Interspar feiert 50 Jahre

Interspar: Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Das Format der Spar feiert heuer seinen 50. Geburtstag und blickt auf bewegende Zeiten zurück. Dr. Hanspeter Madlberger blickt zurück.

Es genügt ein Blick in das Nielsen Consumers Austria Booklet 2020, um den Stellenwert  der Interspar-Märkte einzuordnen, die heuer 50 Jahre auf dem Buckel haben.  Rund zwei Milliarden Euro setzte Interspar im Jahr 2019 in  Österreich um. Mit 1,9 Milliarden Euro beziffert Nielsen den Umsatz 2018 aller Verbrauchermärkte über 2500 m2. Mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 4100 m2 sind die 66 Interspar und 7 Maxi Märkte im Lande dieser Größenklasse voll zuzurechnen.   

Vereinfacht ausgedrückt: Der Betriebstyp der Hypermärkte hat hierzulande einen Namen: Interspar. Eine einzigartige Situation in der europäischen LEH-Landschaft, ein Phänomen, dessen Ursachen zu ergründen, sich wahrlich lohnt.

Der Überraschung-Coup

Schon dem Interspar-Start im Jahr 1970 haftete der Charakter eines Überraschungs-Coups an. Wenige Wochen zuvor wurde die Spar Österreichische Warenhandels AG gegründet. Zehn selbstständige Großhändler, Mitglieder der zweistufigen Handelskette Spar, brachten damals ihre Firmen in eine gemeinsame Aktiengesellschaft ein. Ein Schritt, der europaweit  für  Aufsehen sorgte. Denn damit war der Grundstein  für  die Errichtung eines konzerneigenen Filialsystems gelegt. Regionale Großhandelsfirmen mutierten zu einem nationalen (und später internationalen) Einzelhandelskonzern, der jedoch seine ursprüngliche Funktion als Kettengroßhändler, der selbstständige Spar Kaufleute belieferte, beibehielt. Das „duale System“ der Spar Österreich war geboren. 

Warum es Luis Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar AG von 1970 bis 1990 so eilig hatte, das Interspar-Format aus der Taufe zu heben, erklärt sich aus dem Umstand dass damals die Verbrauchermarkt-Welle,  aus Deutschland kommend, über den österreichischen LEH hereingebrochen war. Bereits Mitte der 60er Jahre entstanden beim nördlichen Nachbarn in rascher  Reihenfolge Verbrauchermarkt-Ketten wie Kaufland, Wertkauf, Neukauf, Profikauf, Globus etc. Im März 1969 eröffnete mit dem Maximarkt in Linz-Wegscheid der erste Vertreter des neuen Ladentyps, KGM Vösendorf im Süden von Wien und Plus in Linz- Pasching folgten. Die AG-Gründer wussten, wenn die Spar nicht sofort zuschlug, war der Zug abgefahren. Wer zu spät kommt, den bestraft der Wettbewerb, auch im Handel, dem extrem dynamischen Wirtschaftszweig.

Drexels größte Sorge aber war: Was werden die Spar Kaufleute sagen, wenn ihr Großhandelspartner mit eigenen Großmärkten auf den Plan tritt und ihnen mit einem Riesensortiment und aggressiven Preisen möglicherweise Umsätze wegschnappt? In dieser Situation landete der bedächtige, weit blickende Vorarlberger einen Geniestreich. Als Präsident der Vereinigung Österreichischer Spar Kaufleute ließ Luis D. im Frühjahr 1970 bei der denkwürdigen Delegiertenversammlung in Linz die Spar-Funktionäre über die Errichtung einer Großmarktkette namens Interspar abstimmen. Und um seinen Kettenkaufleuten diese  Zustimmung schmackhaft zu machen, lud er sie ein, sich finanziell an der neuen Firma zu beteiligen. Mit großer Mehrheit votierten die Spar-Delegierten für Interspar, Anteile am Großmarkt-Unternehmen mit dem Tannen-Logo aber zeichnete kein einziger Spar-Kaufmann. Das duale Spar-System hatte seinen ersten Stresstest bravourös bestanden. Bereits 1971 liefen die ersten Interspar-Märkte in Innsbruck-Rum, Dornbirn und Graz vom Band.

