Thomas Panholzer, MBA, Geschäftsführer Transgourmet Österreich

Transgourmet: Neue Bio-Marke geplant

Transgourmet-Chef Thomas Panholzer über Corona- Einbrüche 2020 und Offensiven 2021/22.

Bericht: Dr. Hanspeter Madlberger

Der Frust über den Umsatzeinbruch im Corona-Jahr ist bei Thomas Panholzer, Geschäftsführer von Transgourmet Österreich, verständlicherweise groß: Um 25,8% gingen die Umsätze im Vergleich 2019/2020 zurück, sackten somit um 159 Millionen € auf einen Level von 457 Millionen € herunter. Zum Vergleich: Das Mutterunternehmen, die in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich präsente Transgourmet Holding  verzeichnete 2020 ein Umsatzminus von "nur" 13,3%.
"Rund 85 % unseres Umsatzes entfallen auf das Geschäft mit der Gastronomie, da wirken sich die 121 Schließtage entsprechend katastrophal aus", erläutert Panholzer. Entsprechend groß war der Schock, als vor einigen Tagen vom Ballhausplatz die Nachricht kam, dass der Lockdown für Restaurants, Wirts- und Kaffeehäuser mindestens bis Ostern verlängert wird. 2021 schließt da nahtlos an 2020 an. Per Ende Februar hat sich bereits ein Umsatzminus von 30 Millionen € angesammelt. "Ohne die vom Staat geförderte Kurzarbeit wären diese Einbrüche im Geschäft mit der Gastronomie nicht zu verkraften". Die Ertragsrechnung 2020 weist eine "schwarze Null" aus, der hohe Eigenkapitalpolster der genossenschaftlichen Mutter Coop CH erweist sich in diesen stürmischen Zeiten als ein nervenstärkendes Ruhekissen.

Natürlich haben Panholzer und sein Vorstandskollege Manfred Hayböck einiges unternommen, um die Negativfolgen des Naturereignisses COVID -19 so weit es geht, zu kompensieren. Doch die Ergebnisse waren überschaubar. Die Öffnung der C&C-Märkte für Letztverbraucher  in den Lockdown-Wochen brachte 2 bis 3 % an zusätzlichem Umsatz. "Einreissen" aber will man dies Praxis auf keinen Fall lassen. "Vom ersten Tag an, da die Gastronomie wieder aufsperren darf, gibt es bei Transgourmet keinen Einlass für Private". Und Essen to go, von vielen Gaststätten den Stammgästen angeboten, war als Umsatzkick für den Gastro-GH kaum der Rede wert. Taugt die Gemeinschaftsverpflegung als Hoffnungsträger? Leider nein. "Viele Firmen stellten auf Home Office um, das hat die Lieferungen an die Kantinen massiv beeinträchtigt."

Neu: Bio in Großpackung

Bei allem Lockdown-Frust ist die Innovations- und Expansionslust dem Transgourmet-Management nicht abhanden gekommen. Ein erster Paukenschlag im Eigenmarken-Geschäft: Eine neue Bio-Eigenmarke wird lanciert. Besonderes Merkmal: Erstmals wird ein Programm an Bio-Lebensmitteln in Großgebinden angeboten. Bislang lieferten die meisten Bio-Produzenten ihre Ware in kleinen, verbrauchergerechten Einheiten, die Gastro-Küche aber verlangt Großpackungen. Denn immer mehr Restaurants setzen Bio-Gerichte regelmäßig auf die Speisekarte. Den Einkauf besorgt, exklusiv für Transgourmet Österreich, Deutschland, Schweiz und Frankreich die am gemeinsamen Standort Traun ansässige Firma Top Team.

