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Fairtrade Österreich Geschäftsführer, Mag. Hartwig Kirner

Fairtrade: Umsatzrekord, aber noch viel Potential

Ein Rekordumsatz mit Fairtrade-Produkten zeigt, dass die aktuelle Zeitenwende eine Chance auf echte Veränderung mit sich bringt.

Im vergangenen Jahr bilanzierte Fairtrade Österreich stark positiv: 485 Mio. Euro Umsatz, das ist ein Plus von 24% zum Jahr davor. Für die Kleinbauernfamilien und Beschäftigten in Afrika, Asien und Lateinamerika, die Fairtrade-Rohstoffe anbauen, bedeutet das geschätzte Einnahmen in der Höhe von 69,5 Millionen USD aus dem Vorjahr, die helfen, Sicherheit in weiterhin unsicheren Zeiten zu schaffen.

Kakao ist der Star

Mit einem Plus von 33% - bzw. mehr als 7.000 Tonnen - ist Kakao in Österreich der Star des Produktportfolios. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt aus den Süßwaren. Auch 2022 wird Kakao ein schönes Wachstum erreichen, ist sich Fairtrade Österreich-Geschäftsführer, Mag. Hartwig Kirner sicher. Die erstmalig erhobenen NielsenIQ Zahlen bei Süßwaren zeigen, dass der Marktanteil an Fairtrade-Produkten bei Tafelschokolade bei 9% liegt. „Die meisten österreichischen Süßwaren-Hersteller haben schon auf Fairtrade-Schokolade umgestellt, Potential gäbe es bei den großen Produzenten“, weiß Kirner.

Auch der Marktanteil der Fairtrade-Banane konnte nochmals um 8% zulegen und liegt bei 28%. Aber auch Orangensaft (+14%), Zucker (+4%) und Rosen (+3%) blieben im Vorjahr auf Wachstumskurs und das mit teilweise hohen Marktanteilen. So ist mehr als jede dritte Rose und ca. jede vierte Banane in Österreich eine fair gehandelte. Kaffee hatte einen leichten Umsatzverlust, der den Hamsterkäufen 2020 und den damit erfolgten Bevorratungen geschuldet ist. Und überdies hat auch die Gastronomie, wo ja Fairtrade-Kaffee ebenfalls gut vertreten ist, unter den Lockdowns und Maßnahmen gelitten. „Und nicht zuletzt: Im Handel haben die Verbraucher eine große Auswahl an Produkten und können sich für fair gehandelte Produkte entscheiden. In der Gastronomie ist das nicht so. Die gute Nachricht: Kaffee ist trotzdem umsatzmäßig über Vor-Corona-Zeiten“, erklärt Hartwig Kirner.

Eine faire Lieferkette

In Deutschland ist es bereits eine Richtlinie zum Lieferkettengesetz in Kraft, Österreich richtet sich nach der EU. Im EU-Parlament wird der aktuelle Entwurf im 4. Quartal abgestimmt und „geht hoffentlich voll durch. Denn ein Lieferkettengesetz ist leider notwendig, freiwillige Initiativen sind nämlich zu schwach“, so sieht das der Fairtrade-Geschäftsführer. Im aktuellen Entwurf ist nämlich nicht nur die 1. Stufe der Lieferkette erfasst, sondern die Unternehmen können sich nicht aus der Verantwortung stehlen. „Man muss nachweisen, dass man sich darum kümmert, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden“. Alle werden demnach in die Pflicht genommen: der Zwischenhändler bei Kakao etwa (Cargill, Barry Callebaut, Olam), aber auch der Hersteller an sich.

Inflation und Rohstoffe

Der Anstieg der Energiekosten trifft die Bauern in den Anbauländern ebenfalls stark: Düngemittel, Verpackung und auch der Transport haben zugelegt. Der Fairtrade-Preis federt die Kostensteigerungen noch ab, denn der Mindestpreis ist ja nach unten gedeckelt. „Wenn der Weltmarktpreis hoch ist, so sinkt eben der Abstand zum Mindestpreis“, so Kirner. Fairtrade-Produkte werden demnach in der Relation nicht teurer. „Wie viel Energie nun auch in konventionellen Produkten steckt, das wird sich nun zeigen“, meint Kirner. „Denn diese wurden oftmals künstlich niedrig gehalten, nun muss man transparent werden. „Schon der us-amerikanische Händler Walmart hat prognostiziert: bald werden nachhaltige Produkte billiger als andere werden“.

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Veröffentlicht am

20.05.2022