Interspar kam die Hypermarkt-Konkurrenz abhanden: The winner takes it all

Wesentlichen Anteil am Langzeit-Erfolg von Interspar hatten die Mitbewerber, die im  Verdrängungswettbewerb der 70er, 80er und 90er Jahre reihenweise das Handtuch warfen. Interspar wuchs durch die Übernahme von drei Gerngross-Häusern, von zahlreichen KGM- sowie einigen Familia-Märkten (im Zuge der Konsum-Pleite), die Akquisition der beiden Huma Großmärkte in der SCS und in Wien-Simmering sowie einiger  Pampam-Standorte  (Wien, Sandleitengasse, Q19). Nicht zu vergessen, der Kauf der sieben Maximärkte, die sich mit ihrem hohen Nonfood-Anteil bis heute in Oberösterreich und Salzburg als eigenständige Alternative zur Interspar-Strategie präsentieren. 

Wachstumstreiber war neben den Übernahmen  der step-by-step-Ausbau von Interspar-Märkten zu kleineren regionalen Einkaufszentren in den 80er Jahren. Etliche Standorte entwickelten sich  im Lauf der Zeit zu überregionalen Shopping Centers. In Salzburg-Siezenheim, gleich neben der Hauptzentrale entstand der Europark, das Flaggschiff unter den Spar-Einkaufszentren, mit dem Interspar als Magnetbetrieb.

Eine wahre Symbiose

Ein weiteres, „duales“ Spar Modell war damit geboren, die Symbiose der  SES-Shoppingcenters mit den Interspar-Märkten als Kundenmagneten. Diesem Power-Duo von eigener Shopping Mall und Hypermarkt hatte Hauptmitbewerber Billa/Rewe nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Und die starke Präsenz von Interspar-Zentren in allen  namhaften Ballungsgebieten zwischen Wien und Dornbirn dürfte auch Big Players des europäischen Hypermarkt-Business davon abgehalten haben,  den österreichischen Markt zu betreten. Großmarkt-Abenteuer von Carrefour, Migros und Edeka Südbayern (mit Magnet, von Löwa übernommen) sind fulminant gescheitert, Firmen wie Kaufland, Tesco und Globus haben sich klugerweise gar nicht darauf eingelassen. 

Bezeichnenderweise  ist der LEH-Marktanteil der „großen“ Verbrauchermärkte (über 2500m2) in Österreich mit 9,2% (Nielsen 2018) im europäischen Vergleich besonders niedrig. In der Schweiz kommen  die Hypermärkte auf 21,6% Anteil, in Deutschland auf  23,8%,  in Frankreich und UK gar auf 47,0%  bzw. 48,1%. Hierzulande dominieren die Supermärkte und Discounter (400 bis 999m2) mit einem LEH-Umsatzanteil von 68,0%.

Erfolgsindikator Flächenproduktivität

Wie gut diese Spar-Kombination von Hypermarkt und Shoppingcenter von den Shoppern angenommen wird, zeigt die hohe Flächenproduktivität der Interspar Märkte in unserem Land. Bei einer Gesamtverkaufsfläche von rund 300.000m2 und dem erwähnten Umsatz von zwei Milliarden Euro schaffen die 73  Märkte (66 Interspar, 7 Maxi) eine sehr respektable jährliche Quadratmeterleistung von rund 6700 Euro. Einkaufszentren in Spar-(Familien-) Besitz wie der Europark Salzburg oder der Messepark Dornbirn weisen ebenfalls Spitzenwerte in puncto Flächenproduktivität auf.

Hohe Flächenleistung ist das Ergebnis einer Sortimentspolitik, die  speziell beim Nonfood-Angebot viel Augenmaß erfordert. Der über Jahrzehnte hinweg kontinuierlichen Expansion ist es geschuldet, dass Interspar die Optimierung  seiner  Nonfood-Sortimente  (Stichwort: Warenwelten)  in einem langen Lernprozess  schaffte. Jeder neu eröffnete Interspar wurde als Modellmarkt präsentiert. Learning by doing, ist die bewährte Interspar-Formel, immer wieder Neues auszuprobieren und mit fehlgeschlagenen Experimenten (wie dem „Getränketurm“)  aufzuräumen.

