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Hanspeter Madlberger im Kommentar

Her mit den Umsätzen im Corona-Jahr 2020

Kommentar von Dr. Hanspeter Madlberger: Coop Schweiz zeigt, wie schnell das mit den Umsätzen gehen kann.

Die Coop Schweiz war wieder einmal der schnellste Datenlieferant unter den Handelsriesen der D-A-CH-Region. Am Dreikönigstag um 9.30 Uhr erreichte uns das Mail über die Umsatzentwicklung der COOP CH-Gruppe im Corona-Jahr 2020.
Die Veränderungsraten gegenüber 2019 betrugen:

+14,4% bei den Supermärkten,
-1,2% im Nonfood-Einzelhandel,
-8,6% bei den Produktionsbetrieben und im Großhandel, also unter Einbeziehung der europäisch aufgestellten Transgourmet-Gruppe und
+35,2% im Online-Einzelhandel,
wobei der Coop-Supermarkt-Onlineshop gar um 42,6% zulegte.

Insgesamt bilanzierten die Eidgenossenschafter unter ihrem Beiratsvorsitzenden Hansueli Loosli, der kommenden April sein Amt aus Altersgründen zurücklegen wird, das Jahr 2020 mit einem Gesamtumsatz von 30,2 Milliarden CHF, was im Vergleich zu 2019 währungsbereinigt (Kursveränderungen zwischen Euro und Schweizer Franken) ein zartes Minus von 0,2% ergibt.

Die Umsatzresultate 2020, unterteilt nach Geschäftsbereichen, sind deshalb für das einzelne Unternehmen, die jeweilige Branche, ihre Lieferketten und die verantwortungsvoll handelnde, "koste es, was es wolle"-Bundesregierung von so brandaktueller Bedeutung, weil sie glasklar darüber Auskunft geben,

  • wie sehr das Corona-Virus die heimische Wirtschaft im vergangenen Jahr geschwächt hat,
  • wie unterschiedlich die Auswirkungen auf einzelne Sparten sind und
  • wie gut es einzelnen Firmen gelingt, einen internen Verlustausgleich herbeizuführen und damit aus eigener Kraft durch unternehmerische Tüchtigkeit die Krise zu meistern.

 

Coop CH zeigt: So dramatisch sind die Corona-Umsatz-Verschiebungen

So sind es bei den Schweizer Freunden vor allem die Supermärkte, die die Umsatz- (und damit Ertrags-)ausfälle im Transgourmet Gastro-Großhandel weitgehend kompensieren. Das auch die Coop Fachmärkte  mit  -1,2% recht glimpflich davon kamen, liegt nicht zuletzt an der guten Umsatzentwicklung in den Heim- und Gartenmärkten. Zweiter Rettungsanker im annus horribilis 2020 war der Online-Handel, wo die Coop, ebenso wie ihr Hauptmitbewerber Migros, vor allem im Nonfood-Business (z.B. mit Heimelektronik) punkten konnte und damit auch im Wettbewerb mit dem Global Player Amazon leidlich gute Figur machte. Noch stärker legte die E-Food-Sparte (Coop.CH) mit einem Plus von 42,6% zu. In absoluten Zahlen gerechnet, aber kommt das Plus beim Lebensmittel-Internet-Umsatz bei weitem nicht an die Erlössteigerungen  im stationären Bereich heran.

