Mag. Jutta Mittermair, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Spitz im Interview

Produktentwicklung als Gesamtpaket

Bei Spitz ist man bestrebt, bei der Herstellung der Produkte stets auch ernährungstechnische Entwicklungen zu berücksichtigen – egal ob Marke oder Eigenmarke.

Der oberösterreichische Produzent von Lebensmitteln in unterschiedlichen Warengruppen erzeugt Markenartikel wie Auer Blaschke, Gasteiner, aber eben auch Eigenmarken für die großen Händler des Landes. In beiden Geschäftsbereichen beschäftigt sich das Familienunternehmen intensiv mit der Entwicklung der Produkte im Sinne des Geschmacks und der Inhaltsstoffe. Vor allem bei den Eigenmarken spürt man, dass der Handel ebenfalls starke Ambitionen zeigt, die Produkte gesünder und mit weniger Zucker zu produzieren, so die Leiterin der Unternehmenskommunikation Mag. Jutta Mittermair. „Wir wissen, dass vor allem der Geschmack eines Produktes im Vordergrund steht. Nun gilt es eben ernährungstechnische Trends mit dem Geschmack in Einklang zu bringen.

An welchen Schrauben dreht man?

Dass Zucker aktuell zu den meist diskutierten Inhaltsstoffen zählt, das zeigt nicht nur die jüngste Aussendung der Spar über Zuckerlimits bei neuen Eigenmarken. Hersteller, denen die Gesundheit und die Akzeptanz durch Konsumenten, aber auch die Listungen im Handel von Bedeutung sind und die nachhaltig agieren, die schauen sich die Menge an Zucker in ihren Produkten ganz genau an.

„Es ist jedoch nicht einfach Zucker einfach auszutauschen und zu ersetzen“, so Jutta Mittermair. Zum einen will man nicht bloss einen Zuckeraustauschstoff verwenden und zum anderen ist Zucker ja nicht nur für die Süße, sondern auch für die Konsistenz, Haltbarkeit und das Geschmacksgefühl verantwortlich. Und damit es nochmals nicht so einfach wird: Zucker ist nicht gleich Zucker: man unterscheidet zwischen klassischem Industriezucker und Fruchtzucker. Bei Spitz geht man mit der Zuckerreduktion konsequent und sukzessive vor – hilfreich ist dabei das hausinterne Entwicklungs- und Forschungslabor.

Unterschiedliche Herangehensweise

Bei Getränken fällt es naturgemäß leichter den Zucker zu reduzieren, da die Anforderung „Konsistenz“ nicht so tragend ist. Mit dem 2019 lancierten „Gasteiner in der Dose“ in vier Sorten ist man diesen Weg bereits gegangen und hatte großen Erfolg. So enthält Gasteiner Lemon, Orange, Grapefruit und Apfel lediglich Wasser und direkt gepressten Fruchtsaft.

Warengruppen wie Ketchup und Grillsaucen sind schon herausfordender, oder aber auch Süßigkeiten wie Waffel. „Dazu kommt, dass ja der Umgang mit Zucker in einer Gesamtbetrachtung zu sehen ist: Zu einem guten Lebensstil gehört nicht nur die Ernährung, sondern Sport und sonstige Maßnahmen“, meint Mittermair. Und schließlich gönnt man sich mit einer Süßigkeit ja auch den kleinen Genuss.

Rezeptur gehört auch zur Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit bei Spitz ist in drei große Bereiche geteilt: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Im weitesten Sinne zählt auch die Verbesserung der Rezepturen zur Nachhaltigkeitsagenda. Medial noch mehr Gewicht hat jedoch das Thema Verpackung, das Spitz ja schon seit geraumer Zeit beschäftigt und Lösungen findet. Es werden Verpackungsgewichte reduziert, die Recyclebarkeit erhöht (Mitglied bei Pet2Pet) und genau geprüft, welcher Packstoff für welche Produkte passt. „Man kann sich nicht komplett vom Kunststoff lossagen“, so Mittermair, „aber wir tragen natürlich alle EU-weiten und Österreich-weiten Maßnahmen mit“.

Regionalität und Rohstoffe

Zuletzt noch ein kurzer Corona-Rückblick: Spitz ist gut durch die Krise gekommen, man konnte auf die Rohstoffe und ihre Lieferanten zählen. Die Produktion vor Ort und demnach die Regionalität hat selbstredend geholfen, aber so war das Unternehmen ja schon immer aufgestellt. „Da wir sehr früh präventive Maßnahmen gesetzt haben, sind wir auf die Krise bestens vorbereitet gewesen. Bereits im Februar wurde in Attnang-Puchheim ein Ernstfallstab eingerichtet, der seither regelmäßig tagt und in dem die Vorkommnisse und Aktivitäten rund um Corona täglich besprochen, koordiniert und gesteuert werden. Zudem wurden gleich zu Beginn Dienstreisen eingestellt, erhöhte Hygienemaßnahmen implementiert und Vorbereitungen zu einer ausgedehnten Home-Office-Tätigkeit getroffen – immer mit dem obersten Ziel vor Augen, unser Unternehmen und vor allem unsere Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sicher durch die Krise zu bringen“, so MittermairIn der Anfangsphase gab es eine starke Nachfrage nach Getränken, Toastbrot, Ketchup, Honig und Essig, aber die Mengen haben sich wieder eingependelt. 
Grosso modo blickt das oberösterreichische Familienunternehmen positiv in die Zukunft.

 

Veröffentlicht am

31.07.2020