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Mag. Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich

Stars am Fairtrade-Himmel

Der Jahresbericht von Fairtrade in Österreich und auch international gibt ein gutes Gefühl, dass die Konsumenten einen guten Weg im Einkauf eingeschlagen haben.

Corona hat den Blick für nachhaltig hergestellte Lebensmittel weiter geschärft. 93 % der heimischen Bevölkerung sind mittlerweile mit dem Fairtrade-Siegel vertraut, das weiterhin großes Vertrauen genießt. Zudem hat das Thema Fairtrade an sich deutlich an Relevanz gewonnen. Ganz allgemein wer-den Produkte und Marken, die auf fair gehandelte Rohstoffe achten, von den Konsumentinnen und Konsumenten positiver wahrgenommen als andere. Das spiegelt sich auch in den durchwegs positiven Umsatzzahlen wider, die wir wie immer im Jahresbericht präsentieren. Mit diesen Worten eröffnet Fairtrade-Vorstandsvorsitzender Helmut Schüller den Jahresbericht 2020.
Mit retailreport.at sprach Fairtrade-Geschäftsführer Mag. Hartwig Kirner.

retailreport.at: Wie sieht die Fairtrade-Bilanz 2020 aus?

Hartwig Kirner: Ausgezeichnet. 2020 haben einen geschätzten Gesamtumsatz von fair gehandelten Produkten in Österreich in der Höhe von 390 Millionen Euro gesehen. Das bedeutet ein Plus von 11 % gegenüber dem Vorjahr. Für die Fairtrade-Produzentenorganisationen sind das geschätzte Direkteinnahmen in der Höhe von 63,2 Millionen US-Dollar.

Welche Produkte hatten ein hohes Wachstum im Vorjahr?

Der Star im Portfolio war Kakao, mit einer Steigerung von 54 % gegenüber 2019. Unsere traditionellste Produktgruppe, Kaffee, konnte im letzten Jahr um 10,5% zulegen. Prozentuell am stärksten zugelegt hat Reis mit einem Absatzplus von 68 %. Im Vorjahr wurden rund 1755 Tonnen Fairtrade-Reis in verschiedenen Sorten hierzulande verkauft. Klar zweistellig waren wir auch bei Rosen mit plus 28 und Baumwolle mit plus 23 %.

Gibt es Produkte, die ein Defizit verbucht haben?

So gut wie alle Warengruppen haben im letzten Jahr solide Zuwächse gezeigt. Einzig die alkoholfreien Getränke sind leicht zurückgegangen. Grund war die Reduktion des zertifizierten Sortiments im Near-Water Segment in Österreich.

Welchen Effekt hatten die Lockdowns auf den Außer-Haus-Markt, allen voran die Gastronomie?

Leider einen sehr großen. 2019 war der Anteil vom Außer-Haus-Markt bei Kaffee und anderen Heißgetränken noch bei 28 %, im Vorjahr nur noch bei 18 %. Es war ein schwieriges Jahr für unsere Gastropartner und insofern bin ich sehr glücklich, dass 2020 dennoch 25 neue Partner dazugekommen sind, darunter auch das Backwerk mit 24 Filialen und Dunkin‘ Donuts mit sieben Standorten. Außerdem wurde unser Gastropartner Max Stiegl mitten im Krisenjahr als Koch des Jahres ausgezeichnet. Es gibt also auch hier positive Aspekte. Ich hoffe aber, dass die Zeit der Lockdowns nun endgültig vorbei ist und die Gastronomie wieder richtig durchstarten kann.

2021 steuert auf seinen Zenit zu – was hat sich bislang in diesem Jahr getan an der Fairhandels-Front?

In Österreich setzt sich der positive Trend bislang ungebremst fort. Gerade für Kakao konnten wir gleich mehrere große neue Partner gewinnen. Mit Manner gab es davor schon eine Zusammenarbeit bei der Marke Casali. Diese wird nun deutlich ausgedehnt auf die Marke Manner. Zudem sind Ölz der Meisterbäcker sowie die Berglandmilch neue Fairtrade-Partner, was noch mehr Absatz für Fairtrade Kakaobauern in Westafrika bringen wird.

Was tut sich international bzw. wie geht es den Fairtrade-Produzentenorganisationen im zweiten Jahr der Corona-Pandemie?

Fairtrade hat mit Eigenmitteln und Förderungen im vergangenen Jahr einen Corona-Hilfsfonds in der Höhe von 15 Millionen Euro organisiert. Eine halbe Million Menschen in 900 Produzentenorganisationen aus rund 60 Ländern haben von Masken und Desinfektionsmitteln bis hin zu Aufklärungskampagnen und Trainings sowie Förderungen für Nahrungsmittelankäufe und vielem mehr profitiert. Aber die Situation ist in vielen Ländern nach wie vor kritisch. Die Folgen der Pandemie sind allgegenwärtig. Derzeit ist Indien besonders stark von Corona betroffen, in Mittelamerika haben im Vorjahr zusätzlich zur Gesundheitskrise zwei starke Wirbelstürme massive Schäden verursacht.

Die Corona-Situation entspannt sich aktuell zumindest in Europa zusehends. Was können wir aus den Entwicklungen seit März 2020 lernen?

Wenn wir auf den Beginn der Pandemie und die Hamsterkäufe der Menschen auch hierzulande zurückblicken lässt sich feststellen: In einer Krise besinnt man sich rasch auf das Wesentliche und Nahrungsmittel stehen ganz oben auf der Liste. Insofern müssen wir den Menschen, die unsere Böden bestellen und fruchtbar halten, die täglich hart arbeiten für Dinge wie Reis, Bananen oder Kaffee auch den nötigen Respekt erweisen. Das betrifft aber nicht nur die Menschen im globalen Süden, sondern auch alle, die dafür sorgen, dass wir hierzulande volle Regale haben und unsere Grundbedürfnisse mehr als ausreichend gedeckt werden.

Wie könnte das künftig sichergestellt werden?

Aktuell wird in Deutschland und anderen EU Ländern sehr konkret über ein Lieferkettengesetz diskutiert. Menschenrechte sind universell und es braucht umfassende, rechtliche Rahmenbedingungen, um sie in der gesamten Produktion zu sichern und auch den Klimaschutz stärker in den Fokus zu rücken. Hier sind Staaten und Staatengemeinschaften ebenso gefordert, Lösungen zu finden, wie Unternehmen. Der Wiederaufbau nach Corona darf weder auf dem Rücken von Kleinbauernfamilien und Beschäftigten, noch zu Lasten unserer Umwelt stattfinden.

Fairtrade Video Kaffee

Fairtrade Video Bananen

Fairtrade Video Bananen

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Veröffentlicht am

21.05.2021