Unimarkt Geschäftsführer Andreas Haider

Möge die Übung gelingen!

Andreas Haider tritt bei Unimarkt das Pfeiffer-Erbe an. Dr. Hanspeter Madlberger blickt hinter die Kulissen.

Der Firmenname Unimarkt Gruppe war den damaligen Eigentumsverhältnissen geschuldet. Nach den jüngsten Veränderungen ist die Unimarkt Gruppe GmbH die Muttergesellschaft von drei Tochterfirmen, hinter denen jedoch ein Unternehmer als Alleineigentümer steht. Und der heißt Andreas Haider (52) seines Zeichens Magister FH und seit 31 Jahren als Manager in Traun Mastermind der Unimärkte.

Die Unimarkt Gruppe GmbH gehört zu 94% der AH Beratungs- und Beteiligungs-GmbH, die restlichen 6% hält die PH Beteiligungs-GmbH, beide Firmen sind zur Gänze im Alleinbesitz von Andreas Haider. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten meldeten, konnte die Eigenkapitalquote zuletzt auf mehr als 40% gesteigert werden. Damit befindet sich Unimarkt in der Belle Etage der finanziell gut gepolsterten Handelshäuser in Familienbesitz.

Die Unimärkte waren schon immer ein unverwechselbarer Farbtupfer in der heimischen LEH-Landschaft. Unimarkt beweist, dass Franchising im LEH funktionieren kann. Uni steht solcherart für Uniqueness, Haider und sein Team leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Branche. "Möge die Übung gelingen", kann man dem Jungunternehmer in Anlehnung an den Wahlspruch in André Hellers seinerzeitigem chinesischen Akrobatenzirkus Begnadete Körper nur wünschen.

Kleiner Restbestand an Zweistufigkeit

Über Gelenkigkeit bei der Besetzung der ausgewählten Marktnische muss Haiders Unimarkt-Filialsystem, das nach der Kernschmelze des einstigen Pfeiffer-Umsatzimperiums wie ein Phönix aus der Asche hervorging,  jedenfalls verfügen. Wo Unimarkt heute im LEH-Wettbewerb des Landes zu verorten ist, lässt sich an den Umsätzen festmachen: Die Unimarkt Gruppe erzielte 2020 einen Außenumsatz von 440 Millionen  €. Davon entfielen 325 Mio. € auf die Einzelhandels-Brutto-Umsätze der 63 Unimarkt Filialen und der 66 Unimarkt  Franchise-Kaufleute.  95 Mio. € (netto) erlöste die Pfeiffer Großhandels GmbH. durch die Belieferung von Nah&Frisch Kaufleuten und nicht organisierten Einzelhändlern. Drittes Unternehmen im Unimarkt-Firmenverbund ist die Pfeiffer Logistik GmbH, sie erzielte Dienstleistungserlöse in Höhe von 20 Mio € (netto), "Hauptkunde" ist Transgourmet, Tochter des Schweizer Coop Konzerns.  Transgourmet erwarb bekanntlich im November 2015 das C&C- und Gastro-Zustellgeschäft von Pfeiffer.

Andreas Haider  gehört solcherart der hierzulande seltenen Spezies des Groß-Einzelhändlers an. Unimarkt ist, was den Umsatz betrifft, deutlich größer als Sutterlütys Ländle-Märkte und deutlich kleiner als das M-Preis-Filialsystem der  Mölks. Gegenüber diesen  beiden Branchenkollegen hat Unimarkt das Handikap eines breit gestreuten, sich über vier Bundesländer (OÖ, Steiermark, Salzburg, Niederösterreich) erstreckenden Ladennetzes.

Die Herausforderungen: Flagge zeigen im Supermarkt-Wettbewerb

Auch, was das Branding betrifft, stehen Haider und sein Team vor großen Herausforderungen. In der Supermarkt-Liga hat man es mit Spar und Billa, mit zwei Mitbewerbern zu tun, die den LEH-Konkurrenzkampf  im Lande dominieren. Wobei vor allem die Tannenorganisationen mit ihren sechs Zweigniederlassungen starke regionale Präsenz zeigt. Und, was die Schlagkraft ihres disziplinierten System-Kaufleute-Flügels betrifft, den Unimarkt-Franchisenehmern zahlenmäßig stark überlegen ist. Die Discount-Riesen Hofer und Lidl kämpfen sich mit ihrem Frischwaren- und Öko-Angebot an den Supermarkt-Level heran. Und zu all dem gesellt sich die werbliche Daueroffensive der Big Four.

Im Unimarkt-Leistungsprofil ragen Regionalsortimente und Online-Pioniergeist hervor. Wenn in den kommenden Jahren immer mehr Filialen "privatisiert" werden, gewinnt der Erfolgsfaktor "Kaufmanns-Tüchtigkeit" noch mehr Bedeutung. Prominentester Kaufmann der Haider-Truppe, der jedoch brav unter dem Nah&Frisch-Logo segelt, ist Wolfgang Benischko. Er bildet zusammen mit Markant-Großhändler Christof Kastner und Eurospar Kaufmann Christian Prauchner das Führungstrio im LH-Gremium der Bundeswirtschaftskammer, Sparte Handel.

Wie gut ist Unimarkt verpartnert?

