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Bernd Sallmutter, Geschäftsführer Wanzl Österreich

Wanzl: Gesamtlösungsanbieter für den Handel

Wanzl fertigt das umfassendste Produktprogramm für den Bereich Retail und ist im Rahmen der EuroCis ein Hot Spot. retailreport.at hat mit dem Geschäftsführer gesprochen.

4 Werke in Deutschland, inkl. Firmensitz in Leipheim (Lkr. Günzburg), 11 Produktionsstandorte in 7 Ländern, 27 internationale Vertriebsniederlassungen und ca. 50 internationale Vertretungen - das ist die Ansage des Retail-Lösungsanbieters Wanzl. retailreport.at hat mit Bernd Sallmutter, Geschäftsführer Österreich gesprochen. Doch zuvor noch ein Highlight im Rahmen der EuroCis: Um die Customer Journey auch an diesem Punkt zu optimieren, entwickelte Wanzl das HybridLoc, ein Pfandschloss, das sowohl per Münze als auch per App geöffnet werden kann. In der Praxis getestet und eingeführt hat es erstmals Netto Marken-Discount. Dafür erhielt der Händler den retail technology award europe 2024 in der Kategorie Best Customer Experience.  

retailreport.at: Als wir vor mehr als 20 Jahren in der Branche starteten, war Wanzl das Synonym für die modernsten Einkaufswägen. 20 Jahre gehen an keinem Unternehmen spurlos vorüber und auf der Website ist erkennbar, dass Wanzl eine große Fülle an Services und Leistungen anbietet. Würden sie die Schwerpunkte bitte kurz erläutern und die jeweilige Gewichtung des Geschäftsfeldes?

Bernd Sallmutter: Stand der Name Wanzl vor 20 Jahren noch größtenteils für modernste Einkaufswagen, sind wir inzwischen der Gesamtlösungsanbieter für den Handel (Food und Non-Food) entlang der kompletten Value Chain. Unsere Niederlassung in Österreich gibt es übrigens bereits seit 1970 und hat ihren heutigen Sitz in Vösendorf, direkt vor den Toren Wiens. Von Beginn an haben wir unser österreichisches Produkt- und Leistungsportfolio stetig ausgebaut. Bereits seit über 20 Jahren sind wir auch im Ladenbau-Bereich sehr aktiv. Wir gestalten komplette Shops, von der Eingangsanlage, den Regalen über Thekenverbau bis zum Kassentisch. Eng gesetzte Roll-outs, Großprojekte im C&C-Bereich, komplexe Montagen, Holzarbeiten oder Design von Sondermöbeln sind zu unserem Tagesgeschäft geworden.

Nach so vielen Jahren im Business haben wir umfangreiche Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen gesammelt. Dadurch besitzt Wanzl eine starke Inhouse- Kompetenz, mit der wir für so gut wie jede Anforderung einen Lösungsansatz parat haben. Für die WEIN&CO-Filiale am Wiener Schottentor setzten wir zum ersten Mal Ladenbau inklusive Gastronomie um, in BP-Tankstellen haben wir gemütliche Café-Atmosphäre mit Nahversorgung kombiniert und einen Transgourment-Markt gestalteten wir zu einer nachhaltigen Erlebniswelt. Neben Retail betreuen wir auch Kunden und Projekte in den Geschäftsfeldern Material Handling, Access Solutions, Airport und Hotel. So managen zum Beispiel das Österreichische Parlament und der Wiener Musikverein ihre Zugänge mit unseren Zutrittslösungen. Selbst Krankenhäuser zählen auf uns.

Nun hat sich der österreichische LEH optisch sehr zum Positiven entwickelt. Das Einkaufs Erlebnis steht ganz oben auf der Liste und ist für den Konsumenten wichtig. ABER: alles wird teurer: wo spart der Handel, wenn es um Einrichtung geht.

