Das Weihnachtsgeschäft in Corona-Zeiten

Klingelt die Weihnachts-Kassa?

Das Virus schränkt sogar Christkind und Weihnachtsmann ein: Weihnachtsfeiern in der Gastronomie werden storniert und der Konsum bewegt sich auch nur schleppend. Corona drückt auf die Stimmung.

Weihnachten ist die Hauptumsatzzeit für alle Händler und damit Lieferanten. Dass es heuer anders aussehen wird, zeigt die schwelende Nervosität vor der herannahenden Saison. Händler fordern durchgehende Belieferung während der Weihnachtsfeiertage, die Industrie ist auf der Suche nach passenden und flexiblen Logistikflächen. Und der Online-Handel setzt auf eine ausgeklügelte „Letzte Meile“. Nehmen wir DPD Austria. Um allen Sicherheitsvorgaben gerecht zu werden und um eine stabile Leistungsfähigkeit in dieser herausfordernden Zeit zu gewährleisten, investiert DPD Austria bis Ende des Jahres insgesamt 5,6 Mio. Euro in unterschiedlichste Maßnahmen in allen Unternehmensbereichen – vom Ankauf von MNS-Masken über den Ausbau des Pickup-Netzwerks auf 1600 bis hin zur Weiterentwicklung der Paketmanagement-Plattform myDPD.at.

Jetzt erst recht

Und die kleine gute Nachricht: die Konsumenten sagen: jetzt erst recht.

Das geht unter anderem aus einer Studie hervor, die die SES (Spar European Shopping-Centers) beim Linzer market-Institut in Auftrag gegeben hat. „Die geplanten Ausgaben zeigen, dass die widrigen Umstände dazu führen, dass das Weihnachtsfest eine Renaissance erlebt und insgesamt für Herrn und Frau Österreicher als Anlass wieder eine überragende Bedeutung bekommt, im Gegensatz zu den Vorjahren“, so Mag. Marcus Wild, Geschäftsführer von SES. „Das lässt hoffen, dass der stationäre Einzelhandel, in dem hunderttausende Menschen beschäftigt sind, nach dem Lock-down im Frühjahr und den damit verbundenen Umsatzeinbußen zwar nicht mehr alles, aber zumindest einen Teil wird aufholen können.“

Demnach haben rund ein Viertel (24 %) jener, die den Kauf von Weihnachtsgeschenken planen, bis Ende Oktober 2020 mit ihren Einkäufen begonnen, 10 % davon gaben an, bereits im September Geschenke gekauft zu haben. Fast 40 % der Befragten, die für das Weihnachtsfest Geschenke einkaufen, starten damit jetzt im November. Nur knapp jeder Zehnte der Befragten ist Last-Minute-Käufer und besorgt erst in der letzten Woche vor Weihnachten Geschenke, davon sind zwei Drittel Männer. 
Zwei Drittel der Bevölkerung wollen heuer bis zu 500 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben, ein Viertel sogar mehr als 500 Euro.

Sicherheit beim Einkauf vermitteln

Als positives Beispiel im Sinne der hygienischen Sicherheit kann ein SES-Center hervorgehoben werden: Gerngross in der Mariahilferstraße. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie setzt Gerngross noch mehr Maßnahmen als bisher für die Sicherstellung eines höchstmöglichen Hygienestandards um. So wird pro Stunde das unglaubliche Volumen von bis zu 500.000 Kubikmeter von zuvor gefilterter Frischluft in das Haus geblasen. „Die Luftqualität wird bei uns permanent von Systemen überwacht. Üblicherweise liegt der notwendige Frischluftanteil bei 30 bis 50 %. Seit Corona haben wir diesen Wert dauerhaft auf 100 % gesetzt“, berichtet Gerngross-Center Manager Gerhard Wohlmacher.

