Bio hat im LEH eine Schallmauer durchschlagen

Bio: Schallmauer wurde durchschlagen

Der Bioanteil wächst seit Jahren kontinuierlich und erreichte 2020 mit 10% erstmals einen zweistelligen Wert im Lebensmittelhandel.

Einen regelrechten Boost hat Bio im Handel im Jahr 2020 erreicht. Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing spricht von einer noch nie zuvor dagewesenen Dynamik und somit von einem Durchschlag der Schallmauer. 10% Bioanteil im LEH sind aus Sicht der Sortimente enorm. Für Bio-Bauern könnte es gerne noch eine Spur mehr sein.
Vor allem in den Bereich Fleisch, Wurst und Schinken ist eine echte Bewegung gekommen, hier hat Bio besonders zugelegt.

Eventuell wird dieser Wunsch nach noch mehr verkauftem Bio in Erfüllung gehen, nämlich genau dann, wenn die Sortimente der neuen Bio-Eigenmarke bei Billa, Billa Bio, gegen Ja! Natürlich in gewisser Weise antreten. Denn nach dem ersten Erstaunen vieler Beobachter ist es genau diese Strategie, die Bio weiter in Schwung hält: Bio zu einem leistbaren Preis für alle Österreicher. Bio darf kein Luxusgut sein und mit dem Einrichten einer leistbaren Bio-Marke wird auch der Markt größer. Das sieht man schon alleine an den Sortimenten, die dann regelrecht beackert werden: Getreide, Trockensortimente, etc. All diese Waren wurden bis dato schwerpunktmäßig über Dritte nach Österreich geholt, nun besteht theoretisch die Möglichkeit die Rohstoffe hierzulande selbst anzubauen. Man wird in Zukunft sehen, wie sich der Markt entwickelt, denn die Obfrau des Bioverbandes Bio Austria, Gertraud Grabmann sieht eine Stagnation unter Österreichs Bio-Bauern, ihrer Anbaufläche und ihrer Umsätze. Derzeit sind 23% aller Landwirte Bio-Bauern und 26% der Gesamtfläche ist biologisch genutzt. Da ist also Luft nach oben, um auch von den Erlösen leben zu können. „Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern gab es in Österreich von 2019 auf 2020 allerdings nur geringe Zuwächse in Bezug auf Bio-Fläche und Bio-Betriebe. Dies liegt daran, dass seit Ende 2018 keine Neueinstiege mehr in die Bio-Förderung und seit Ende 2019 auch keine Umstiege aus anderen Förder-Maßnahmen mehr möglich sind. Ein Einstieg in die Bio-Förderung ist erst wieder mit der neuen Periode der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik im Jahr 2023 möglich“, so Grabmann. Das bedeutet in der Praxis, dass die Zahl der Betriebe und die Fläche stagnieren wird. Grabmann geht diesbezüglich im internationalen Wettbewerb von einem potenziellen Wertschöpfungsverlust für Österreich aus. Denn die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln werde weiterhin steigen, die Produktion in Österreich hingegen werde sich nicht entsprechend mitentwickeln können.
Im Bereich der Kulturen gibt es den größten Bio-Anteil bei den Obst-Anlagen mit knapp 37 %, gefolgt vom Dauergrünland mit 33 %, den Ackerflächen mit knapp 21 %, sowie den Weingärten mit 16 %. Die Entwicklung seit dem Jahr 2015 weist ein Plus von 73 % im Bereich der Obstanlagen auf. Diese Bio-Flächen haben damit am stärksten zugelegt. Der Bio-Anteil an Weingärten ist im selben Zeitraum um 57 % und jener der Bio-Ackerflächen um 40 % gewachsen.

Positive Seiten

Aber um nicht nur zu jammern, muss man auch die tolle Entwicklung von Bio in Österreich sehen. Im Jahr 2000 wurde Bio weltweit im Wert von 15,1 Mrd. Euro umgesetzt, heute sind es 106 Mrd. Euro. In allen Teilen der Erde sind die Bio Anbauflächen gewachsen, in der EU um 5,9%, in Nordamerika um 9,1% und sogar in Lateinamerika um 3,5%.

In Österreich liegt der Wert der Gesamtausgaben Bio bei 713 Mio. Euro (Steigerung von 23% zu 2019) im Lebensmitteleinzelhandel, Lebensmitteleinzelhandel und Diskont entwickeln sich ziemlich stabil parallel.

Ein Haushalt in Österreich gibt aktuell 190 Euro für Bio im Jahr aus, die Käuferreichweite liegt bei 97%. Im Durchschnitt gehen die Österreicher 42 Mal im Jahr biologische Lebensmittel einkaufen, das sind rund 51 kg.

Vor uns liegen im Pro Kopf-Verbrauch noch Dänemark, Schweiz und Luxemburg.

Im Detail

Den höchsten Bio-Anteil im österreichischen LEH verbuchen die Sortimente Milch und Naturjoghurt. Eier, Erdäpfel und Frischgemüse liegen ebenfalls weit über dem Durchschnitt. Jedes zehnte Produkt in den Warengruppen Obst, Butter und Käse stammt aus biologischer Landwirtschaft. Bio-Fleisch und Bio-Geflügel haben im vergangenen Jahr kräftig zugelegt, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Auch der Bio-Anteil bei Wurst und Schinken ist gestiegen.
Im November führte die AMA eine Motivanalyse durch, um das aktuelle Einkaufsverhalten und Ernährungstrends zu erkunden. Gutes Essen gehört für drei Viertel der Befragten zu einem richtigen Lebensstil. Das Interesse an der Ernährung ist und bleibt hoch. Allerdings nehmen sich die Menschen etwas weniger Zeit für die Mahlzeiten. Jeder zweite Studienteil-nehmer gab an, weniger Fleisch zu essen, dafür vermehrt auf Qualität beim Einkauf von Fleisch zu achten. 43 % konsumieren am liebsten biologische Produkte. Die Zustimmung zu dieser Aussage stieg gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2017.

„Sowohl die harten Marktzahlen als auch die Ergebnisse der Motivanalyse lassen sich als Bekenntnis zu hochwertigem Fleisch interpretieren. Wir gratulieren den Bio-Bauern, die die Konsumenten von ihren Produkten überzeugen können. Sie machen der gesamten Landwirtschaft Mut, diese Art der Tierhaltung voranzutreiben“, so Blass.

Nachhaltigkeit und die biologische Produktion werden wichtiger. Rund ein Drittel gibt in der Studie an, dass diese beiden Kriterien beim Einkauf künftig noch stärker entscheiden. Drei von vier Personen möchten auch nach der Corona-Pandemie unverändert zu Bio greifen, 14 % sogar noch mehr.

Veröffentlicht am

18.02.2021