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Harald J. Mayer_Tchibo/Eduscho

Den Blick nach vorne gerichtet

Nach 28 Jahren legt Harald J. Mayer die Geschäftsführung von Tchibo/Eduscho zurück und wechselt mit 1. Mai 2021 in den Aufsichtsrat. Mit retailreport.at sprach der Branchenkenner, der die größte Ländergesellschaft des Familienunternehmens zukunftsfit aufgestellt hat, über Meilensteine, Herausforderungen und sein Engagement abseits des Kaffeegeschäfts.

Autorin: Michaela Schellner

retailreport.at: Herr Mayer, Sie ziehen sich nach 28 Jahren bei Tchibo/Eduscho mit Ende April 2021 aus der Geschäftsführung zurück und wechseln in den Aufsichtsrat. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied?

Harald J. Mayer: Das ist natürlich eine große Veränderung, aber keine überraschende. Ich ziehe mich aus dem operativen Geschäft zurück und bin gespannt auf meine neuen Aufgaben im Aufsichtsrat. Dem Unternehmen und natürlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bleibe ich also weiterhin verbunden.

Sie übergeben das Zepter an Ihren Nachfolger Erik Hofstädter, der in der Branche kein Unbekannter ist. Welchen Rat möchten Sie ihm für die zukünftige Gestaltung von Tchibo/Eduscho denn mitgeben?

Erik Hofstädter ist ein ausgezeichneter Manager, der Tchibo/Eduscho entschlossen in die Zukunft führen wird und dabei wünsche ich ihm die glückliche Hand des Tüchtigen. Die Übergabe läuft bereits seit Anfang des Jahres und ich bin überzeugt, dass er das Unternehmen mit seiner besonderen Affinität zur Getränkebranche und dem Lebensmitteleinzelhandel auch weiterhin nachhaltig voranbringen wird.

Das Unternehmen nachhaltig voranzubringen, war auch immer Ihr großer Anspruch. Wenn Sie nun zurückdenken, welche Meilensteine waren die prägendsten für Sie persönlich, aber auch für Tchibo/Eduscho als Unternehmen?

Die zwei größten Meilensteine sind die nachweisliche Kundennähe zu Millionen Verbrauchern der Marken Tchibo und Eduscho und die funktionierende Partnerschaft zum Lebensmittelhandel in Österreich. Mit dem Einzug des Espressosegments in die österreichischen Haushalte – früher hat man seinen Espresso oder Cappuccino ja nur in der Gastronomie getrunken – und dem Ausbau des Einzelportionssegments mit Cafissimo und Qbo, hat sich am Kaffeemarkt außerdem eine ganz besondere Dynamik entwickelt. Und obwohl im Non Food Segment nahezu alle Händler in Österreich ähnliche Vertriebsmethoden nachgestellt haben, ist es Tchibo gelungen, seine Originalität zu behalten und weiter zu entwickeln. Alle diese Meilensteine und viele mehr waren nur durch ein starkes Team möglich. Es freut mich besonders, dass unsere 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter uns dieses Feedback wissen lassen und Tchibo/Eduscho zum wiederholten Mal zum Great Place to work gewählt haben.

Es gab aber in den vergangenen 28 Jahren mit Sicherheit auch einige Herausforderungen zu meistern. Wie haben Sie diese Situationen gemanagt?

Wenn man sich eine marktführende Position bei Kaffee einerseits und die Innovationsführerschaft bei Non Food andererseits erarbeitet hat, ist man automatisch einem verstärkten Fokus ausgesetzt. Dies galt es immer zu verteidigen und weiter zu stärken. Was Tchibo dabei sicherlich geholfen hat, ist die Nähe zum Verbraucher.

Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?

Angefangen vom gelebten Crosschanneling-System, sprich der Verzahnung unserer Filialen und dem Onlineshop sowie der langjährigen Partnerschaft mit dem Lebensmittelhandel bis hin zu Innovationen im Kaffeesortiment und unserem Nachhaltigkeitsengagement. Dabei stellen wir stets die Verbraucher in den Fokus unseres Handelns und Tuns.

Was im Zuge der Corona-Krise sicherlich nicht ganz einfach war. Ich nehme an, Sie haben sich Ihr letztes volles Jahr im operativen Geschäft auch anders vorgestellt…

Die Covid19-Krise ist für alle eine große Herausforderung. Da galt es vergangenen März sehr rasch flexibel und nach vorne gerichtet zu agieren, ganz einfach das Beste aus der Situation zu machen. Wir haben alles daran gesetzt, verbrauchernah zu bleiben und waren während lockdown-bedingter Filialschließungen für die Kunden im Lebensmittelhandel und in unserem Onlineshop da. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern waren wir in sehr regelmäßigem, offenem Austausch. Die so entstandene positive Energie hat auch zahlreiche Mitarbeiter-Initiativen hervorgebracht und wir sind als Team näher zusammengerückt. Wenn man also in der Corona-Krise etwas Positives sehen will, dann das.