Studie IFH Köln über Weihnachten

Weihnachten 2020 steht unter dem Einfluss der Coronapandemie und deren Auswirkungen. Die Folgen: Weniger Kunden in den Innenstädten und auf Weihnachtsmärkten, mehr Zuwachs für den Onlinekanal.

Während in Supermärkten seit einigen Wochen schon Lebkuchen, Spekulatius und Co. in den Regalen stehen, wurden mancherorts die ersten Weihnachtsmärkte im „Coronajahr“ 2020 bereits abgesagt. Weihnachten wird in diesem Jahr unter Coronavoraussetzungen stattfinden, was für einige Konsumentinnen und Konsumenten teilweise mit Einschränkungen verbunden ist. So werden viele in diesem Jahr Innenstädte und Weihnachtsmärkte meiden und Einkäufe eher online tätigen – so die neuesten Daten des Corona Consumer Check vom IFH Köln in Zusammenarbeit mit Sitecore und ecx.io.

Die Auswirkungen der Pandemie auf das Weihnachtsgeschäft deuten 61 % negativ, 41 % der Befragten deuten an, den Großteil der Weihnachsteinkäufe online zu tätigen. 31 %geben an, sich von der Coronapandemie nicht in ihrem Einkaufsverhalten in der Weihnachtszeit beeinflussen zu lassen.

Onlinekanal profitiert von Weihnachtsgeschäft

Der Onlinekanal ist nach wie vor Gewinner der Coronakrise – auch im Weihnachtsgeschäft. Die befragten Konsumenten planen in diesem Jahr ihre Einkäufe um zehn Prozentpunkte mehr online zu tätigen als in der vergangenen Weihnachtssaison. Damit sind die Weihnachtseinkäufe stationär und online nahezu gleich verteilt (52 % stationär, 48 % online). Es ist somit mit einer Kanalverschiebung für das Weihnachtsgeschäft 2020 zu rechnen.   

Slimstock: Bedarfserhebung und Analysen in der Beschaffung

Bereits im April hat das Dortmunder Software-Haus Slimstock, Experte für die Bestandsoptimierung in Unternehmen, eine kostenlose Business-Hotline eingerichtet, um die negativen Auswirkungen von Covid-19 auf Lagerbestände möglichst gering zu halten. Im Fokus stehen dabei mehr Transparenz, die Überprüfung der Lieferketten und vor allem die Optimierung der Prognosen, um schnellere und effizientere Entscheidungen zu treffen. 

Die Erfahrungen aus dem Lockdown und andauernde Schwierigkeiten zur Prognose von Verbrauch, Nachfrage und nötigen Beständen stellen Unternehmen nach wie vor vor große Herausforderungen. Das bevorstehende Weihnachts- bzw. Jahresendgeschäft ist aufgrund wirtschaftlicher Einbußen, die Unternehmen durch die Corona-Krise erleben, in diesem Jahr wichtiger denn je. Um dem sogenannten Bullwhip-Effekt – also den Auswirkungen von Ungenauigkeiten bei der Schätzung der Nachfrage in mehrstufigen Lieferketten, wenn Schwankungen im Auftragsvolumen auftreten – vorzubeugen, bedarf es professionellem Know-how und einer tiefgreifenden Analyse zur Bestandoptimierung.

„Gerade jetzt ist es besonders wichtig, drastische Bestandsentscheidungen viel schneller als bisher zu treffen, um die Lieferfähigkeit zu garantieren oder zu hohe Lagerbestände auf Dauer zu vermeiden“, so Eelco Wever, Geschäftsführer von Slimstock in Deutschland. „Hierzu stehen verschiedene Tools zur Verfügung. Allen voran eine aktuelle ABC-Analyse, die sicher und schnell einen Überblick gibt, welche Artikel Unternehmen besonders beachten müssen. Auch kann eine Analyse schnell zeigen, welche A-Kunden versorgt werden müssen, damit diese nicht zur Konkurrenz wechseln“, so Eelco Wever weiter. 