Die Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit, sagte einst Migros-Gründer Gottlieb Dutttweiler. Die freiwillige Zusammenarbeit in einer Verbundgruppe ist für ein  mittelständisches Handelsunternehmen in Familienbesitz  heute wichtiger denn je. Angesichts der branchenüblich knappen Margen sind die bestmöglichen Einkaufskonditionen bei der Industrie bereits die halbe Miete. Die 50%-Beteiligung von Unimarkt an der Sourcing-Plattform Top Team Zentraleinkauf  (die andere Hälfte besitzt Transgourmet) ist da von existenzieller Bedeutung. Top Team verhandelte 2020 ein Umsatzvolumen von 950 Millionen €. Keine quantité négligeable, selbst für internationale Markenartikler und schon gar nicht für nationale und regionale heimische Produzenten. Dass die europäische Einkaufsallianz EMD, an der Top Team über die Markant-Mitgliedschaft andockt, gute Einkaufspreise bei der Preiseinstiegs-Eigenmarke Jeden Tag garantiert, ist zu hoffen. Griffiger sind die Umsatzbündelungs-Effekte, die Top Team als Beschaffungsspezialist für 80% des Nah&Frisch-Einzelhandels bereitstellt. Unimarkt, Kiennast und Wedl sind  bei Top Team an Bord, nur Kastner bleibt beharrlich draussen. Weiters kaufen die Eurogast-Großhändler und Lekkerland  über Top Team ein. Absatzseitig ist für Unimarkt die Kooperationsplattform eher schmal. Da ist die jüngst mit Kiennast gezimmerte Unik GmbH zu nennen, die das Tankstellen-Shop-Geschäft der beiden Handelshäuser koordiniert. Bei den Bio-Eigenmarken, beim Fleisch-Einkauf und im Online-Business hat Unimarkt von Kooperationspartnern wenig Flankenschutz zu erwarten.

So stark war einst die ZEV/Markant: Ein Rückblick

Und weil schon von mittelständischer Kooperation im Wettbewerb mit Handelskonzernen die Rede ist: Anno 1995, im Jahr der Konsum-Pleite, belegte die ZEV (Vorgängerin der Markant) im Nielsen-LEH-Zensus mit einem Marktanteil von 22,4%  Rang zwei hinter der Billa-Gruppe (24,7%)  und knapp vor der Spar (21,9%). Drei Familienunternehmen steuerten den Löwenanteil zur starken Marktpräsenz der ZEV bei: Julius Meinl ( mit 6,4% Marktanteil)  die Löwa/Zielpunkt/Magnet-Märkte der Familie Haub (5,5%) und das Handelshaus Pfeiffer, als mit Abstand stärkster Großhändler der Nah&Frisch-Gruppe, die damals 4,4%  Marktanteil hatte. Über Pfeiffer waren auch die Verbrauchermärkte Plus und Pro bei der ZEV. Weiters umfasste die Verbundgruppe damals die Maximärkte (die Anfang 2002 an die Spar/Interspar gingen) und Zumtobel (mit Dogro und Familia).

26 Jahre später sind die Familien-Unternehmen Meinl, Tengelmann, Pfeiffer und Zumtobel von der  Landkarte des österreichischen Lebensmittelhandels verschwunden. Fast, denn den Meinl am Graben in Wien gibt es ja noch. Und die paar Schokotheken (einst von Karl Wlaschek gegründet), die Meinls Tochterfirma Heidi-Schokolade im Raum Wien  als Flagship Stores für ihre Schwedenbomben betreibt. Haubs haben sich aus dem Lebensmittelhandel verabschiedet, Mit seinen Filialnetzen in Deutschland (Tengelmann, Kaiser`s, Plus, Magnet, Ledi etc.) und den USA (A&P) zählte das Tengelmann Familienunternehmen einst zu den weltweit bedeutendsten Food Retailern. Was Firmenchef Christian Haub blieb, sind die Fachmarktketten Obi und Kik, die Tedi-Anteile wurden zuletzt abgegeben. Und Pfeiffer? Im Jahr 2014 erreichte der Gesamtumsatz mit 1,3 Milliarden € sein Allzeithoch. Denn 2014 hat man Zielpunkt übernommen. Dann gings bergab. Und die Plus City ging im Juli 2019 zu 100% an Ernst Kirchmayr.

Wer die Geschichte von Familienunternehmen verfolgt, stößt auf ein einzigartiges Phänomen. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet sehr häufig das Verhältnis zwischen den Generationen. Wenn sich die Alten mit den Jungen und die Geschwister untereinander gut verstehen, dann blüht und gedeiht die Firma. So geschehen bei den Spar-Clans, bei den Kastners, bei den Kiennasts. Blicken wir nach Deutschland: Zoff in Familienangelegenheiten gab und gibt es, um beim Lebensmittelhandel zu bleiben, nicht nur bei Haubs sondern auch bei Albrechts und Müllers. Zustände wie bei den Royals.

Aber Wandel im Handel funktioniert auch nach dem Kreislauf-Prinzip von Mutter Natur: Neues Leben blüht aus den Ruinen. Das beweisen die Unimärkte: 1975 von der Unitas Neumarkt aus der Taufe gehoben, 1983 von Pfeiffer übernommen und 2021 von Andreas Haider relaoded. Er sei gekommen, um als Unternehmer zu bleiben, versichert er .

Bericht: Dr. Hanspeter Madlberger

Veröffentlicht am

30.04.2021