Es gibt hier keine allgemeingültige Antwort. Wirtschaftliche Strategien sind von Händler zu Händler unterschiedlich. Manche haben ihre Investitionen zurückgeschraubt oder auf Themen abseits des Ladenbaus verlegt, wie zum Beispiel Energieoptimierung. Eine Investitionsflaute ist für uns jedoch nicht spürbar. Die kontinuierliche Wandlung des Erscheinungsbildes einer Handelskette ist für den Endkunden nach wie vor sicht- und spürbar. Hier gibt es also Investitionsbereitschaft. Dennoch ist die Preissensibilität überall vorhanden. Umso wichtiger sind Lösungen, die gleichermaßen leistbar wie funktional sind.

Wo kann man einsparen? Wie kann Wanzl dem Handel helfen zu sparen?

Ein zentrales Thema im Einzelhandel sind die Personalengpässe. Wir bieten unseren Kunden Lösungen, die Zeit und Kapazitäten sparen. Als Gesamtlösungsanbieter unterstützen wir sie einerseits mit zentralem Projektmanagement von der Entwicklung bis zum Roll-out in allen Filialen. Andererseits bieten wir Entlastungshilfen direkt im Markt. Unsere SCO-Kassen sowie Hybridkassentische, bei denen sich mit nur wenigen Handgriffen ein herkömmlicher Kassentisch in eine SCO-Kasse verwandeln lässt, ermöglichen personalloses Bezahlen. Das macht Mitarbeiter frei für andere Aufgaben, wie zum Beispiel für Bedienbereiche, die vom persönlichen Kontakt leben. Die optimale Flächengestaltung im Markt trägt zu mehr Effizienz und damit ebenfalls zu Einsparungen bei. Um Inventurdifferenzen zu vermeiden, bieten wir intelligente Exit Gates, die sich erst nach dem Scannen eines QR-Codes auf dem Kassenbon öffnen. So kann sichergestellt werden, dass der Kunde seinen Einkauf bezahlt und Inventurdifferenzen wird vorgebeugt. Beim langfristigen Sparen helfen zudem unsere Produkte, die stets eine hohe Qualität aufweisen. Wenig Instandhaltung und ein langer Lebenszyklus sind die positiven Folgen. Selbst nach vielen Jahren kann der Kunde bei uns Nachbestellungen von einzelnen Regalen oder Etagen – sowohl Sonderanfertigung als auch Standardprodukt – tätigen und muss keine komplette, neue Produktreihe einkaufen, weil das alte Regal nicht mehr im Sortiment ist. Selbst schöne Designakzente müssen nicht immer kostspielig sein.

Wir als Unternehmen analysieren fortlaufend unsere Strukturen. So haben wir zum Beispiel unsere Produktions- und Beschaffungsprozesse in den Bereichen Transport und Energie optimiert, was sich wiederum im Preis für den Kunden bemerkbar macht.

Wie kann Wanzl den Handel in der Nachhaltigkeit unterstützen?

Nachhaltiges Wirtschaften war uns schon immer wichtig. Wanzl hat sogar eine eigene Produktlinie unter dem Nachhaltigkeitsaspekt entwickelt. Zur EcoLine gehören der Einkaufswagen Salsa® Eco sowie Einkaufskörbe der Linie GT® eco, die in einem geschlossenen Kreislauf aus Polypropylen hergestellt werden. Damit setzen wir ein Statement in Sachen Umweltschutz und verbinden dieses mit innovativem Design. Bei der Produktion sparen wir CO2 und reduzieren die Verwendung von Energie, Wasser und Rohstoffen auf ein Minimum. Außerdem geben die Produkte keine Schadstoffe ab und sind zu 100 % recyclingfähig. Zudem unterstützen wir Kunden bei der Auswahl nachhaltiger Materialien für den Ladenbau, wie z.B. zertifizierte Holzoberflächen lokaler Hersteller oder besonders recyclingfähige Werbe- und Druckmaterialien. Wir sorgen auch für ein nachhaltiges Transportmanagement und einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen. Anfallende Wertstoffe werden seit jeher recycelt und für einen Großkunden kümmern wir uns sogar um die Gebrauchtwarenverwaltung. Damit verlängern wir den Lebenszyklus der Rohstoffe und sparen Ressourcen.

