Julius jun. (li.) und Alexander Kiennast

Kiennast erzielt 89,2 Mio. Euro Umsatz

Trotz starker Einbrüche im Bereich der Gastronomiebelieferung konnte das Handelshaus Kiennast sicher durch die Krise steuern. Im Jahr 2020 erwirtschaftete das Unternehmen 89,2 Millionen Euro Umsatz.

Autorin: Michaela Schellner

Die beiden Geschäftsführer Mag. Alexander und Mag. Julius Kiennast blicken auf ein außergewöhnliches Jahr 2020 zurück. Die Corona-Krise hat das Unternehmen aufgrund der zahlreichen Lockdowns und Schließungen vor allem im Bereich der Gastronomiebelieferung hart getroffen. Dennoch ist es gelungen, den Mitarbeiterstand zu halten; nach wie vor beschäftigt das Handelshaus 339 Personen. Möglich gemacht hat das die rasche Implementierung des Kurzarbeitsmodells sowie die Umsetzung und Fortführung verschiedenster Projekte, um gestärkt aus der Krise herauszukommen.

Vorbildliche Geschäftsentwicklungsdarstellung

Im Jahresbericht 2020 weist das Handelhaus Kiennast sehr vorbildlich die Umsatzentwicklung in den einzelnen Geschäftsfeldern aus. Eine Herangehensweise, die Schule machen sollte, wie Handelsexperte Dr. Hanspeter Madlberger in seinem kürzlich auf retailreport.at veröffentlichten Kommentar untermauerte. Denn genau diese Werte sind es die darüber Auskunft geben, wie sehr die heimische Wirtschaft im Vorjahr unter Corona gelitten hat, welche Auswirkungen es in den unterschiedlichen Sparten gab und an welchen unternehmerischen Schrauben für eine erfolgversprechende Zukunft gedreht werden muss.

Nah&Frisch-Kaufleute als Eckpfeiler der Nahversorgung

Positiv entwickelt hat sich das Handelshaus Kiennast im Geschäftsfeld Lebensmitteleinzelhandel (Nah&Frisch, Shop Top Service). Dort kletterte der Umsatz um plus 1,3 % auf 43,8 Millionen Euro. Besonders erfreut zeigen sich die beiden Geschäftsführer über die Performance von Nah&Frisch, wo sich die Kaufleute einmal mehr als wesentliche Pfeiler der regionalen Nahversorgung profilieren konnten. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen und Lockdown-Phase wurden insgesamt sechs Neueröffnungen (Röschitz, Mühlbach, Haitzendorf) sowie Nachbesetzungen (Gastern, Geras, Würmla) und drei Modernisierungen realisiert.

Im Tankstellenbereich kam es Corona-bedingt insbesondere in Frequenzlagen zu Umsatz-Rückgängen. Nicht von solchen betroffen waren Stationen mit dem im Jahr 2014 gestarteten Nahversorgungskonzept "Nah&Frisch punkt". Hier konnte das Unternehmen weitere Partner gewinnen und vier neue Standorte eröffnen (zwei Stationen mit Roth in Graz, ein „Nah&Frisch punkt“ mit Avia in St. Pölten, ein Shop mit Socar in Wien, Endresstraße).

Kein Wunder also, dass man auch 2021 starke Aktivitäten in diesen beiden Bereichen setzt. Bei Nah&Frisch kündigt Julius Kiennast für März einen neuen Standort in Ebenthal sowie qualitative Weiterentwicklungen und Modernisierungen an. Ausgebaut werden soll auch die Kooperation mit den Tankstellen der Marke Socar. Hier stehen 5 Nah&Frisch punkt-Neueröffnungen an, die aufgrund der Corona-Pandemie 2020 verschoben werden mussten. „Wir sehen im Tankstellen- und Convenience-Bereich noch großes Potenzial und werden dieses Segment 2021 strategisch weiterentwickeln“, so Julius Kiennast weiter.

Starke Umsatz-Einbrüche in Gastronomie & Hotellerie

In den Geschäftsfeldern Eurogast Kiennast und Pilz&Kiennast zeigt die Umsatzentwicklung ein weniger erfreuliches Bild. Aufgrund der Lock Downs im Frühjahr und Herbst/Winter musste man an den Standorten Gars und Gmünd ein Minus von 21 % auf 36,7 Millionen Euro hinnehmen. Mit Projekten wie Best.Delivery (umfangreiche Infos zur Abholung und Belieferung von Speisen), Best.Start (Sortimentspaket rund um Desinfektionsmittel, Masken und Einwegprodukte) oder Best.Check-In (Gästeregistrierungs-Tool in Kooperation mit gästekartei.at) konnte Kiennast seinen Kunden aber dennoch die unterschiedlichsten Service-Pakete als Unterstützung zur Verfügung stellen. Erfreut zeigen sich die beiden Geschäftsführer über die Entwicklung der Gmündner Markthalle, mit der man vor allem bei Gastronomie- als auch Privatkunden im nördlichen Waldviertel gepunktet hat. Auch wenn derzeit noch keine Entspannung in Sicht ist, geht das Unternehmen im Geschäftsfeld Gastronomie mit Optimismus ins Jahr 2021. „Wir nutzen die Zeit, um uns optimal auf den wiederholten Neustart und die Eröffnung der Gastronomie vorzubereiten“, so Alexander Kiennast.

Investments in Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Das Waldviertler Handelshaus will sich darüber hinaus vor allem im Bereich der Digitalisierung breiter aufstellen und hat zahlreiche Projekte auf der Agenda bzw. bereits umgesetzt. Im Rahmen eines e-Logistik Schwerpunkts im Fuhrpark wurde die elektronische Erfassung des Leergebindes vorangetrieben und die Fehlerquote somit deutlich reduziert. Außerdem sorgt die Einführung eines innovativen Dispositions-Programms im Sommer 2020 für eine weitere Optimierung der Warenverfügbarkeit. Darüber hinaus wurde der Onlineshop für Gastronomie-Kunden neu gestaltet und Vorbereitungen für einen neuen Webshop für die Nah&Frisch-Kaufleute getroffen. Ein Highlight der Digitalisierungsoffensive im Vorjahr war der Launch der Bestell-App Best.Friend gemeinsam mit Eurogast Österreich.

Kiennast Logistikzentrum in Gars am Kamp


In Sachen Nachhaltigkeit steht 2021 der Bau einer Photovoltaik-Anlage am Logistik-Gebäude sowie die Umrüstung der PKW-Flotte in Richtung Elektro-Auto auf dem Plan. Eine wesentliche Investition in die Zukunft ist aber der Büro-Neubau am Areal des Kiennast Logistikzentrums in Gars am Kamp, der bis 2022 Platz für bis zu 100 Mitarbeiter bieten soll.

Umsätze Handelshaus Kiennast 2020