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Kurz. Zu kurz?

Fritz Seher über die Verweildauer von CEO's.

Laut diverser Studien von PWC (CEO Success Study 2017) et alii beträgt die durchschnittliche Verweildauer von CEO´s in der DACH-Region knapp über  sechs Jahre. Tendenz sinkend. International ist die Verweildauer noch deutlich geringer. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass es im deutschsprachigen Raum nur etwa 25% „Quereinsteiger“ ( aus anderen Branchen bzw. Unternehmen ) international aber mehr als 50% gibt. Einen deutlichen Unterschied macht es auch, ob es sich um börsennotierte, im anonymen Streubesitz befindliche Unternehmen oder um Familienunternehmen handelt. Letztere sind der vorherrschende Unternehmenstypus in Mitteleuropa (in Deutschland rund 90%!). Signifikant abhängig ist die Verweildauer auch von der Unternehmensgröße ( Anzahl der Beschäftigten ). Grob gesagt: je mehr Beschäftigte desto kürzer die Verweildauer.

Nachhaltige Veränderungen und das Erreichen langfristiger Ziele brauchen aber eines: Zeit. Grund, einigen Fragen nachzugehen. Sind 6 Jahre kurz? Zu kurz? Was sind die möglichen Ursachen?

Die kargen Pressemitteilungen zur Ablöse von CEO´s münden meist in der klassisch-hohlen Phrase: „Aufgrund unterschiedlicher Auffassung über die strategische Entwicklung des Unternehmens, bla, bla, bla“. Nahezu ein Mantra, welches selbst von Nicht-Insidern mittlerweile als matter Kalauer empfunden wird. 

Geschätzte 80 Prozent der CEO´s  (und GF´s)werden gefeuert – auch wenn es nach außen nicht immer so aussieht oder aussehen darf. Auch die Nichtverlängerung eines Vertrags seitens des wirtschaftlichen Eigentümers muss als deutliches Zeichen von Vertrauensverlust gewertet werden. Ebenso das Ziehen der Change-of-Control Klausel, die es CEO´s erlaubt, im Falle von Eigentümerwechsel oder Fusion ein Unternehmen zu verlassen. Hier kann der Vertrauensverlust durchaus auch einseitig sein, eine „Selbstfeuerung“ gleichsam.

Die häufigsten Gründe für die Trennung von CEO´s – Feuern klingt so hart, die euphemistische Variante wird auch in den meisten Wordings vorgezogen – sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Wirtschaftliches Scheitern, das Nichterreichen von Wachstums- und Ertragszielen
  • Unzufriedenheit mit der Entwicklung des Unternehmenswertes und/oder Dividende
  • Kompetenzverlust aufgrund technologischer Disruption und/oder Marktentwicklung
  • Unfähigkeit, einen von den Aufsichtsorganen verlangten Kurswechsel umzusetzen
  • Compliance-Fälle
  • Chef-Wechsel ( vom Altunternehmer zum Juniorchef als klassisches Beispiel )
  • Strafanzeigen
  • Unternehmensübernahme und Fusionen
  • Realitätsverlust und negative Persönlichkeitsentwicklung

 

Und was ist mit den restlichen 20%? Jenen, die wirklich aus freien Stücken ausscheiden? Hier liegen die wesentlichen Gründe im sehr persönlichen Umfeld:

  • Ein attraktives Angebot, das eine spannendere Perspektive in den Feldern Kompetenzerweiterung, Gehalts-und Bonusentwicklung oder sogar eine Unternehmensbeteiligung bietet.
  • Der Wunsch, in die Selbständigkeit zu gehen
  • Schwere Krankheit ( eigener oder naher Angehöriger )
  • Familiäre Themen ( Umzugsverweigerung, Scheidung, Familienplanung etc. )

 

Die gute Nachricht zum Schluss: rund 90 Prozent der ausgewechselten CEO´s tauchen wieder in verantwortlichen Führungspositionen auf. Aus gutem Grund, haben sie sich doch meist mehr als ein halbes Jahrzehnt beim Management-Rodeo im Sattel gehalten und damit die eine oder andere Qualität bewiesen. Und sie sind im Durchschnitt erst 56 Jahre alt! Einige machen sich selbständig, ganz wenige verschwinden völlig aus dem Radar. 

Veröffentlicht am

12.11.2018