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Oh là là, la France!

Im Land des Genusses steckt der Lebensmittelhandel in der Krise.

Die jüngste Ausgabe der plmainternational.com berichtet, dass nach einem Bericht der Ratingagentur Moody's das Geschäftsmodell des französischen Lebensmittelhandels in mehrfacher Hinsicht bedroht ist. Moody’s beschreibt Probleme auf dem französischen Lebensmittelmarkt vor allem durch strukturelle Herausforderungen, nämlich die Zunahme des Online-Handels und die Konkurrenz alternativer Händler. 

Die größere Sorge bereitet den Händlern allerdings die rückläufige Umsatzentwicklung in den Hypermärkten. Dadurch sinkt laut Moody’s die Ertragskraft der Lebensmittelhändler, da ein großer Teil der Kosten für Hypermärkte, z. B. Mieten und Gehälter, Fixkosten sind. Auf Hypermärkte entfallen bei Carrefour mehr als 50 % der Umsätze, bei Casino ist es ein Viertel der Umsätze. Carrefour etwa will in Italien 300 Convenience-Geschäfte eröffnen und gleichzeitig seine Hypermärkte im Land verkleinern.

Umsätze im Bereich FMCG-Produkte stiegen laut Bericht im letzten Jahr um lediglich 1,5 % und blieben somit unterhalb der Inflationsrate von 1,8 %. Die Situation wird sich laut Experten in den nächsten Jahren nicht verbessern.

Dazu kommt nun auch noch die Tatsache, dass es auch den Industriemarken in Zukunft angst und bang werden kann. Seit kurzem beschränken neue Regelungen den Umfang von Einzelhandelsaktionen auf gerade einmal ein Viertel der geplanten Umsätze. Will ein Supermarkt beispielsweise 100 Packungen eines Produkts verkaufen, darf er nur 25 davon günstiger anbieten. Sonderangebote nach dem Motto „zwei Produkte zum Preis von einem“ gehören nun der Vergangenheit an.

Die von der französischen Regierung für den Lebensmittelsektor eingeführten Maßnahmen sollen kleineren Produzenten helfen, könnten jedoch auch gravierende Auswirkungen für Verbraucher haben, die Artikel namhafter Markenhersteller kaufen. Seit Januar gilt eine neue Regelung, der zufolge Preisnachlässe für Produkte in Einzelhandelsgeschäften auf 34 % des Verkaufspreises beschränkt werden müssen. Im Februar erhöhte sich der Mindestpreis von Grundnahrungsmitteln bekannter Marken um 10 %.

Just zu dem Zeitpunkt, als diese Maßnahmen bekannt wurden, traf retailreport.at den Spar-Vorstandsvorsitzenden Dr. Gerhard Drexel, der auf die Frage, wie er zu diesen Regelungen steht, antwortete: "Das ist aus meiner Sicht verfassungswidrig und wird nicht nach Österreich kommen. Es ist ein dirigistischer diktatorischer Eingriff in die Wirtschaft und unglaublich, dass so etwas in der EU möglich ist. Das verteuert die Produkte für den Händler und erhöht die Lebenserhaltungskosten für den Konsumenten.“

 

Veröffentlicht am

14.03.2019