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MondayMemo

"Handel ist Wandel"

Mit Sicherheit eine der meist strapazierten Phrasen der Branche, heute hat sie mehr denn je ihre Richtigkeit.

Ären gehen zu Ende - wie auch das Ableben der Queen Elisabeth II, Königin von England zeigt. Was das für den Commonwealth und die Zusammengehörigkeit der Britischen Krone bedeutet, wird sich weisen.

Dass die Weitergabe von Verantwortung kein königliches Solo-Ereignis ist, sieht man auch anhand der jüngsten Entwicklung im Tiroler Handelshaus Wedl. Das Milser Großhandelshaus trennt sich endgültig von seinen Nah&Frisch-Märkten und gibt sie in der Belieferung an die Gesellschafter-Kollegen der Nah&Frisch weiter. Die UNIGruppe übernimmt die Salzburger Standorte, über den Rest wird noch verhandelt. Natürlich kann man nostalgisch werden, wenn man an die Blütezeit der Wedl-Nah&Frisch-Kaufleute und ihren Großhändler zurückdenkt – wie oft haben Nah&Frisch-Kaufleute wie Ingeburg Plankensteiner aus dem Kaunertal (Alexander Van der Bellens Heimatort) als Vorzeige-Unternehmer Auszeichnungen bekommen und andere Kaufleute zu noch mehr Kundenaktivitäten animiert? Welche Vorreiterrolle nahm Wedl technisch ein, als er zu den ersten mit mobilen Bestellsystemen zählte? Heute scheint für die aktuelle Führungsgeneration der Gastro-Großhandel das erfolgreiche Geschäftsmodell zu sein.

Ebenfalls auf dem Spielfeld „Gastro-Großhandel“ ist AGM zu finden: die ehemals großen Cash&Carry-Märkte, zuletzt bei der Rewe und nun zum Großteil bei Metro, müssen sich erst wieder neu positionieren. Hier sind viele Fragen offen: wie wird das Branding aussehen, welche Sortimente werden geboten, welche Versorgungslücken geschlossen? Sowohl Wedl als auch AGM zählen zu den besonderen Größen in der heimischen Handelsbranche.

Es entsteht ein kleines Pflänzchen

Gleichzeitig steht die Zeit im Handel nicht still. Ruhiger ist es um die klassischen Märkte geworden, die in Zeiten von Energiekrise und Teuerungen den Konsumenten am liebsten ihre Eigenmarken in die Regale stellen – sehr zum Leidwesen der Markenartikler.

Laut war es in den vergangenen Wochen um Billa Pflanzilla, den rein pflanzenbasierten Shop-in-Shop eines Billas Plus in Wien Neubau. Der Markt wurde regelrecht überrannt, Sortimente, wie Leverkas, sind ausverkauft. Was sich zu Beginn als witziger Versuch in der Handelsentwicklung zeigte, hat sich zu einem Fixpunkt in der Szene manifestiert. Billa plant bereits mehrere Standorte dieser Art. Hier kann man sicher sein, dass sich die Zukunft in Richtung plant based-Sortimente bewegt. Managementberatung Kearney in Deutschland zitiert: „Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft, prophezeite Christian Rauffus bereits vor einigen Jahren mit einer sehr drastischen Aussage. Als Konsequenz daraus erweiterte der Firmenchef des Fleischproduzenten Rügenwalder Mühle sein Unternehmen um vegane und vegetarische Produkte (Quelle: Kearney).
Laut der Kearney-Studie wird der Marktanteil von Fleischersatz aus Pflanzen und Fleisch aus Zellkulturen bis 2030 auf ein knappes Drittel des gesamten Fleischmarkts weltweit anwachsen. Das entspräche einem Umsatz von fast 400 Milliarden Dollar. 2040 könnte der Marktanteil der Fleischalternativen demnach sogar 60 % betragen.

Fakt ist, die Zeit steht nicht still und sie darf es auch nicht. Auch im Handel muss es eine Weiterentwicklung geben, neue Formate überraschen und manifestieren sich. „Handel ist Evolution“ und weniger Wandel, muss man zusammenfassend sagen. Die Veränderungen müssen nicht immer schlecht sein.

Gabriele Jiresch

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Veröffentlicht am

19.09.2022