Wellpappe: Könige der Verpackungs-Maßanzüge
Nur weil man als Industriebranche nachhaltig in allen Belangen ist, heißt das noch lange nicht, dass man gegen die wirtschaftspolitischen Herausforderungen gefeit ist. Das wissen die Mitgliedsfirmen des Forums Wellpappe nur zu gut: Donauwell Wellpappe, Margarethner Verpackungsgesellschaft, Mondi Grünburg, Mosburger, Rondo Ganahl, Steirerpack und Wellpappenfabrik TEWA gehören dazu. Ihr aktueller Sprecher ist Stephan Kaar (Rondo Ganahl).
Wie die Industrie allgemein hat auch die Wellpappe-Branche mit hohem Kostendruck und einer schwachen Konsumlaune zu kämpfen: Der Umsatz sank 2024 um 6,8 Prozent auf 506 Millionen Euro im Vergleich zum Jahr 2023. Trotzdem blieb der mengenmäßige Absatz mit 720 Millionen m2 fast stabil (minus 0,7 Prozent). Wichtigste Abnehmer waren die Lebensmittel- und Getränkeindustrie mit 45 Prozent, gefolgt von Maschinen, Möbel, Elektronik und Automotive mit 23 Prozent. Versandverpackungen machten rund 9 Prozent aus.
Belastungen treffen hart
Die Rohstoffpreise sind nach wie vor volatil und die Energiekosten weiterhin hoch. Man vermutet weitere große Belastungen auf die Papierindustrie zukommen. „Die Rohpapierpreise sind im März 2025 wieder dramatisch“, sagt Kaar. „wir brauchen ganz dringend ein stabiles Jahr mit Hoffnung auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Ausgenommen alle brauchen Vertrauen in die Märkte und die Laune am Konsum muss wieder steigen“. Aber die Kette an negativen Nachrichten aus der Weltwirtschaft will nicht abreißen. Die jüngsten Befürchtungen über drastische Zollerhöhungen lassen die Branche erschaudern. Denn: mit der Industrie ist auch die Wellpappe betroffen, die ja die Transportverpackungen liefert. „Und nicht zuletzt sind die zahlreichen Bürokratien, die sie EU vorgibt, eine echte Hürde, die hohen Mehraufwand erfordert“, so Kaar. Es sei Zeit die bürokratischen Hürden wieder mit Hausverstand abzubauen.
Wellpappe: Viele Vorteile in Bezug auf Nachhaltigkeit
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) trat mit 10. Februar 2025 in Kraft und wird mit August 2026 zur Anwendung kommen. Sie schreibt unter anderem vor, dass bis 2030 alle Verpackungen zu 70 Prozent recyclingfähig sein müssen. „Wellpappe ist bereits heute vollständig recyclingfähig und wird über 90 Prozent tatsächlich recycelt, dank des österreichweit sehr gut funktionierenden Altpapier-Sammelsystems“, sagt Branchensprecher Kaar. Die Papierfasern der Wellpappe können sogar bis zu 25-mal wiederverwendet werden. Eine weitere Chance ist auch das 2030 kommende Verbot für Einweg-Kunststoffverpackungen. „Nur bei Wasser und Feuchtigkeit ist ein Produkt besser nicht in Wellpappe verpackt“, zieht Kaar kurz Bilanz.
Einen wesentlichen Vorteil für die Nutzung von Wellpappe als Verpackungsmaterial bietet die Monoverpackungslösung, die Kunden und auch Konsumenten die Entsorgung maßgeblich erleichtert. Geplante Piktogramme der Zusammensetzung von Verpackungsmaterialien sollen den Konsumenten in späterer Zukunft auch dienlich sein, wenn es um Entsorgung geht.
Das sind auch die Gründe, warum der Lebensmittelhandel immer mehr zu Wellpappe-Verpackungen greift, sagt Andreas Streit, Leiter der Nachhaltigkeit der Rewe Group. Stark ist man mittlerweile bei den losen Verpackungen direkt am PoS, bei Transportverpackungen sucht man noch nach guten Lösungen.
Auch die in der PPWR vorgeschriebene Leerraumquote wird die Verpackungsoptimierung weiter fördern. „Wellpappe ist der König der Maßanzüge – mit klugen Lösungen vermeiden wir unnötigen Transport von Luft“, so Kaar. Die Leerraumquote in Verpackungen darf maximal 50 % betragen – nur der Schutz eines Produktes schlägt die Quote. „Alles in allem sprechen wir immer von ‚VerpackungsMÜLL‘, was aber völlig falsch ist. Es handelt sich um ‚VerpackungsROHSTOFFE‘, denn wenn einmal 1 Tonne wertvolle Wellpappe bei Kosten von etwa 180 Euro liegt, dann ist das wertvoller Rohstoff zur Wiederverarbeitung“, so Kaar.
Personal sehr wichtig
Mit rund 1600 Beschäftigten bleibt die Branche ein stabiler Arbeitgeber. Besonders erfreulich: Die Zahl der Lehrlinge ist gestiegen – vor allem im Bereich Verpackungstechnik.
Im März 2025 hat die PROPAK-Industrie die Lohnverhandlungen mit einem Plus von 2,9% abgeschlossen. Für die Papierindustrie starten aktuell die KV-Verhandlungen.