Slimstock hält daher für interessierte Unternehmen Tipps und Informationen bereit, die in der Krise helfen, Prognosen anzupassen und effiziente Bestandsentscheidungen zu treffen – gerade mit Blick auf das bevorstehende Jahresendgeschäft. 

Tipps für bessere Prognosen in unsicheren Zeiten

1. Analysen anpassen

Slimstock rät betroffenen Unternehmen dazu, im ersten Schritt festzustellen, welche Artikel am wichtigsten sind, welche Waren knapp werden können und ob A-Kunden betroffen sind. Zudem stellen sich Fragen wie: Wann verlieren die Unternehmen den größten Umsatz und die höchsten Margen? Oder welche Artikel werden tatsächlich viel mehr verkauft und bieten zusätzliche Verkaufsmöglichkeiten? Andererseits sollten die Supply-Chain-Experten und Einkäufer schauen, welche Artikel weniger verkauft werden und zu einem Risiko von Überbeständen führen.  

2. VIPs ausmachen statt Konkurrenz zu beliefern

Nachdem die „knappen“ Artikel identifiziert sind, sollte sichergestellt werden, dass diese Artikel nur an die wichtigen A-Kunden und nicht an C-Kunden verkauft werden. Noch wichtiger ist es – und dies ist in den letzten 6 Monaten oft geschehen – diese Waren nicht an Konkurrenten zu liefern. Das klingt einfach, aber es ist unter Umständen sehr aufwändig, dies schnell in den turbulenten Zeiten umzusetzen. Alle Abteilungen müssen benachrichtigt werden und entsprechend handeln. Verkäufer sollten wissen, was sie verkaufen dürfen, Anbieter müssen bestimmte Artikel aus dem Online-Shop entfernen und Filialinhaber Regale umplanen, wenn Produkte entfernt werden. Eine Herausforderung, insbesondere wenn das Jahresendgeschäft vor der Tür steht. Normalerweise treffen verschiedene Abteilungen diese Art von Entscheidungen, aber jetzt ist es an der Zeit, schnell zu handeln. 

3. Lieferungen mit Plan B sichern

Bei Unsicherheiten in der Lieferung von begrenzten Artikeln sollten Einkäufer in ständigem Kontakt mit ihren Lieferanten bleiben. Was ist in der Pipeline, und wann kann mit der Belieferung gerechnet werden. Es ist existenziell, realistische Liefertermine mit den Lieferanten zu vereinbaren, diese stets zu prüfen und auch sicherzustellen, dass der Transport noch stattfinden kann. Sollte das nicht der Fall sein, muss schnell eine Alternative gefunden und ein Plan B für den Fall einer Nichtlieferbarkeit entwickelt werden. Wenn Lieferanten nicht über ausreichende Produktionskapazitäten verfügen oder aus anderen Gründen nicht liefern können, ist dies möglichst früh zu kommunizieren, insbesondere bei A-Artikeln.  

4. Bestellparameter anpassen 

Ein weiterer Punkt ist stets zu beachten: die Vermeidung von Überbeständen. Eine mangelnde Nachfrage kann plötzlich zu einem Überangebot führen. Die Hauptfrage lautet hier: Bei welchen Artikeln ist dies ein kritisches Problem? Ein zu großer Bestand an langlebigen Artikeln auf Lager ist für die KPIs (Key Performance Indicator) unvorteilhaft. Die handelnden Personen sollten sich in der derzeitigen Situation und in Krisenzeiten generell auf Artikel mit kurzer Haltbarkeit, saisonale Produkte oder Waren mit einem kurzen Lebenszyklus konzentrieren. Bestehende Bestellparameter sollten umgestellt werden, insbesondere wenn sie ausschließlich historisch begründet sind.

IFH Köln/Weihnachten
IFH Köln/Weihnachten

Veröffentlicht am

05.11.2020