Süße Gaumenfreuden einmal anders

Auch wenn sich die Rahmenbedingungen der Süßwarenmesse in Köln ändern, bleibt sie doch der wichtigste Gradmesser der Branche.

2020 feiert die Internationale Süßwarenmesse (ISM) in Köln ihr 50. Jubiläum. Man könnte meinen, dass die Dame in die Jahre kommt, aber dem ist nicht so. Die größte Süßwarenmesse der Welt hat aufgrund von internationalen Gegebenheiten ihr Gesicht geändert, wirkt aber immer noch sehr attraktiv auf die Besucher der Welt. Denn sie ist und bliebt eines: ein Gradmesser der Branche. In der Sekunde des Betretens der Hallen fragt man sich: „Was gibt es Neues? Welche Trends sind in der Süßwarenbranche angekommen?“
Und man bekommt Antworten: Es wird nach wie vor viel genascht auf der Welt, aber die Trends gehen in Richtung bio, vegan, halal und koscher sowie zu zuckerreduzierten Produkten mit gesunden Zutaten und Proteinen. Ja, auch bei der Süßware.
Peggy Krause, bei der Koelnmesse für die ISM neu verantwortlich, bietet einen Überblick: „Bio erlebt auch im Süßwarenbereich immer noch einen Anstieg, vegane und vegetarische Produkte sind voll angekommen. Relativ neu, aber stark steigend sind Produkte mit hohem Proteingehalt. Mit einem Riegel aus Grillenmehl ist zum Beispiel auch das Insektenthema zum ersten Mal auf der ISM vertreten“. (www.sensbar.com aus Tschechien). 

Barry Callebaut, der universelle Lieferant für viele Produzenten, erfreute mit einer „rosa“ Schokolade namens „Ruby“. Es handelt sich um eine neue Varietät. Ruby ist keine spezielle Züchtung, sondern stammt von Kakaofrüchten, die wie andere auch in den Produktionsländern wachsen. Durch das Erkennen dieser speziellen Früchte und einer einzigartigen Herstellung kommt es zu der rosa Farbe der Schokolade, die noch dazu fruchtig schmeckt. Elf Hersteller auf der ISM haben 2019 bereits Ruby in ihr Sortiment eingebaut.
Und dass es nicht nur für die christliche Welt Kalender vor Weihnachten geben muss, beweist ein Hersteller eines Ramadan-Kalenders: die Halal-Süßware erfreut im Fastenmonat täglich mit einer Kleinigkeit.

Insgesamt besuchten über 38.000 Fachbesucher aus über 140 Ländern die Süßwarenmesse in Köln, der Auslandsanteil lag bei mehr als 70 %. 1661 Anbieter aus 76 Ländern (Vorjahr 1656 Aussteller aus 73 Ländern) stellten ihre Neuheiten aus, dabei konnte die ISM in punkto Internationalität auf nunmehr 87 % noch einmal leicht zulegen. 

New Product Showcase

Auch 2019 wurden wieder die Top-3-Innovationen der Sonderschau New Product Showcase ausgezeichnet. Die Gewinner sind: 
1. HPW mit dem Frucht Roll-up aus der Schweiz
2. Katjes Fassin GmbH & Co. KG mit dem Hemptastic Hanfriegel aus Deutschland 
3. Roelli Roelli Confectionery mit dem Roelli Roelli Swiss Cannabis Gum aus der Schweiz 

Neben den besten Produktinnovationen fand die Verleihung des Zusatzpreises für die innovativste Verpackung der Sonderschau statt – der ISM Packaging Award powered by ProSweets Cologne. Der Gewinner ist: Chocal Aluminiumverpackungen GmbH aus Deutschland mit der Chocal Papierverpackung. 

Das Konzept ProSweets und ISM hat sich übrigens gut bewährt. Gerade in Zeiten, wo man auf der Suche nach neuen Verpackungen ist, sieht sich der Besucher gerne um und entdeckt auf der ProSweets innovative Hersteller. Doch nicht nur die Verpackung war erneut ein Riesen-Thema auf der Messe, auch die Möglichkeiten, wie man zuckerreduzierte, salzreduzierte und fettreduzierte Süßwaren herstellt, ist von enormer Bedeutung. 

ISM Award 

Zum sechsten Mal wurde auch der „ISM Award“ verliehen, der außerordentliche Verdienste um die Süßwaren- und Knabberartikelindustrie würdigt. Der Preisträger 2019 ist Prof. Dr. Hermann Bühlbecker, Alleininhaber der Lambertz-Gruppe, der seine Auszeichnung im Rahmen einer festlichen Abendveranstaltung entgegennahm. Er hat sich jahrzehntelang um die Messe und die Süßwarenbranche bemüht und ist aus dieser auch international nicht mehr wegzudenken.

Süßes in Österreich – ein grober Überblick

Die Österreicher lieben Süßes und kaufen gerne im Lebensmittelhandel ein. Die größte Kategorie verbucht Schokolade mit insgesamt 565 Mio. Euro (Nielsen inkl. Diskont) und einem Plus von 1,2%  (2018 vs. 2017). Riegel total machen dabei 131 Mio. Euro aus (+5,7%), Bite Sizes total 43 Mio. Euro (-0,2%), Pralinen 221 Mio. Euro (+2,9%) und der Tafelmarkt 170 Mio. Euro (-3,6%). Riegel und Pralinen wachsen überproportional, der Markt der Tafelschokolade steckt schon seit längerem in der Krise. Was man auch gut erkennen kann an der Entwicklung der letzten Jahre ist die Tatsache, dass Premium-Produkte stark steigend sind: bei Schokoladeprodukten aller Art greift der Konsument gerne zu hoher Qualität. 
Die Präsenz am PoS ist ebenfalls von großer Bedeutung, getragen durch beste Platzierungen steigen die Umsätze. Aber auch eine starke Werbpower hilft den großen Herstellern beim Absatz der Produkte. Auch Waffel-Produkte (90 Mio. Euro Umsatz ohne Diskont) sind nach wie vor beliebt und steigen stetig.

Fairtrade erhöht Preise

Dass Kakao knapp wird, ist keine Neuheit. Und dass die Kleinbauern unter der Armutsgrenze leben, ebenfalls. Deshalb hat sich Fairtrade international zu einem wesentlichen Schritt entschieden: Man wird den Fairtrade-Mindestpreis für konventionellen Kakao von 2000 auf 2400 US-Dollar pro Tonne (FOB) erhöhen, eine Steigerung um 20%. Für Bio-Kakao wird der Fairtrade-Preis 300 US-Dollar über dem Weltmarktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis liegen, je nachdem, welcher zur Zeit des Verkaufs höher ist. „Für die Kleinbauernfamilien ist die Preiserhöhung ein wichtiger Schritt zu einem menschenwürdigen Einkommen", sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. „Der Preis von Kakao ist ein zentrales Element, um die Situation in Westafrika zu verbessern. Mit dem, was aktuell bezahlt wird, kann keine Kleinbauernfamilie in der Elfenbeinküste ein gutes Auskommen finden." Mehr darüber finden Sie demnächst auf retailreport.at.