Stimmen aus Industrie und Handel zur Quote

Stimmen zur Quote

Retailreport.at hat in Handel und Industrie nachgefragt, welche Meinung dominiert.

Einer, der sich bis dato schon immer wieder für den Handel in punkto Einweg und Mehrweg auf die Beine gestellt hat, ist Mag. Hannes Wuchterl, Geschäftsführer Nah&Frisch. Für ihn war schon in den letzten Monaten das drohende Einweg-Plastikpfand ein Damokles-Schwert über seine Nah&Frisch-Kaufleute. Sie hätten in der Einführung des EW-Plastikpfandes einen klaren Nachteil allen anderen großen Händlern gegenüber.

Auch bei der Mehrwegquote ist er skeptisch, weniger wegen der Nah&Frisch-Kaufleute, sondern eher deshalb, weil es für ihn – wie für viele andere auch – wenig Sinn macht ein Produkt ins Regal zu stellen, nur weil es Mehrweg im Gebinde ist. „Die Quotenregelung ist nicht Sinn der Sache“, so Wuchterl. Er bevorzuge das Prinzip der Freiwilligkeit, auch von Konsumentenseite her. Ziel sollte es sein, den Konsumenten davon zu überzeugen, Mehrweg zu kaufen. „Das ist ein gesellschaftskritisches Thema, man muss bei den Kindern beginnen und gemeinsame gesellschaftliche Anstrengungen tätigen“, so Wuchterl. Es habe wenig Sinn, dem Handel eine Quote aufs Auge zu drücken.
Für den Nah&Frisch-Geschäftsführer stehen alle Möglichkeiten für Pilotprojekte offen, auch mit seinen eigenen Kaufleuten, die er gerne in den Prozess miteingebunden sehen will. „Gleichzeitig sollen jedoch gut funktionierende Systeme, wie Gelbe Tonne oder Gelber Sack beibehalten werden“, so Wuchterl.

Spar-Unternehmenssprecherin Mag. Nicole Berkmann verweist darauf, dass der Händler schon jetzt das größte Mehrwegsortiment im heimischen Handel hat. Die Auswirkungen der Mehrwegquotenregelung wird noch analysiert, auch mit den Standesvertretern des Handels.

Dazu zählt auch der Handelsverband, der sich in einer Aussendung zum Thema äußerte: "Der österreichische Handel bekennt sich zum Ausbau des Mehrweg-Angebots auf freiwilliger Basis. Wir wollen der Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden bestmöglich nachkommen und sind hier auf dem richtigen Weg. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Fakten, die eine gesetzliche Mehrwegquote rechtfertigen. Darüber hinaus wäre eine derartige Quotenlösung ein erheblicher Eingriff in die Erwerbsfreiheit, der nicht gerechtfertigt ist. Daher werden die verfassungs- und unionsrechtlichen Bedenken genau zu evaluieren sein", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer ersten Stellungnahme.

Von Seiten der Rewe International Österreich gibt es sehr ähnliche Aussagen: „Wir investieren schon länger in Mehrwegsysteme bei Mineralwasser, Limonaden oder unserer Ja! Natürlich Milch in der Mehrwegflasche. Das tun wir freiwillig bereits seit langem, weil es der ausdrückliche Wunsch unserer Kundinnen und Kunden ist.  Wir werden auch künftig den Ausbau von Mehrweg forcieren und unser Angebot ganz im Sinne der Kunden dahingehend erweitern“, so Paul Pöttschacher von der Unternehmenskommunikation.

Die beiden Diskonter Lidl und Hofer veröffentlichen folgende Stellungnahmen:

Hofer:Wir sind uns als nachhaltig orientiertes Unternehmen unserer Verantwortung bewusst und pflegen bezüglich der angesprochenen Thematik einen offenen Austausch mit dem zuständigen Ministerium. Es ist uns dabei ein Anliegen, die mit der Einführung von Mehrwegpfandsystemen verbundenen Herausforderungen, Kosten und Aufwände aufzuzeigen sowie eine für alle Seiten umsetzbare Lösung zu finden. Sind die noch offenen Punkte geklärt, nehmen wir die Herausforderung als Unternehmen an.“  

Lidl bleibt bei seinem Bekenntnis zum Einwegpfand: „Klima- und Umweltschutz ist uns wichtig. Daher sind wir nach wie vor der Meinung, dass Einwegpfand eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Maßnahme ist und außerdem die einzige Möglichkeit ist, die Vermüllung der Natur nachhaltig zu reduzieren.“

Mag. Andreas Haider, der Eigentümer des Unimarkt: „Ich kann die Vorgehensweise nur begrüßen und unterstützen. Im Unimarkt erfüllen wir bereits die geplanten Mehrwegquoten, weil wir immer schon auf Mehrweggebinde gesetzt haben.“