Die Corona-Krise wird der gesamten Branche lange in Erinnerung bleiben. An welche handels- und industrieseitigen Entwicklungen denken Sie abgesehen davon zurück, wenn Sie Ihre Berufslaufbahn Revue passieren lassen?

Ich habe viele entscheidende Situationen erlebt, die Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher und daraus resultierend des Handels herbeigeführt haben. Weniger die Historie, sondern den Blick nach vorne empfinde ich als relevant, was für mich auch persönlich charakteristisch ist. Da halte ich es wie der dänische Philosoph Kierkegaard „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“.

Ein sehr schönes Zitat, wie ich finde – dennoch möchte ich gerne mit Ihnen einen Blick in die Vergangenheit werfen und auf Ihre Anfänge bei Tchibo/Eduscho zu sprechen kommen. Wie kam es eigentlich zu Ihrem Engagement im Unternehmen und hätten Sie damals gedacht, dass Sie dort so lange bleiben werden?

Tchibo trat 1993 in den österreichischen Markt ein. Ich habe mir gedacht, die Markteinführungsphase zu organisieren. Dass ich dann doch ganze 28 Jahre bleiben werde, habe ich damals nicht geglaubt. Allerdings haben es das dynamische Umfeld und die vielen Möglichkeiten besonders interessant gemacht, für dieses Unternehmen zu arbeiten.

Sie sind nicht nur Geschäftsführer von Tchibo/Eduscho, sondern auch Präsident des österreichischen Kaffee- und Teeverbands. Außerdem sind Sie auch abseits des Kaffeegeschäfts sehr aktiv, zum Beispiel als Präsident des österreichischen Radsportverbands. Werden Sie diese Ämter auch in Zukunft weiter ausüben?

Der Radsport ist seit meiner Jugend meine große Leidenschaft. Ich habe mit Generationen von Sportlern sehr viele schöne und positive Momente erlebt. Gerne möchte ich mit einem sehr guten Team den Ausbau und die Entwicklung des Radsports in Österreich unterstützen.

Was den Österreichischen Kaffee- und Teeverband betrifft, so ist es in einem sehr kompetitiven Umfeld gelungen, eine transparente Branchenplattform zu schaffen. Und zwar mit dem Ziel, die Kategorie Kaffee weiter zu stärken und das Lieblingsgetränk der Österreicher jährlich am 1. Oktober zum „Tag des Kaffees“ zu feiern. Als Präsident ist es jetzt auch hier an der Zeit Abschied zu nehmen und ich werde mit der Generalversammlung im Juni nicht mehr zur Wahl stehen.

Was werden Sie rückblickend auf Ihre Arbeit bei Tchibo/Eduscho am meisten vermissen?

In den vergangenen Jahren hat sich bei Tchibo/Eduscho ein Team geformt, das einzigartig ist. Diese innovativen und engagierten Menschen werde ich vermissen.

Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft frei hätten, was wäre das für einer?

In Tagen wie diesen kann es nur einen Wunsch geben: Gesundheit.

Herr Mayer, herzlichen Dank für dieses Interview und alles erdenklich Gute für die Zukunft.


Über Harald J. Mayer

Harald J. Mayer ist am 19.10.1953 geboren und begann seine Karriere als Key Account Manager bei American Express Bank, setzte als Marketing- und Salesleiter bei Black & Decker fort und übernahm als General Manager die Führung von Vitra Shop & Display und anschließend Duracell Batterien.

1993 startete Harald J. Mayer seine Karriere bei der Tchibo Handelsgesellschaft mbH als General Manager für Österreich und den osteuropäischen Markt. 1997 fusionierte er Tchibo und Eduscho unter dem Dach der Eduscho (Austria) GmbH, für die er seither bis heute als Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung fungierte. Von 2001 bis 2008 war er zudem Geschäftsführer der Tchibo (Schweiz) AG und baute von 2004 bis 2006 das Tchibo Filialgeschäft in Tschechien und Polen auf. Seit 2008 hat Mayer zusätzlich Managementverantwortung für Slowenien.

Seit 2007 setzt sich Mayer als langjähriger Präsident des Österreichischen Kaffee- und Tee-Verbandes als Branchenvertreter für die Stärkung und den Ausbau der Kategorie Kaffee und Tee in Österreich ein.

Mit Ende April übergibt Mayer die Geschäftsführung von Tchibo/Eduscho an seinen Nachfolger Erik Hofstädter.

Harald J. Mayer ganz persönlich

  • Mein Lebensmotto ist… mit den Talenten das Bestmögliche erreichen.
  • Mein Vorbild… war immer mein Vater.
  • Zum Entspannen… höre ich Musik in allen Richtungen.
  • Darauf zu verzichten fällt mir besonders schwer… auf gutes Essen und Trinken.
  • Darüber kann ich lachen… über mein eigenes Missgeschick.
  • Wirklich glücklich macht mich… meine gesunde Familie.
  • Tchibo/Eduscho ist für mich … etwas ganz Besonderes.
  • So trinke ich meinen Kaffee am liebsten… oft, klein und schwarz.

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Veröffentlicht am

18.03.2021