Unsere Einkaufswagen werden in den Werken in Deutschland besonders langlebig und robust gefertigt, indem wir sie durch eine Oberflächenbeschichtung mit Zink vor Korrosion und Verschleiß schützen. Dabei tragen wir als Europas größter Galvanikbetrieb in diesem sensiblen Bereich eine ganz besondere Verantwortung. Wir arbeiten nach modernsten Standards und halten akribisch die Umweltschutzauflagen ein. So schützen wir nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Kollegen.

Mit unserem Beitritt zur Nachhaltigkeitsinitiative UN Global Compact haben wir uns seit 2023 auch ganz offiziell dazu verpflichtet, durch verantwortungsvolle Geschäftspraktiken zu einer nachhaltigen Wirtschaft beizutragen. Ebenso ergreifen wir aktiv Maßnahmen, um die globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu erreichen. Als Ökoprofit-Betrieb können wir eine Wiederverwendungsquote von 97 % und eine Kunststoff-Recyclingquote von 80 % in unseren deutschen Werken aufzeigen.

Was hat sich seit Covid verändert? Muss man andere Vorschriften ins Auge fassen?

Beim Einkaufen selbst ist von Corona kaum noch etwas zu spüren. Es gibt keine Abstandsregelungen, Personenbegrenzungen oder ähnliches. Vereinzelt sieht man noch Masken. Aber Corona-bedingte Vorschriften sind in unserem Tätigkeitsbereich nicht mehr vorhanden. Etabliert haben sich allerdings die Plexitrennwände an den Kassentischen, die unsere Kunden inzwischen standardmäßig mitbestellen. Auch SCO-Kassen haben sich durchgesetzt. Die Akzeptanz für sie ist größer geworden und die Anwendung funktioniert immer flüssiger.

Was sind die aktuellen Trends im LEH?

Wir erkennen, dass die Gestaltung der Märkte und des Einkaufambientes Außergewöhnliche Akzente werden immer noch durch hochwertige Materialien wie Holz gesetzt. Aktuell gewinnen Ein- und Ausgangsbereiche wieder an Bedeutung, vor allem im Hinblick auf die Reduzierung von Inventurdifferenzen. Unsere Systeme sind stark individualisierbar in Farbe und Wirkung. Besonders innovativ ist unsere neue SlidingDoor. Ihre Schiebetüren sind platzsparend und gleichzeitig elegant. Mit ihrem schlanken Design ist sie die perfekte Lösung für die immer kleiner werdenden Ladenflächen, in denen Platz kostbar ist. Ein weiterer Trend ist, dass die großen Handelsketten als Ergänzung zum stationären Geschäft zunehmend Online-Shops betreiben, auch wenn der Online-Einkauf von Lebensmitteln hierzulande noch nicht sehr verbreitet ist. Zu beobachten ist auch, dass im Handel immer häufiger elektronische Regaletiketten (ESL-Labels) eingesetzt werden. An einem Trend kommt heutzutage keine Branche vorbei: Digitalisierung. Märkte werden immer smarter – von digitalen Einkaufswagen über KI-gestützte Regale bis hin zum völlig kassenlosen Markt mit „Just-walk-out“-Technologie. Immer gefragter sind Lösungen, die Prozesse automatisieren. Wir bieten mit der Cloud-basierten Softwareplattform wanzl connect® eine Baukastenlösung an, mit der einzelne digitale Prozesse zentral gesteuert werden. So können Händler ihr Personal entlasten, dem Fachkräftemangel entgegenwirken und den Service verbessern, indem z. B. Out-of-stock-Situationen noch leichter vermieden werden.

Wo sehen Sie die Zukunft im LEH?