Expansion in Zell am See und in Salzburg Himmelreich

Neben der Sortiments-Innovation nimmt heuer auch die Standort-Expansion wieder Fahrt auf. Spektakulärstes Projekt: "Wir rechnen damit, dass wir heuer die Baugenehmigungen für unseren neuen Transgourmet-C&C Markt in Zell am See erhalten", verrät Panholzer retailreport.at. Das Grundstück hat man sich bereits gesichert. Wenn alles glatt läuft, soll die  Eröffnung des neuen Abholmarktes mit einer Verkaufsfläche von über 3000 m2 im Mai 2022 über die Bühne gehen. Für Panholzer ist dieses Projekt, auf einen Jahresumsatz von 30 bis 35 Millionen € ausgelegt, von spezieller Bedeutung. Er startete seinerzeit seine Karriere als erfolgreicher Handelsmanager bei der Adeg Zell am See. Schon jetzt kann man sagen: Der Pinzgau mit Zell am See, Saalbach und Saalfelden ist nicht nur ein Hotspot im Salzburger Tourismus, sondern wohl künftig auch ein Hotspot im Wettbewerb der alpinen Gastro Großhandels-Szene.

Auch auf dem Areal des Transgourmet Marktes in der Festspielstadt Salzburg  rücken schon bald die Baumaschinen an. Nachdem bereits ein Nachbargrundstück angekauft wurde, kommt es ab Herbst zu einem Neubau, verbunden mit einem Teilabriss des alten Objekts, was insgesamt zu einer Kapazitätserweiterung des Betriebes führt. Wenn die Umsätze 2022 wieder an das vor-Corona-Niveau ansteigen, wird man die zusätzliche Fläche dringend brauchen. Der gemeinsame Standort von Abholmarkt und Zustell-Logistik hat den Vorteil, dass der Gastro-Zustellservice auf die Lagerbestände des 23.000 Artikel umfassenden C&C Marktes zurückgreifen kann, wenn beispielsweise Küche und Keller der Haubengastronomie Appetit auf High Premium Qualitäten zeigen.
Last but not least: Vorläufige Entwarnung für die Konkurrenz im niederösterreichischen Donauland: Das Projekt Ybbs wurde storniert, der geplante Markt in Krems ist im Warte-Modus.

"Coop-eration" wohin man schaut

Auf der Suche nach den Erfolgs- und Resilienz-Wurzeln eines Unternehmens landet man zwangsläufig bei der Eigentümerstruktur. Die Herkunfts-DNA von Transgourmet Österreich verdient es jedenfalls, näher unter die Lupe genommen zu werden, ist sie doch reich an Synergieeffekten. Der verästelte Coop Schweiz-Konzern (mit einem Jahresumsatz 2020 von 30,2 Mrd. CHF und einem Jahresgewinn 2020 von 539 Mio CHF) ist nach europäischen Maßstäben wahrlich kein Leichtgewicht, was die Nachfragepower gegenüber den Lieferanten betrifft. So unterhält die Coop CH eine eigene Obst- und Gemüse-Einkaufsfirma, auf deren Dienste auch Transgourmet A bei Bedarf zurückgreifen kann. Ebenso sind Beschaffungs-Allianzen  mit den Transgourmet-Schwesterfirmen  angesagt, insbesondere bei der Preiseinstiegs-TG Eigenmarke Economy und der mittelpreisigen Range TG Quality.

Einen guten Draht haben unsere Transgourmet-Sortimentsmanager auch zur Bell Food Group (Jahresumsatz 2020: 4,1 Mrd. CHF, EBIT 2020: 160 Mio. CHF), einem  börsenotierten Lebensmittel-Produzenten, an dem die COOP die Aktienmehrheit hält. Wenn Preis und Qualität passen, greift man in Traun gerne auf die Angebote aus der Konzern-Verwandtschaft zurück. Das gilt beispielsweise für das Geflügelsortiment der Bell-Tochter Hubers Landhendl in Pfaffstädt und die Fertigsalate und Convenience-Produkte aus dem neuen Werk der Firma Eisberg in Marchtrenk. Auch Hilcona und Hügli gehören zum Bell-Imperium.

Veröffentlicht am

19.02.2021