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Spannende Podiumsdiskussion am Tag des Handels

Tag des Handels 2023 in Gmunden

Handelsverband und Fachzeitschrift Regal veranstalteten ihren jährlichen Kongress im Toscana. Handelspreis und Industriepreis wurden verliehen.

Ein Besucherrekord stellte sich ein: mehr als 400 Personen trafen sich bei wunderschönem Wetter in Gmundens Kongresszentrum Toscana, um die heißen Themen der Branche zu diskutieren. Und ja, die aktuellen Themen sind heiß: bald stehen nicht nur die KV-Verhandlungen im Handel vor der Tür, auch die Jahresgespräche zwischen Industrie und Handel nähern sich mit rasanten Schritten. Das heißt für alle wieder einmal noch mehr und intensiver über Kosten nachzudenken.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der größten Handelsunternehmen Österreich (Markus Kaser für Spar, Marcel Haraszti für Rewe International, Alessandro Wolf für Lidl, Martina Dutzler für MPreis), der Industrie mit Günter Thumser vom Markenartikelverband und den beiden Agrar-Vertretern: Bundesminister Norbert Totschnig und AMA Marketing Geschäftsführerin Christina Muthentaler-Sipek ging es heiß her: Die Händler sahen und sehen sich heute noch immer als der Sündenbock der Nation, wenn es um Preissteigerungen geht. Sie sind bei Politik und Medien auch deshalb leichte Beute, weil der Handel überall präsent und vor Ort ist und mit seiner deshalb großen „Oberfläche“, um in physikalischen Worten zu reden,  auch eine gute „Angriffsfläche“ für negative Kritik bildet. Schockiert sind die Handelsvertreter vor allem darüber, dass eben auch die Politik gerne den Handel als „Buhmann“ anprangert, obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste.

„Als Händler kann man es niemandem recht machen“, so Marcel Haraszti. Gerade bei Preisen ist man sensibel, denn Österreich ist nun einmal ein Aktionsland und diese Tatsache ist historisch gewachsen. „Jeder Händler, der Kurantpreise längerfristig konsequent durchziehen wollte, ist schon das eine oder andere Mal abgestraft worden, weil die Konsumenten nach Aktionen suchen“, so die Händler. Deshalb sind auch die Preistransparenz-Datenbanken sehr schwierig umzusetzen: Es gibt nicht nur sich täglich ändernde Preise, sondern auch völlig unterschiedliche Produktqualitäten. „Nehmen sie die klassische Semmel her, die gibt es in einigen unterschiedlichen Varianten“, so Kaser. Hier einen fairen Vergleich zu finden, ist sehr schwierig.
Prinzipiell muss man Teuerungen auf den wahren Grund gehen, wenn es um Preissteigerungen geht – auch der Industrie gegenüber.

Hier stehen sich zwei Branchen massiv gegenüber, wie auch am Podium zu spüren war: Marcel Haraszti nahm sich gegenüber manchen Konzernen kein Blatt vor den Mund und kritisierte deren Margen im Vergleich zu den eigenen. Günter Thumser kontert: Auch die österreichischen Lebensmittelhändler sind Konzerne und für ihn sei der einzige Wert, der für einen Vergleich herangezogen werden kann der ROI (Return on Investment). Und zusätzlich wäre es für den Vertreter der Industrie wichtig österreichische Unternehmen zu fördern – in jeder Hinsicht. Die Jahresgespräche stehen vor der Tür und die Industrie ist offen für gemeinsame Ziele.
Alessandro Wolf, Lidl, fasst es gut zusammen: „Wir müssen an so viele Themen denken: Lebensmittel sind eben keine Schrauben, die man miteinander vergleichen kann“.
Auch deshalb ist für manch andere Handelsvertreter die Transparenzdatenbank auch ein Placebo-Effekt und Transparenz sollte anders gelöst werden.

Transparenz und Herkunft

Michaela Schellner moderierte das Podium unter dem Titel „Woher kommt mein Schnitzel?“. Mit ihr am Podium befanden sich Johannes Holzleitner, Interspar; Manuel Hofer, Transgourmet; Alexander Kiennast, Kiennast; Ilan Molcho, CEO von Neni und Maimuna Mosser, Ikea. In der Diskussion wurden neue Erfolgsfaktoren in Gastronomie und Großhandel beleuchtet. Dazu zählen neben Nachhaltigkeit, Regionalität und Bio auch die Herkunftskennzeichnung, die seit 1. September 2023 in der Gemeinschaftsverpflegung verpflichtend ist. Dabei müssen Betreiber von Kantinen bekannt geben, woher das Fleisch, die Milch und die Eier stammen. Johannes Holzleitner bekennt sich voll und ganz zur Herkunftskennzeichnung und setzt sie in seinen 80 Interspar Restaurants bereits freiwillig um. Er plädiert aber dringend für eine verpflichtende Umsetzung auch in der Gastronomie, um Fairness im Wettbewerb und gleiche Rahmenbedingungen für alle zu schaffen.

Handelspreis und Industriepreis

Am Abend wurden der Österreichische Handelspreis und der Österreichische Industriepreis verliehen.

Der Österreichische Handelspreis ging an Katharina Schneider, CEO Mediashop Holding GmbH. Sie revolutionierte den internationalen Markt des Direct Response Television (DRTV) und wandelte ein „oldfashioned“ Teleshopping-Unternehmen in ein international erfolgreiches und renommiertes Omnichannel-Unternehmen. Neben Cash Investments kann Katharina Schneider die Start-Ups aus „2 Minuten 2 Millionen – Die PULS 4 Start-Up-Show“ mit ihrem Knowhow im Bereich Entwicklung und Produktion unterstützen, sowie die Produkte über ihr großes Vertriebsnetz auch international verkaufen und zum Erfolg führen.
"Katharina Schneider hat als Innovatorin und Visionärin weit über den Tellerrand des Handels geblickt und die gesamte Branche nachhaltig geprägt. Ihr Einfluss auf die Digitalisierung des Retail-Sektors in Österreich ist evident. Mit ihrer Bilderbuchkarriere ist sie ein echtes Musterbeispiel für erfolgreiche Frauen in Führungsrollen des österreichischen Handels", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Der Österreichische Industriepreis ging an den Vorstandsvorsitzenden der Vivatis Holding AG, Mag. Gerald Hackl. Gerald Hackl kann auf über 20 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelbranche verweisen. Bis 2004 war er in der Backwaren- und in der Molkereibranche tätig, wo er sich hauptsächlich den Bereichen Organisation, Marketing, Vertrieb, Logistik und Personal widmete. Im Jahr 2005 übernahm Hackl die Geschäftsführung der efko-Gruppe. Anfang 2013 wechselte er als Vorstandsvorsitzender zur VIVATIS Holding. Hackl hat an der WU Wien und an der JKU Linz Betriebswirtschaftslehre studiert.

 

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geschrieben am

05.10.2023