Die Zukunft des LEH liegt ganz eindeutig in der Digitalisierung. Sie ist unvermeidbar, wenn man Prozesse effizienter gestalten sowie einen Mehrwert für die Filialen und Endkunden schaffen will. Es zeichnet sich aber auch immer deutlicher ab, dass der Kunde noch stärker in den Mittelpunkt rückt. Das Einkaufserlebnis steht im Vordergrund und findet mit allen Sinnen statt. Insbesondere der stationäre Handel kann hier punkten – vor allem mit dem persönlichen Kundenkontakt. Mit dem Fokus auf das Einkaufserlebnis, gehen auch die Schärfung und Wandlung des Sortiments einher.

Im Allgemeinen lassen sich für den LEH fünf Innovationsfelder erkennen:

1)  Smartifizierung: Um Prozesse effizienter zu gestalten, werden Daten benötigt. Insbesondere auch im stationären Handel. Daher setzen Händler immer mehr auf Shopping-Apps und smarte Lösungen im Markt selbst.

2)  Einkaufserlebnis: Die Kunden sollen beim Einkauf im stationären Handel begeistert werden. Er orientiert sich an den Bedürfnissen und Gewohnheiten der Kunden, wie zum Beispiel das bargeldlose Bezahlen oder dem Laden-Design. Das Einkaufen wird individueller und emotionalisiert.

3)  Neo-Ökonomie: Nachhaltige Produkte sind gefragter denn je, genauso wie Mehrwegkonzepte und Kreislaufsysteme für Wertstoffe. Der Lebensmitteleinzelhandel richtet sein Sortiment noch stärker auch auf biologische, vegane, regionale und nachhaltige Produkte aus.

4)  Lebensmittel sind kostbar: Das Warenangebot muss so entwickelt werden, dass die Lebensmittelverschwendung im Handel reduziert wird.

5)  Neue letzte Meile: Der Weg der Ware zum Kunden muss effizienter und gleichzeitig kostengünstiger gestaltet werden. Gleichzeitig soll die Zufriedenheit des Empfängers steigen. Dies betrifft vor allem die E-Food- und Quick-Commerce-Branche, aber auch die Lebensmittellieferdienste.

In wie weit ist Digitalisierung ein Thema im Handel, das Sie unterstützen können?

Die Digitalisierung des Handels als einer der wichtigsten Trends spielt auch für Wanzl eine entscheidende Rolle. Mit unserer Cloud-basierten Softwareplattform wanzl connect® digitalisieren wir seit 2017 die stationäre Fläche. Auf der Plattform können verschiedene digitale Anwendungen komfortabel überwacht und gesteuert werden. Dies reicht von der Erfassung von Sensordaten einzelner Assets bis hin zu kompletten Prozessabläufen im Store. Welche Prozesse über wanzl connect® gesteuert werden sollen, stellen wir für jeden Kunden wie in einem Baukasten individuell zusammen. Zudem entwickeln wir die bereits in weit über 250 weltweiten Stores etablierten digitalen Produkte und Konzepte stufenweise weiter, z. B. vollautomatische Gate-Lösungen mit Authentifizierung, den Smart Exit und KI-gestützte, wiegende Regalsysteme mit Bestandsüberwachung. Letztes Jahr ging der erste personalfreie Markt von Wanzl in Österreich an den Start: ABEX in Regau. Neben sämtlichen Ladenbaukomponenten waren wir auch für die Bereitstellung der Cloud-Infrastruktur verantwortlich. Unsere interaktiven Kassen- und Ticketautomaten tragen ebenfalls dazu bei, den Handel digitaler zu machen. Der Automat ist einfach zu bedienen, jederzeit verfügbar und entlastet das Personal. Eingesetzt werden kann er im Bereich bezahlter Toilettenräume an Tankstellen, für Parkplätze und -häuser mit Ticketsystem von Einkaufszentren aber auch an Skipisten.

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geschrieben am

04.04.2024