Mag. Fritz Poppmeier_Spar Vorstandsvorsitzender

Spar-Chef Fritz Poppmeier im Klub der Wirtschaftspublizisten

Territoriale Lieferbeschränkungen durch Markenartikel-Multis müssen wegfallen. Ein Bericht von Dr. Hanspeter Madlberger.

Territoriale Lieferbeschränkungen durch Markenartikel-Multis heizen die Inflation an. Ihnen müsse daher seitens der Wettbewerbsbehörde ein Riegel vorgeschoben werden. Diese Forderung erhob Fritz Poppmeier, Vorstandsvorsitzender der Spar Österreich am 10. Mai im Klub der Wirtschaftspublizisten. Gerade in Zeiten, da die Versorgungssicherheit bei Konsumgütern durch Pandemie, Krieg und globale Störfälle in der Transportlogistik schwer beeinträchtigt ist, darf es nicht vorkommen, dass Markenhersteller den EU-Binnenmarkt entlang nationaler Grenzen segmentieren und damit den Wettbewerb einengen. "Das Einkaufsdiktat der Multis verteuert Waren" schreibt dazu die Krone vom 11.5.

Worum geht es konkret? Die Diskriminierung, denen Lebensmittelhändler durch territoriale Lieferbeschränkungen seitens einzelner Hersteller ausgesetzt sind, ist eine zweifache. Zum einen werden international bekannte, stark beworbene Marken von Land zu Land in unterschiedlichen Qualitäten angeboten. Wer als Händler beispielsweise in Kroatien eine renommierte Haselnusscreme-Marke bestellt, erhält Ware, die in Polen nach einer Rezeptur produziert wird, die nicht jener gleicht, die in Westeuropa am Markt ist. Eine solche Vorgangsweise fällt unter das Dual Food Quality-Verbot, das von der EU erlassen wurde und ab Mai 2022 auf nationaler Ebene umgesetzt werden kann. Bei uns in Österreich ist das bislang nicht geschehen.

Österreich-Töchter der Multis sind nicht immer die billigsten

Handelt es sich bei Dual Food Quality (ein Relikt aus den Anfangsjahren der EU-Osterweiterung) allenfalls um Einzelfälle, so ist das so genannte Geo-Blocking (die Bezugsmöglichkeit ausschließlich über die nationale Vertriebsgesellschaft des Multi), nach den Erfahrungen, die man in Salzburg macht, eine weit verbreitete Praxis. Da zahlreiche Hersteller ihre Markenware zu Preisen anbieten, die von Land zu Land verschieden sind, hält das Spar Einkaufsteam laufend Ausschau, wo der gewünschte Artikel am günstigsten zu haben ist. Und wird von den Multis bei solchen Anfragen regelmäßig an die Österreich-Töchter verwiesen. Die im Vergleich zu Deutschland nicht gerade als die billigsten Anbieter gelten.

Auch eine Sammelbestellung der Spar Österreich Gruppe für alle ihre 3000 Outlets in Österreich, Italien, Ungarn, Slowenien und Kroatien wird von den Marken-Lieferanten abgelehnt. Diese Einschränkungen, verbunden mit Mengenlimits bewirken eine Verteuerung beim Wareneinkauf und damit eine heftige Wettbewerbsverzerrung.

Das Ausmaß dieser Preisdiskriminierung lässt sich erahnen, wenn man von Salzburg nach Freilassing fährt, dort den Globus- oder Kaufland-Verbrauchermarkt aufsucht und die Preise einzelner Markenartikel mit jenen im Interspar des Europark Salzburg oder im Maximarkt in Anif vergleicht. Besonders ärgerlich sind diese territorialen Lieferbeschränkungen, weil unsere Konsumentenschützer seit Jahren bei ihren Supermarkt-Preisvergleichen zwischen Österreich und Deutschland den heimischen Einzelhandel und nicht die Markenartikelindustrie für die Unterschiede verantwortlich machen.

Die EU-Kommission greift ein

Bei der EU-Kommission genießt die Abschaffung der hier beschriebenen territorialen Lieferbeschränkungen (Territorial Supply Constraints, kurz TSC genannt) seit Jahren hohe Priorität. 2019 wurde das erste Urteil in dieser Causa gegen den Brauereikonzern AB InBev (Anhäuser Busch, Becks Bier) gefällt. Seit Jänner 2021 läuft ein Kartellverfahren der EU Kommission gegen Mondelez. Dem Süßwaren-Unternehmen wird vorgeworfen, es habe seinen Kunden im Handel Gebietsbeschränkungen, Preiserhöhungs-Auflagen und Mengenbegrenzung beim Parallelhandel (grenzüberschreitende Lieferungen innerhalb des EU-Binnenmarkt) mit Schokolade, Keksen und Kaffee auferlegt.

Spar Einkaufsallianz nur national (mit Metro) aber nicht auf Europa-Ebene

Vor dem  Hintergrund einer aus bekannten Gründen rasant ansteigenden Inflation bei Lebensmitteln gewinnt die Frage des möglichst preisgünstigen Markenartikel-Einkaufs für ein österreichisches Familienunternehmen wie die Spar AG besondere Bedeutung. Die Konzernmütter aller drei großen Mitbewerber (Billa, Hofer, Lidl) belegen im europäischen LEH-Umsatzranking Plätze im Spitzenfeld. Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland ist die Nummer Eins, Rewe und Aldi matchen sich um die weiteren Stockerl-Plätze. Zugleich formierten sich in den letzten Jahren auf Betreiben der beiden Supermarktketten Edeka und Rewe Europa-Einkaufsallianzen, die alles daran setzen, den Markenartikel-Multis Top-Konditionen abzutrotzen um so die beiden Discount-Riesen in Schach zu halten.

Wie Poppmeier auf Anfrage von retailreport.at mitteilte, besteht seitens der Spar nach wie vor keine Absicht, einem solchen Europa-Einkaufsverbund beizutreten. Einkaufskooperation mit der Metro findet ausschließlich auf nationaler Ebene statt. In Österreich betreiben Spar und Metro gemeinsam die EKS Handelsgesellschaft Salzburg, zuständig vor allem für die Zentralregulierung. So bleibt im Warengeschäft das Ringen um die Abschaffung der territorialen Lieferbeschränkungen eine wichtige "Baustelle" in der Einkaufspolitik der Salzburger.

Trost für diese Ungemach beim Markenartikel-Trockensortiment bietet die über weite Strecken partnerschaftliche Zusammenarbeit mit heimischen Lebensmittelproduzenten, den Bauern ebenso wie den Verarbeitern. Qualitativ hochwertige Herstellermarken, die das Vertrauen der  Konsumenten besitzen, haben ihren festen Platz im Spar-Sortiment, betont Poppmeier. Vom neuen Landwirtschaftsminister erhofft sich der Spar-Chef eine Gesprächsbasis  "auf Augenhöhe".

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Veröffentlicht am

11.05.2022