Gerade in Corona-Zeiten bergen die Mietkosten in Einkaufszentren hohes Konfliktpotential für die Beziehungskiste zwischen Zentrenbetreibern und eingemieteten Retailern. Wenn wie bei der Spar Holding, Mieter und Vermieter demselben Unternehmensverbund angehören,  schaffte das, bei hoher gemeinsamer Flächenproduktivität, willkommenen betriebswirtschaftlichen Spielraum.

Für Dkfm. Hans Rohregger, den Langzeitchef der  Maximärkte und exzellenten Kenner der Verbrauchermarkt-Szene im deutschsprachigen Raum liegt die ultimative Erfolgsformel von Interspar in der gelungenen Marktsegmentierung. Eine auf detaillierter Kenntnis der regionalen Marktstrukturen gestützte Standortpolitik hat zur Folge, dass sich die Einzugsgebiete der Spar Supermärkte, der Eurospar Superstores  (unter 2000 m2) und der Interspar Hypermärkte (mit 4100m2 Durchschnitts-Verkaufsfläche) nur in einem geringen Ausmaß überschneiden. Andererseits aber profitieren alle Spar-Formate von der gemeinsamen Dach-Marke, von den gemeinsamen Eigenmarken, vom gemeinsamen Einkauf.  Vielfalt im Standort-maßgeschneiderten Vertrieb und Einheit im Branding, diese Quadratur des Kreises,  konstruiert nach dem Vorbild Migros, ist den Salzburgern gelungen. Auch die Spar-Kaufleute, die übrigens beim Einkauf Zugriff auf das gesamte Interspar Food- und Nonfood-Sortiment haben, brauchen ihr Ja zu Interspar aus dem Jahr 1970 nicht zu bereuen. Sie weisen aktuell Umsatzzuwachsraten auf, die sich mit jenen des großen Bruders durchaus messen können.

Zum Geburtstag: Nußdorf-Debant eröffnet

Eigentlich sollte im schönen Osttirol die Geburtstagsfeier zu 50 Jahre Interspar stattfinden, aber COVID19 hat den Plan durchkreuzt. Die Feierlichkeiten werden verschoben, aber der Interspar-Markt in Nußdorf-Debant trotzdem eröffnet. Das komplett neugestaltete Interspar-Einkaufszentrum in Nußdorf-Debant eröffnet auf 4350 m2 Einkaufsvergnügen im Hypermarkt, regionale Schmankerl, innovative Shopping-Services, ein neues Interspar-Restaurant und fünf Shoppartner (Ernsting’s family, Frisör Klier, der Damenmodeshop Flash, ein Geschenkshop und eine Trafik) begeistern ab sofort wieder die Kunden aus Osttirol, Oberkärnten und dem angrenzenden Südtirol. Interspar investierte 25 Mio. Euro in die Modernisierung und schafft rund 150 Arbeitsplätze.
Kulinarisches Highlight ist außerdem die neue Interspar-Market Kitchen, wie sie schon in einigen anderen Interspar in Österreich zu finden ist (ZB Plus City).

Nachhaltig und innovativ

Eine echte Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit und Plastikabfallvermeidung nimmt Interspar mit den neuen Abfüllstationen ein. An einer eigenen Station gibt es Bioprodukte wie Müsli, Hülsenfrüchte, Pasta, Reis und auch lokale Produkte zur Selbstabfüllung – wahlweise in Interspar-Papiersackerl oder mitgebrachte Behälter. An einem Milchautomaten vor dem Markt kann rund um die Uhr frische Bio-Heumilch vom Wachtlechnerhof der Familie Hauser gezapft werden. Zudem können Kunden an einer weiteren Abfüllstation biozertifizierte Wasch- und Spülmittel ab sofort immer wieder nachfüllen und helfen so, Plastikmüll einzusparen.

(v.l.n.r.) Geschäftsleiter Ernst Ebenberger, Regionaldirektor Robert Marko, Bürgermeister Ing. Andreas Pfurner und Interspar Österreich Geschäftsführer Mag. Markus Kaser dem neuen Interspar-Hypermarkt. 
Die neue Abfüllstation bei Interspar
Lokale Produkte stehen auch im neuen Interspar im Mittelpunkt

Veröffentlicht am

08.10.2020