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Dr. Roman Harrer, DerAutomat

Automaten: Point of Sale wird zu Point of Need

Roman Harrer ist der Gründer des Unternehmens „DerAutomat“, das sich gerade in einem Transformationsprozess befindet. Eine umfassende Analyse über die Zukunft des Automatengeschäftes.

Jahrelange Expertise im Bereich „Automaten-Geschäft“ veranlassten Dr. Roman Harrer zur Gründung und Weiterentwicklung seines Unternehmens „DerAutomat“ zu „Point of Need“. Er steht für 24/7 Self-Service Retail Technik, die so nahe wie möglich an den Kunden herangehen soll, um den Kunden dort zu erreichen, wo er den Bedarf hat – am „Point of Need“.

Können Sie Ihr Geschäftsmodell kurz umschreiben? Was macht „Der Automat“?

Roman Harrer: Die Misson lautet: 24/7 Self-Service Retail am Point of Need. Die Point-of-Need Gruppe bietet digitale Verkaufs-Robotik zur Automatisation im Einzelhandel nahe beim Kunden - vom Point of Sale zum Point of Point of Need. Beim „Point of Sale“ steht der Händler im Fokus. Der Händler gibt Ort und Zeit (Öffnungszeit) den Konsumenten vor. Am Point of Need steht der Konsument im Zentrum – der Konsument wählt den Ort und ganz besonders die Zeit, wann er kaufen kann.

Aufgrund des sich stark veränderten Konsumentenverhaltens steht der Einzelhandel im Umbruch. Retail Robotics sind eine Ergänzung / Brücke zwischen dem stationären Handel und der direkten Zustellung, bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten und einer Erhöhung des Servicegrads für den Kunden. Die Digitalisierung ermöglicht eine vollkommen neue User Experience, Funktionalität und Einbindung in andere Systeme.

Retail Robotics ist global skalierbar, da der Einzelhandel in der westlichen Welt nach sehr ähnlichen Prozessen abläuft. Mit ca. US$ 25 bill. Sales (US$ 20 bill stationärer Handel und US$ 5 bill. E-Commerce) ist Retail eine der TOP 5 Sparten der Welt.

Zukünftig müssen der Point of Sale (POS) näher an den Kunden heranrücken und die Öffnungszeiten entsprechend erweitert werden, im Idealfall 24/7, wie Jack Ma, der Gründer von Alibaba mit folgender Aussage bestätigt: „Der neue Retail-Handel bedeutet die Verschmelzung von physischem Einzelhandel und eCommerce: Es geht darum, den Einkauf bequem zu gestalten - was Sie brauchen oder wollen, je nachdem, was für Sie am günstigsten ist - ob im Ladengeschäft oder online, nach Hause geliefert oder kommissioniert in einem nahegelegenen Ladenlokal.“

Point of Need bedient NEUE Märkte und NEUE Anwendungen mit seiner innovativen Hard- und Software, für die es bisher noch keine Lösungen gab.

Alle Lösungen verfügen über eine eigens entwickelte Software für Anzeige- und Ausgabeprozesse mit Anbindung an diverse ERP-Systeme.

Für die Betreiber im Bereich Retail bedeutet die Lösung eine Erweiterung der Öffnungszeiten, bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten (z.B. Sportartikel, Drogeriewaren und rezeptfreie Arzneimittel etc.).

Jede der Lösungen für die unterschiedlichen Kunden Anwendungen bestehen im Wesentlichen aus:

  • Hardware: Modulare, größenskalierbare Handling- und Ausgabesystem für Produkte von unterschiedlicher Größe, Form und Gewicht
  • Software: System zur Interaktion mit dem kaufenden / entnehmenden Konsumenten, dem mit eCommerce CMS und der der Robotik

Zur Hardware: es ist eine Technikplattform, die aus einem oder mehreren zentral gesteuerten Modulen (Ausgabeeinheiten zur Manipulation von Produkten und Gütern) besteht. So können einfach flexibel, auf den Use Case abgestimmte (je nach Beschaffenheit, Größe, Type, Anzahl der Waren) Lösungen konfiguriert werden.
Gegenüber den am Markt herkömmlichen erhältlichen Verkaufsautomaten, die jeweils auf bestimmte Waren (zumeist Getränke, Snacks und Tabak) zugeschnitten sind, bestehen folgenden Vorteile:

