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Empfang der Lebensmittelindustrie

Jahresempfang der Lebensmittelindustrie

Unter dem Motto „Unsere Zukunft heißt Europa!“ veranstaltete die österreichische Lebensmittelindustrie nach zweijähriger Corona-bedingter Unterbrechung wieder ihren Jahresempfang.

von Michaela Schellner

Dieser fand zum 19. Mal statt und die Begeisterung der geladenen Industrievertreter, endlich wieder live im beeindruckenden Ambiente der Hofburg Wien zusammenkommen zu können, war deutlich zu spüren. Rund 250 Gäste aus Wirtschaft und Politik sowie Partner entlang der gesamten Lebensmittelkette nutzten nicht nur die Möglichkeit zum Netzwerken, sondern durften sich auch auf ein spannendes Rahmenprogramm freuen.

Nicht schuld an hohen Lebensmittelpreisen

Die Begrüßung übernahm Fachverbandsobmann und Ex-Agrana-Vorstandsvorsitzender KR  DI Johann Marihart, der der Branche zunächst einmal ein großes Dankeschön für ihr Engagement in den nach wie vor anhaltenden Krisenzeiten aussprach. Die zu den Top-Industriezweigen in Österreich und Europa zählende Lebensmittelindustrie habe „Stärke bewiesen und immer die Versorgungssicherheit gewährleistet“. Weiter betonte er mit Verweis auf den Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine und vor dem Hintergrund steigernder Energie- und Rohstoffkosten, unterbrochener Liefer- und Logistikketten sowie einem Mangel an Arbeitskräften: „Doch die Lage bleibt ernst.“

Was den öffentlichen Kurs zum Anstieg der Lebensmittelpreise betrifft, machte er deutlich: „Wir sind nicht die Schuldigen, sondern uns trifft die Teuerung zuerst. Die Konsumenten müssten sich zudem dauerhaft auf höhere Lebensmittelpreise einstellen. Der Grund dafür sind aber die Kosten und nicht die Maximierung unserer Gewinne.“

Mit wenigen Ausnahmen sei die Lebensmittelindustrie zu 100 Prozent von der Versorgung mit Erdgas abhängig. Fließe kein Gas mehr, dann stehe die Industrie still, bekräftigte der Fachverbandsobmann. Man müsse sich zudem darüber im Klaren sein, dass bei allen Versuchen auf alternative Energiequellen umzusteigen, eine vollständige Kompensation des Gasbedarfs in der Kürze der Zeit nicht möglich sei, weshalb er erneut den Appell aussprach, der Lebensmittelindustrie in Punkto Versorgung hier entsprechende Relevanz einzuräumen.

Bekenntnis zu Europa

„Um leistungsfähig zu sein, braucht es zudem ein starkes Bekenntnis zu Europa und zum EU-Binnenmarkt“, so Marihart weiter. Er warnte vor „nationalen Alleingängen“, die in Magelsituationen immer besonders verlockend seien. „Diese sind allerdings Gift für das Wachstum und Vielfalt“, unterstrich Marihart abschließend.

Das sieht naturgemäß auch Prof. Dr. Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissionsvertretung und Keynote-Speaker des Abends so, der zu Beginn seiner Rede auch klar machte, dass es an den Sanktionen gegen Russland nichts zu rütteln geben dürfe und die Stärke der Demokratie der Kompromiss sei.

Auf das Motto des Abends zurückkommend betonte Selmayr: „Ein funktionierender EU-Binnenmarkt ist essenziell für den Erfolg der Unternehmen und das Wohlergehen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich und Europa.“ Mit im Gepäck hatte er auch beeindruckende Zahlen der Lebensmittelindustrie als Wirtschaftsmotor in Europa. 4,5 Millionen Beschäftigte und 1,1 Billionen Euro Jahresumsatz würden eine deutliche Sprache sprechen. Für Österreich spiele der Export von Lebensmitteln zudem eine besonders wichtige Rolle.

Zum Ende seiner Rede erinnerter er noch einmal daran, trotz aller anhaltenden Herausforderungen nicht in eine katastrophale Untergangsstimmung zu kippen. „Wir sind ein reicher Kontinent. Ja, es gibt Grund zu klagen, aber andere haben mehr Grund.“

Danke an Helden der Krisen

Wie unerlässlich ein funktionierender EU-Binnemarkt ist, unterstrich auch Fachverbands-Geschäftsführerin Mag. Katharina Koßdorff: „Nur wenn wir in Europa gemeinsam vorgehen, werden wir in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein.“ Nationale Alleingänge wären zudem insbesondere dann schädlich, wenn sie Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schlechter stellen – Stichwort Herkunftskennzeichnung. Darüber hinaus schloss sie sich den Appellen von Marihart und Selmayr zur notwendigen Versorgung der Lebensmittelindustrie sowie angeschlossener Branchen wie etwa Verpackungs- sowie Reinigungs- und Desinfektionsmittelherstellern mit Gas an. Der Lebensmittelindustrie sprach sie abschließend einen großen Dank aus, dass sie sich von Krisen nicht aus der Bahn werfen lasse und mit aller Kraft an der Sicherstellung der Versorgung arbeite.