Coronavirus

Absage an Zutrittstests in LEH & DFH

Im heimischen Lebensmittelhandel herrscht Fassungslosigkeit über die Aussage von Handels-Bundesspartenobmann Rainer Trefelik, Zutrittstests auch für den LEH anzudenken.

Autorin: Michaela Schellner

Wie retailreport.at schon berichtet hat, sorgt die Ankündigung der Verschärfungen im Osten Österreichs für großes Unverständnis im Handel. Aufreger im LEH ist die Aussage vom Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ, Rainer Trefelik, die für den Non Food-Bereich geplanten Zutrittstests auch auf Geschäfte des täglichen Bedarfs auszuweiten. Prinzipiell sieht man die geplante Maßnahme, den Menschen den Zugang zu Handelsgeschäften nur mit negativem Coronatest zu ermöglichen, auch in der WKÖ selbst kritisch - im Sinne der Solidarität und um die Diskussion über die "typischen Warensortimente" nicht erneut zu entfachen, dürfe es aber im Falle der Umsetzung der geplanten Maßnahmen keine Bevorzugung einzelner Branchen geben.

Händler argumentieren mit Fakten

Das Unverständnis über diese Aussage ist vor allem deshalb sehr groß, weil es keinerlei wissenschaftliche Evidenz für Ansteckungen mit dem Coronavirus  oder sogar Clusterbildungen beim Einkaufen im Handel gebe. Neben zahlreichen allgemeinen Studien erheben nämlich auch die Lebensmittel- und Drogeriefachhändler selbst regelmäßig das Infektionsgeschehen in ihren eigenen Unternehmen, wie etwa dm drogerie markt vor Kurzem erklärte. Geschäftsführer Martin Engelmann: „Von den fast 7.000 Mitarbeitern in Österreich wurden im gesamten März 29 positiv auf den Covid-19-Virus getestet. Das sind rund 8 Infektionen pro Woche, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner 120 Infektionen und somit nur rund halb so hoch wie der Wert in der Gesamtbevölkerung“, so Engelmann. „Diese Zahl ist bereits seit drei Monaten konstant und wir sehen auch keine Auffälligkeiten in einzelnen Regionen oder Berufsgruppen.“

Angesichts der Tatsache, dass auch nach wie vor noch nicht deutlich kommuniziert wurde, ob die Drogeriefachhändler zwischen 1. und 6.4 offenhalten dürfen oder nicht, gibt der Manager noch einen weiteren Punkt zu bedenken. Gerade rund um die Feiertage verzeichnet der Lebensmittelhandel besonders hohe Kundenfrequenzen. Würden die Drogeriemärkte als Bezugsquellen ausfallen, würde das die Dichte in den Supermärkten und damit das Infektionsrisiko zwischen den Kunden zusätzlich erhöhen, weil Abstände nicht mehr eingehalten werden können. Zudem sind zahlreiche Produkte beispielsweise im Bereich Spezialnahrung, Babynahrung und -pflege oder Nahrungsergänzung im Lebensmittelhandel gar nicht flächendeckend verfügbar“, betont Engelmann.

Bei der Rewe geht man davon aus, dass der DFH als Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs geöffnet bleibt und kann den Zutrittstests wenig überraschend ebenfalls nichts abgewinnen. „Bei dem Vorschlag von Handelsspartenobmann Trefelik handelt es sich offenbar um eine Einzelmeinung, wir sehen die Sachlage deutlich anders. Gerade in der jetzigen Zeit darf der Bevölkerung der Zugang zur Grundversorgung mit Lebensmittel und Medikamenten nicht erschwert werden. Eine Zutrittskontrolle über Eintrittstests im Lebensmittelhandel ist aus unserer Sicht weder kundenfreundlich noch praktikabel, zumal es seit Ausbruch der Pandemie zu keinen Infektionsclustern in Supermärkten kam“, erklärt Unternehmenssprecher Paul Pöttschacher auf Nachfrage von retailreport.at.

Eine klare Absage an die Idee des Lebensmitteleinkaufs mit Test kommt auch von der Nah & Frisch-Gruppe. Geschäftsführer Hannes Wuchterl äußert sich deutlich: „Hier geht endgültig jede Verhältnismäßigkeit verloren. Sollte das wirklich so kommen, so werden wir das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.“ Prinzipiell sehe man die Unterstützung aller sinnvollen Maßnahmen im Kampf gegen die Covid-19-Krise als selbstverständlich, die Betonung liege aber auf dem Wort sinnvoll. Viele Kaufleute stellen sich die Frage, ob es wirklich im Sinne der Regierung ist, dass sich die Kunden um Milch und Brot einzukaufen nun vorher bei einer Teststrasse anstellen sollen - und das vielleicht sogar noch mehrmals pro Woche? Und die bis dato nicht geklärte Frage nach der Kontrolle der Tests kommentiert Wuchterl wie folgt: „Das geht bei unseren Kaufleuten am Land mit Sicherheit nicht. Wir werden unsere, überwiegend Stammkunden nicht bei jedem Betreten des Geschäftes nach einem Testergebnis fragen. Und einen Türlsteher, der das tut, den kann sich eine Kauffrau, ein Kaufmann am Land einfach nicht leisten.“

Veröffentlicht am

26.03.2021