  • Flexibles Baukastensystem zur einfachen Fertigung bzw. Selbstmontage
  • Verkauf/Ausgabe unterschiedlichster Waren, für die es bisher keine Automatischen Lösungen gab
  • Für verschiedenste Warengruppen von Elektronik, Pharma bis zu Lebensmitteln, etc.
  • Möglichkeit zum Einbau in Schaufenstern, im Außen- und Innenbereich
  • Flexibles Baukastensystem zur einfachen Fertigung
  • Für unterschiedliche Zielgruppen wie Handel, Produzenten, Betreiber von Automatenshops, Immobilien oder Bürocenter etc.
  • Hoch skalierbare Lösungen, da Einzelhandel weltweit ähnlich organisiert ist


Zur Software: Das System kommuniziert mit Kunden sowohl über integrierte Bildschirme als auch über eine mobile Applikation und ist über eine Cloud-Solution ständig mit dem CMS (web-shop, Robotik, Warenwirtschaft, etc.) verbunden.

Für die Betreiber bietet eine neu entwickelte Cloud Solution plug and play für verschiedene Einsatzbereiche und Vorteile:

  • Einfacher Sortimentswechsel ohne Umbau durch Techniker
  • Hybriden Vertriebskanal – e.commerce front-end mit cloude basierten CMS
  • ERP-Integration und bargeldloses Bezahlung
  • Intuitive Bedienung am Gerät (ähnlich zu Webshops und Smartphone-Apps)
  • Alternative Bedienung über Smartphones
  • Videounterstützte Kommunikation über moderne Videopanels
  • Basis innovativer Geschäftsmodelle für Kunden und deren Partner (z. B. White Label, Pay-per-Use, Abonnementmodelle, Up-Selling, Big Data etc.)

 

Vorteile der Software

  • Hybriden Vertriebskanal – e.commerce front-end mit cloude basierten CMS
  • Intuitive Bedienung am Gerät (ähnlich zu Webshops und Smartphone-Apps)
  • Cashless Payment
  • Altersabfrage
  • Videounterstützte Kommunikation über moderne Videopanels
  • Basis innovativer Geschäftsmodelle für Kunden und deren Partner (z. B. White Label, Pay-per-Use, Abonnementmodelle, Up-Selling, Big Data etc.)
  •  Integration in das Trafiken-Software System, Kombination mit Ihrem Loyalitätsprogramm, Infotainment, digitales Payment, Gutschein-Systeme und mehr.
  • ERP-Integration
  • Lagerwirtschaft
  • Logging und Dokumentation der Transaktionen
  • Analysen des Kundenverhalten zur Optimierung des Produktportfolios

 

Welche Vorteile hat das Automatengeschäft in der heutigen Zeit? Wie sieht es mit der Akzeptanz der Kunden aus?

Im Einzelhandel und verwandten Branchen gibt es eine Lücke in der Technologie, um Kunden rund um die Uhr zu bedienen. Denn: "Immer weniger kommt der Kunde ins Geschäft - immer mehr kommt das Geschäft zum Kunden!"
Die KMU Forschung Austria zeigt, dass der Rohertrag nach Handelswareneinsatz bei ca. 34,2% liegt, dem gegenüber stehen Personalkosten von rd. 17% = rd. 50% des Rohertrages entfallen auf Personalkosten.

Einzelhändler sind gezwungen, nach neuen Wegen zu suchen, um Technologien wie Robotik, Automatisierung und künstliche Intelligenz wirksam einzusetzen, um die Kosten zu senken. Einzelhandelsroboter kann diesen Job erledigen und ist eine Ergänzung zwischen dem Stationären Handel und der direkten Zustellung. Kleine dezentrale Einheiten (ab nur 1 m2 Grundfläche) so nah wie möglich am Verbraucher (Wohn- und Bürogebäude etc.)

Dies ermöglicht:

  • Verlängerung der Öffnungszeiten bei einer Reduzierung der Personalkosten
  • Einzelhandel an alternativen Standorten
  • Versorgung näher am Kunden – Convenience zählt oft mehr als Preis und Marke
  • Intelligente Kommunikation mit registrierten Kunden
  • Generieren von Daten über das Verhalten von reg. Kunden

Wir konnten in den letzten Jahren mit Kunden in unterschiedlichen Branchen und Größen erfolgreich den Bedarf beweisen. Auf Basis der Robotik und ergänzt um ein SaaS Modell soll nun ein breiter Markt Roll-out erfolgen.

Über welche Referenzen können Sie berichten? Wie wurden sie angenommen?

Beispiel Apotheke: Die Branche ist in Bewegung, geprägt von steigenden Kosten bei sinkenden Margen, Personalmangel, technische Herausforderungen wie e-Rezept etc.

