von der Vermeidung von Plastik, der Minimierung des Wassereinsatzes bis hin zum Einsatz von Recyclingmaterial.

Erfolge und Ziele der Nachhaltigkeit

2018 hat die Branche im Flüssigwaschmittelbereich einen weiteren Kompaktierungsschritt gesetzt. Alle Produkte wurden weiter konzentriert, das resultiert zugleich in weniger Chemieeinsatz, weniger Verpackungs- und geringerem Transportaufwand.

Die Persil Caps werden außerdem in einer Verpackung verkauft, die gemeinsam mit Greiner (OÖ) entwickelt wurde, bestehend aus einem dünnen Kunststoff-Korpus, von dem sich der Karton leicht trennen lässt. Henkel hat sich unter anderem dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2025 35% Recyclingkunststoff in allen seinen Konsumgüter-Verpackungen in Europa einzusetzen. Bis zum Jahr 2025 sollen außerdem 100 % der Verpackungen wiederverwendbar, recyclebar oder kompostierbar sein, 100 % des Papiers bzw. Kartons aus Recyclingmaterial oder aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Henkel will außerdem bis 2025 mehr als 1 Milliarde Verbraucher mit Informationen zum Verpackungsthema erreicht haben. Beispiele für Recyclingverpackungen sind: Silan (Flasche zu 50% aus Recyclat), Pril (25%), Clin Pro Nature (100%), Syoss (25%), Nature Box (25%), Fa Deo (25%), Pritt Roller (50% Recyclat im Gehäuse), Pritt Korrekturroller Eco Flex (100%)

Weitere laufende Projekte im Sinne der Nachhaltigkeit betreffen den LKW-Transport zwischen der Fabrik in Erdberg und dem Lager in Meidling, von dem aus sechs Länder direkt versorgt werden. Im dritten Wiener Gemeindebezirk wurden zuletzt rund 240.000 Tonnen Universalwaschmittel, Spezialwaschmittel, Weichspüler, Handgeschirrspülmittel und Fensterputzmittel hergestellt. Wien ist einer der wichtigsten Flüssigprodukte-Standorte für Laundry & Home Care im Unternehmen. Die Fabrik ist gut ausgelastet. Deshalb ist die Frage nach dem Erhalt des Standorts manchmal ein Reizthema für Rechberger-Krammer. „Was allerdings in Jahrzehnten sein wird, das kann niemand vorhersagen“, so die Henkel-Präsidentin. Erst kürzlich hat Henkel den „Umweltpreis der Stadt Wien“ für das Maßnahmenpaket „Package18“, für den oben erwähnten Kompaktierungsschritt, bekommen. Seine Umsetzung brachte im Produktionsprozess des Werks für flüssige Wasch- und Reinigungsmittel deutliche Einsparungen bezogen auf Verpackungskunststoff (minus 815 Tonnen pro Jahr), Stromverbrauch (minus 18.400 kWh) und LKW-Transporte (minus 190.000 km = 1.754 Tonnen CO2) mit sich.

Der Markt im Fokus

2018 war für Henkel in Österreich ein solides Jahr, mit gutem Wachstum unter anderem bei Fewa, Silan, Blue Star, der Marke Fa, bei Colorationen und bei Loctite, der Nummer 1 bei Superkleber. Innovative Premium-Angebote sind ein Gebot der Stunde, um Umsatzzuwächse zu lukrieren. Henkel-Beispiele dafür sind die Caps bei den Waschmitteln, die Marke Bärnängen bei der Kosmetik oder der Loctite Pen bei Klebstoffen. 

Online-Umsätze wachsen global, in Österreich vergleichsweise noch am geringsten, da „wir eine hohe Dichte an stationären Märkten haben“, so Rechberger-Krammer. In Tschechien wiederum gibt es vier pure Online-Händler, und auch etwa in Frankreich ist E-Commerce aufgrund der von Hypermarches bestimmten Handelslandschaft ein großes Thema. In Osteuropa starten sogar die ersten reinen Online-Player damit, über die Grenzen hinweg zu verkaufen. Digitalisierungsprozesse zu beschleunigen, ist daher einer der Eckpfeiler der Strategie Henkel 2020+. In Wien hat die Henkel-Präsidentin dazu ein eigenes, bereichsübergreifendes „Digi SteerCo“ zur Steuerung aller entsprechenden Aktivitäten in Leben gerufen. Das Markenartikelunternehmen möchte mit seinen Produkten jedenfalls stets dort präsent sein, wo der Konsument einkauft. Birgit Rechberger-Krammer: „Der Handel schätzt uns aufgrund unserer Vollstruktur in jedem Land, wir gehen auf die einzelnen Vertriebsschienen ein und bieten maßgeschneiderte CRM-Lösungen.“