Warum eine rasche Umsatz-Statistik heuer besonders  wichtig ist

Zu normalen Zeiten trudeln die Jahresumsatzmeldungen der heimischen Handelsgruppen in den Redaktionen der Medien zwischen Mitte Jänner  (Kastner und Kiennast sind da traditionell unter den Ersten) und Mitte Februar ein. Nielsen sendet in der Regel seinen Zensus-Daten erst sechs Monate nach dem Jahreswechsel aus. Diesmal aber liegt es im Interesse der gesamten Branche, dass schon in den nächsten Tagen keine Prognose- sondern Echtdaten über den Umsatzverlauf 2020 vorliegen. Die Gründe für rasche Meldungen sind stichhaltig:

Da geht es zunächst um die Inanspruchnahme der vom Staat zugesagten Finanzhilfen

Zweitens liefert die Umsatzbilanz 2019/2020 erste Auskünfte über die Bonität der Unternehmen, Ergebniszahlen, die für die Lieferanten , die Kreditversicherer und den Bankenapparat, aber auch für um die Sicherheit ihrer Jobs-besorgten Mitarbeiter*innen von größtem Interesse sind. Es reicht nicht, wenn Interessensvertretungen vor einer drohenden Pleitewelle warnen, jetzt müssen möglichst rasch Fakten auf den Tisch gelegt werden. Nur detaillierte Umsatzergebnisse erlauben eine brauchbare Schnelldiagnose der eingetretenen  wirtschaftlichen Schäden.  

Vor allem aber liefern die massiven Umsatzverschiebungen, die das Corona-Virus direkt und indirekt (über die Lockdowns) im Jahr 2020 ausgelöst hat, die Grundlage für die Strategiepläne der einzelnen Firmen für das Jahr 2021, das hoffentlich den heiß ersehnten Aufschwung bringen wird. Durch Corona haben sich viele Parameter des horizontalen und des vertikalen  Wettbewerbs sowie der innerbetrieblichen Kosten- und Ertragsstrukturen drastisch verändert. Man denke nur an die Verlagerung des Lebensmittel- und Getränke-Konsums von der Gastronomie in die Haushalte. Oder an den Wachstumsschub beim Online-Einkauf. An die Krise vieler Einkaufsstraßen und Shoppingcenters. Oder an die Diskontwelle, mit ausgelöst durch steigende Arbeitslosigkeit. Business as usual anno 2021 wird`s sicher nicht spielen.

Was also sollte jetzt geschehen?

Wir schlagen vor: Wirtschaftskammer und Handelsverband sollten ihre Mitglieder aufrufen, bis spätestens Ende Jänner eine detaillierte Umsatzbilanz 2020 nach dem Vorbild der Coop Schweiz zu veröffentlichen. Dass die Online-Shops und Online-Marktplätze allein aus Gründen der Fairness schleunigst von sich aus ihre Österreich Umsätze 2020 und deren Wachstumsraten bekannt geben sollten, versteht sich von selbst.  Markenartikler, Handelsmarken-Produzenten, das Lebensmittelgewerbe, die Fastfood-Gastronomie und die Landwirtschaft (Stichwort: ab Hof-Verkauf) sind  eingeladen, sich dem Projekt anzuschließen. Die Datenbasis liegt ja in Form der Kassenberichte seit dem Silvesterabend vor. Heimische Handelsriesen wie Spar, Rewe, Hofer, dm, Metro und Transgoumet aber auch große Nonfood-Händler wie XXX Lutz, Media Markt oder C&A sollten mit guten Beispiel ihren Branchenkollegen vorangehen. Handelsketten und Franchisesysteme  könnten dazu beigetragen, dass auch mittelständische Kaufleute  bei diesem "Corona-Betriebsvergleich" mitmachen und daraus ihre strategischen Schlüsse ziehen.

Unsere Wirtschaftsuniversitäten (wie z.B. die WU Wien)  sind aufgerufen, das  gesammelte Datenmaterial in einem Schnellverfahren wissenschaftlich auszuwerten. Transparenz und objektive Analyse der wirtschaftlichen Folgen der Menschheitskatastrophe Corona ist jetzt gefragt. Schönfärberische PR-Eigenpropaganda, gestützt auf sorgfältig ausgewählte MAFO-Daten, wie zu normalen Zeiten üblich, sollte sich ausnahmsweise einen Lockdown verordnen. 

 

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Veröffentlicht am

07.01.2021