CareApo24 hilft ein Stück durch Self Service weitere Umsätze bei reduzierten Kosten zu erwirtschaften und den Konsumenten dem Wunsche nach einem echten 24/7 gerecht zu werden. CareApo24 / CareApo24 Terminal stehen für:

  • Verkauf von frei verkäuflichen Artikel über ein Terminal direkt aus dem Apotheken Lagerroboter
  • Abholfach Funktion
  • Nachtschalter Terminal (neu)
  • Apotheken Dienst Anzeige (neu)
  • Bargeldlose Zahlung
  • Software mit Warenwirtschaft, einer Web-Shop Lösung am Bildschirm und vielen digitalen Funktionen
  • Integration in das System der Apotheke

Die Anlagen bieten von ca. 70 bis knapp 1.500 Artikel rund um die Uhr an. Die Anzahl der Käufe ist seit der Pandemie stark angestiegen. Zusätzlich wächst stetig der durchschnittliche Wert pro Beleg da einerseits immer mehr hochpreisige Artikel als auch mehrere Artikel auf einmal (Warenkorb) gekauft werden.

Lassen sich klassischer Handel und Automaten-Geschäft miteinander verbinden?

Der klassische stationäre Einzelhandel kann durch Retail Technik (retail robotics) hinsichtlich Öffnungszeiten als auch Orten ergänzt bzw. erweitert werden.

Darüber hinaus gibt es noch eine Kunden-Schicht, die den technisch geführten Self-Service dem Vorzug gegenüber allen anderen Formen geben. Zur Zeit finden rund 1/3 aller Einkäufe an den Self-Service Lösungen in Apotheken während der Öffnungszeiten statt – oftmals auch dann wenn keine Wartezeiten für Kunden zu befürchten sind.

Die Produktvielfalt im Einzelhandel hinsichtlich Form und Beschaffenheit als auch die unterschiedlichen Prozesse des Einkaufens erfordert eine immer diversere Technik um Kunden gerecht zu werden. Lange Zeit bestimmte die Technik, welche Waren über einen Verkaufsautomat bzw. eine Retail Roboter verkauft oder abgegeben werden konnten.

Eine moderne Mechatronik und Sensorik ermöglichen die Manipulation von Waren fast jeder Form und Beschaffenheit, auch wenn es Limitationen hinsichtlich Größe und Gewicht gibt. Allerdings erwarten Konsumenten beim ad-hoc bzw. Klein-Einkauf nicht Produkte in einem XL oder big bag Format.

Viele Händler sind positiv überrascht, dass die Mehrzahl ihrer Produkte tatsächlich über einen Verkaufsautomat oder einen größeren Retail Roboter verkaufen werden können
Ob Produkte aus dem Bereich, Pharma, Drogeriewaren, Cosmetic, Parfum aber auch Uhren, Schmuck oder Life Style Produkte verschiedenster Art. Ebenso verhält es sich mit Produkten für eine rauchfreie Zukunft, elektronische Geräte, und vieles mehr etc. Nur durch eine lokale Produktion vor Ort sind all diese Individualisierungen erst möglich - Individualisierbarkeit nach dem Motto: „form follows function“- anstatt „one size fits all“

Noch individueller stellen sich die Kaufprozesse dar. Konsumenten weisen ein sehr diverses Konsumenten-Verhalten auf, erwarten individuell erkannt zu werden, wünschen mit einem Zahlungsmittel Ihrer Wahl bezahlen zu können etc.

Auch ist es für Betreiber unumgänglich geworden alle technischen Anlagen in bestehende Systeme wie Warenwirtschaft, CRM Systeme, Buchhaltung etc. eingebunden zu haben.

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden fertigen wir die Mechanik der Retail Roboter und Verkaufsautomaten aus hochwertigen nachhaltigen Materialien die ausschließlich in Europa gefertigt werden. Elektronik, Computer und Bildschirme werden bei sorgfältig ausgewählten Herstellern in Asien auf individuelle Konfiguration – nach Maß – hergestellt. Nach Maß bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, dass viele Anlagen in der gewünschten Größe und Konfiguration erstellt werden.

Im Zukunftspapier „Point of Sale 2.0: Automaten der Zukunft“ 11/2020 werden sehr umfangreiche Techniken aufgelistet, die der Einzelhandel benötigt bzw. in naher Zukunft einsetzen wird. Allerdings bleibt die Frage nach europäischen Plattformen für den personalisierten Automatenverkauf vorerst noch offen. (https///www.parlament.gv.at/dokument/fachinfos/zukunftsthemen/110_automatenindustrie.pdf)

Wie wird die Zukunft des Einkaufens gesehen, wenn man das Automatengeschäft miteinbezieht? Was sind die Trends?

