WWF mit Ernährungstipps

WWF durchleuchtet Ernährung

Der WWF ist auch bekannt für das "Wachrütteln" gesellschaftspolitischer Themen. Im neuen Ratgeber geht es um Fleischkonsum.

Dass Europäer und somit auch Österreicher zuviel Fleisch essen, ist jedem bewusst. Dass sich der hohe Fleischkonsum stark auf die Umwelt auswirkt, ist schon etwas weniger bekannt. Unter anderem aus diesem Grund hat der WWF den Fleischratgeber lanciert. In Ordnung findet der neue WWF-Fleischratgeber umgerechnet 4% des in Supermärkten erhältlichen Fleischs. Ausdrücklich empfohlen wird nur Bio-Fleisch, am besten aus der Region.

Weitere Produkte werden anhand eines Ampelsystems auf Basis ihrer Umweltfolgen gereiht. „In Österreich gibt es besonders viel Potenzial für nachhaltige Ernährung, weil wir derzeit rund drei Mal mehr Fleisch essen als vom Gesundheitsministerium empfohlen wird“, sagt WWF-Expertin Helene Glatter-Götz. Wichtig dafür ist auch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Handel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. „Die Konsumenten sollen wissen, was auf ihren Teller kommt. Das würde importiertes Billigfleisch zurückdrängen und zugleich den heimischen Landwirten beim Absatz ihrer Produkte helfen“, betont Glatter-Götz.

Fleisch aus biologischer Herkunft zeigt nicht nur Vorteile für die Gesundheit, sondern auch für die Ökobilanz. 

Betrachtet man nur konventionelles Fleisch, so schneidet Hühnerfleisch und Rindfleisch aus Österreich in der Regel besser ab als importiertes. Denn österreichisches Fleisch basiert auf meist gentechnikfreiem Futter und die Tiere haben mehr Platz. Bei österreichischem Schweinefleisch hingegen besteht dringender Nachholbedarf, sowohl in der Fütterung wie auch beim Tierwohl. Hier gibt es oft nur geringe Qualitätsunterschiede zu importierter Ware.

Basierend auf dem neuen Fleischratgeber fordert der WWF Österreich eine verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft, Haltung, Futtermittel und Tierwohl. „Die geltenden Regeln reichen bei weitem nicht aus. Der Konsument erfährt oft nicht, was er im Supermarkt kauft oder im Restaurant bestellt“, kritisiert WWF-Expertin Helene Glatter-Götz. Weder bei verarbeiteten Fleischprodukten im Handel noch bei der Außer-Haus-Verpflegung muss aktuell angegeben werden, woher das Fleisch stammt. Hinzu kommt, dass ein Großteil der 550.000 Tonnen Sojaschrot, die jährlich als Tierfutter importiert werden, gentechnisch verändert sind. Auch hier fehlt eine klare Kennzeichnung. Hintergrund: In Anbauländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay beschleunigt der Sojaanbau die Zerstörung riesiger Gebiete an wertvollen Regenwäldern oder Savannen. Das befeuert nicht nur den Klimawandel, sondern zerstört auch einige der artenreichsten Lebensräume der Welt.

Darüber hinaus braucht es eine stärkere Vorbildwirkung öffentlicher Einrichtungen, in denen tagtäglich hunderttausende Mahlzeiten angeboten werden. „Um die Verpflegung in Schulen und anderen öffentlichen Kantinen gesünder und klimafreundlicher zu gestalten, sollte stets auch eine fleischlose Mahlzeit zur Auswahl angeboten werden und sollten die Lebensmittel zumindest zu zwei Dritteln aus biologischer Herkunft stammen. Tierische Produkte dürfen ausschließlich von Bio-Produzenten mit einem hohen Tierwohl-Standard bezogen werden“, fordert Helene Glatter-Götz.

Österreich liegt beim Fleischkonsum im europäischen und weltweiten Spitzenfeld. Insgesamt 1240 Gramm Fleisch werden im Durchschnitt pro Woche und pro Kopf gegessen. Das Gesundheitsministerium empfiehlt aber nur 300 bis 450 Gramm pro Woche – also knapp ein Drittel davon. 

H I Ö

Veröffentlicht am

31.01.2019