Die Industrie ist bereit

Marktführer im Mineralwasser-Bereich, Vöslauer, sieht die neue Mehrwegquote so: „Wir orientieren uns an den Bedürfnissen unserer Konsumenten und dementsprechend richten wir unsere Produkte aus, wichtig ist uns dabei, dass Vöslauer Mineralwasser, egal in welchem Gebinde, gut in den Alltag und zum Lebensstil der Menschen passt. Den Umweltgedanken nehmen wir schon vor Entwicklungsstart unserer Produkte mit und achten darauf, dass alles was wir tun ökologisch sinnvoll ist. Daher bieten wir alle unsere PET-Flaschen aus 100 % recyceltem PET an – damit entsprechen wir schon jetzt den Anforderungen der Single Use Plastic Directive der EU, da bis 2025 25 % Recyclingmaterial für alle Getränkeflaschen bis 3 Liter gilt. Ebenso ist vorgesehen, dass bis 2024 die Verschlüsse mit den Flaschen verbunden sein müssen: Die ersten Vöslauer-Flaschen mit dem, wie wir es nennen, „Bleibt-dran-Verschluss“ sind bereits am Markt. Und nicht zuletzt sind wir das erste österreichische Unternehmen, dass 2022 wieder eine PET-Mehrwegflaschen auf den Markt bringen wird, als ökologisch sinnvolle Ergänzung zu Glas-Mehrweg und 100 % rePET – und dieses „Portfolio“ werden wir auch beibehalten“, so Birgit Aichinger, GF Vöslauer Mineralwasser GmbH. Vöslauer ist unabhängig von Quoten immer schon in die Vorleistung gegangen und war damit erfolgreich. „Was die neuen Pläne angeht, so sehen wir diese neutral, hier sind Experten am Werk, die es besser wissen und entscheiden müssen, welche Maßnahmen die richtigen und sinnvollsten sind.“

Der Mineralwasser-Sekundus, Waldquelle, sieht es so: „Wir begrüßen prinzipiell jede Initiative, die in Richtung Nachhaltigkeit, Angebotsvielfalt und Mehrweg geht. Eine verpflichtende Quote ist aus unserer Sicht deshalb nicht zielführend, da in vielen Geschäften (z.B. im Diskont) einfach der Platz für aufwändige Systeme fehlt. Der Platz, den Mehrweg braucht, würde zu einer Reduktion der Vielfalt führen. Gerade im städtischen Bereich ist die Nachfrage für Mehrweg aus unserer Erfahrung aber auch nicht gegeben. Entscheidender Faktor sollte aus unserer Sicht der CO2 Fußabdruck sein. Er spricht mehr für recycling PET als für Mehrweg Glas. Ministerin Gewessler spricht von Pilotprojekten. Hier waren wir in den letzten Jahren bereits immer wieder Vorreiter was Pfand-Systeme anbelangt und sind gerne wertvoller Partner einer sinnvollen Ideenfindung“, so Monika Fiala, Geschäftsführerin der Waldquelle.

Coca-Cola, der weltweite Getränkekonzern trifft hier in Österreich wieder auf einen anderen Umgang mit dem Thema Recycling, als in anderen europäischen Ländern. „Aus Sicht von Coca-Cola sollten Umwelt- und Konsumentenbedürfnisse im Vordergrund stehen. Die Konsumentinnen und Konsumenten greifen aktuell zu mehr Mehrwegverpackungen und daher haben wir 2019/20 begonnen weitere Optionen (z.B. Römerquelle, Coca-Cola) anzubieten. Der CO2 Fußabdruck der Verpackungen zeigt, dass ein guter Mix Sinn macht und nur Mehrweg nicht die Lösung sein wird. Letztlich bleibt es unser Ziel, dass wir alle Verpackungen (egal ob Einweg oder Mehrweg) wieder zurückbekommen möchten, um den Kreislauf zu schließen“, so Philipp Bodzenta, Public Affairs Director Coca-Cola Österreich. Coca-Cola war auch stark beteiligt bei der Initialisierung der #recyclemich-APP in Österreich.

Und auch Egger-Getränke hat sich dem Thema logischerweise sehr intensiv angenommen: „Wir sehen eine Erweiterung des Angebots von Mehrweg-Glas positiv. Mehrweg-Glas ist eindeutig eine relevante Alternative als Verpackungsform. Wenn vermehrt Getränke in Mehrweg-Glasflaschen angeboten werden, dann reduziert man damit automatisch den Ausstoß von Einweg-Gebinden und damit die Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling.

Die Zahlen der Industrie bestätigen das. Sowohl die Umsatzdaten aus dem Getränkeverband als auch die von NielsenIQ zeigen eine hohe Steigerung bei der 1-Liter-Mehrweg-Glasflasche – der Absatz hat sich 2020 beinahe verdoppelt. Und das bei einem insgesamt – Corona-bedingt – rückläufigen Gesamtlimonadenmarkt. „Diese Zahlen zeigen, dass Glas gekauft wird, wenn es verfügbar ist“, so van der Heijden, Geschäftsführer bei Egger Getränke und weiter: „Der Anteil an Mehrweg-Glas am Getränkemarkt wird weiter steigen. Wenn das Angebot ausgebaut wird und Mehrweg-Glasflaschen flächendeckend erhältlich sind, werden diese auch vermehrt gekauft werden.“ Bei Egger Getränke verließen in Summe fünf Millionen Mehrweg-Glasflaschen im Jahr 2020 die Produktion.  

Egger Getränke bietet seit mehr als einem Jahr wieder Limonaden und Fruchtsäfte im umweltschonenden Mehrweg-Glasgebinde an und freut sich über Erfolge: „Mehrweg-Glas wird vom Konsumenten gewünscht und auch deutlich vermehrt gekauft“, so Frank van der Heijden. Und weiter: „Angebot und Nachfrage beflügeln sich hier gegenseitig.“

Veröffentlicht am

30.04.2021