Seit den 1880er Jahren genießen Verbraucher den Selbstbedienungseinzelhandel wegen seiner „Bequemlichkeit“. Die Digitalisierung und neue Technologien haben in den letzten Jahren das „Verbraucherverhalten und -erlebnisse“ wie nie zuvor in der Geschichte des Einzelhandels beeinflusst.
Laut einer Studie von „Market Research & Statistics“ wächst der weltweite Markt für klassische Verkaufsautomaten (im Wesentlichen Kaffee, Getränke, Snacks und Tabak) zwischen 2016 und 2022 mit einem CAGR von 14,8 Prozent und wird im Jahr 2022 Dollar 4,5 Mrd. erreichen.
Der Markt für den Einsatz von Automaten im Einzelhandel ist erst im Entstehen und hat ein noch viel größeres Potential.

Trends:

Beschaffungsprozesse im Allgemeinen und der Einzelhandel im Besonderen werden gegenwärtig und zukünftig von wesentlichen Mega-Trends geprägt:

URBANISIERUNG und damit verbundene politische und stadtplanerische Rahmenbedingungen (smart liveable city)

DIGITALISIERUNG, digitale und personalisierte Online-Erlebnisse gewinnen an Bedeutung. Es gibt ein starkes Wachstum im eCommerce.

KONSUMENTENVERHALTEN, das sich durch online shops und Smartphones an 24/7 Öffnungszeiten gewöhnt hat und den Point of Sale so nahe wie möglich beim Bedarf haben möchte.

OMNICHANNEL, wo man beobachten kann, dass online und offline zunehmend verschwimmen – Digital Natives kennen das auch nicht anders

DOWNSIZING: Große Einzelhändler eröffnen verkleinerte Geschäfte im Stadtzentrum, die sich an zunehmend urbanisierte Verbraucher richten

BIG DATA und AI, welche die lokalen Kundendaten zur Optimierung von Angeboten und zur Personalisierung des Kundenerlebnisses nutzen (datenschutzkonform!)

TECHNISIERUNG, v.a. Retail-Robotics für die Warenmanipulation und Kommunikation mit Smartphones

NACHHALTIGKEIT im Sinne der Kreislaufwirtschaft, die den CO2-Fußabdruck eines Einkaufes so gering wie möglich machen soll

Diese Mega Trends führen zu raschen und nachhaltigen Veränderungen für alle wesentlichen Stakeholder wie

  • die Konsument
  • den Einzelhandel

Konsument: Die Mega-Trends führen zu folgenden Kundenbedürfnissen, die teilweise nur bedingt erfüllt werden können:

  • Es wird global gedacht, aber regional gekauft
  • Die Zunahme an Single- und Kleinhaushalten erhöht den täglichen Bedarf in Kleinmengen (Nahversorgung insbesondere im städtischen Bereich)
  • Veränderung der Mobilität (Anteil der Bevölkerung mit eigenem KFZ sinkt im städtischen Bereich) und erhöhter Bedarf an fußläufiger Einkaufsmöglichkeit
  • Die Affinität zu digitalen Abläufen steigt, Durchdringung mit Smartphones, App Benutzung und Erfahrung mit Videotelefonie ist bei 80%
  • Wunsch nach zeitlich unbeschränkter Verfügbarkeit „24/7-shopping“
  • Sensibilisierung für regionale, umweltfreundliche Produkte steigt

 

Handel: Aufgrund der Mega-Trends sucht der Handel nach Lösungen für:

  •    Online-shopping mit Zustellung (durch die Covid19-Krise beschleunigt)
  •    Digitalisierung durchdringt zunehmend auch den stationären Einzelhandel
  •    Verringerung der Flächen - Mikromärkte, die näher am Kunden sind
  •    Verringerung der Dichte von Filialbetrieben wegen geringer Profitabilität
  •    Downsizing der Shops – Fulfillment und Convenience sind wichtiger als Größe
  •    Click & Collect - Click & Reserve
  •    Steigerung der Effizienz und Verbesserung des Kundenerlebnisses
  •    Druck zur Senkung der Personalkosten

Der stationäre Handel wird diesen neuen Anforderungen und Veränderungen nicht oder nur teilweise gerecht. Die Digitalisierung und technologische Möglichkeiten im stationären Handel werden erst in Ansätzen eingesetzt und klassische Vending Lösungen / Verkaufsautomaten sind nur für eine sehr eingeschränkt Anwendungen einsetzbar.

Automat bei einer Apotheke

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geschrieben am

08.05.2024