Karl Fischer, Obmann des Vereins "Soja aus Österreich"

Aufatmen bei den Herstellern von Soja-Produkten

Das Europäische Parlament den Abänderungsantrag AM 171 zurückgezogen, der massive Einschränkungen bei der Vermarktung von pflanzlichen Milchalternativen nach sich gezogen hätte.

Das Vorhaben wird nicht mehr im im laufenden Trilogverfahren zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verhandelt. Die Entscheidung war zuletzt absehbar.
Die EU-Kommission in Brüssel ist nicht hinter dem Antrag gestanden. Es war kein eindeutiges Votum der Agrarminister zu erwarten.

Der Verein "Soja aus Österreich" freut sich über diese Entwicklung: "Wir anerkennen, dass die Bezeichnung 'Milch' weiterhin Produkten vorbehalten bleiben soll, die von Tieren kommen. Mit der aktuellen Entscheidung über die Beibehaltung des Status Quo kann nun mit ganzer Kraft an die Weiterentwicklung dieses neuen Marktsegmentes herangegangen werden. Denn die beabsichtigten Restriktionen hätten den Wettbewerb massiv verzerrt. Letztendlich werden die Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden, wie sich der Absatz dieses Zukunftssortiments entwickeln wird und nicht europäische oder nationale Behörden", sagt Karl Fischer, Obmann des Vereins "Soja aus Österreich".

Die Geschichte dahinter

Wäre es nach dem Willen des EU-Parlaments gegangen, wären Hersteller pflanzlicher Alternativen zu Milchprodukten bald mit massiven Problemen konfrontiert gewesen. So wären bei strenger Auslegung des Abänderungsantrages AM 171 vergleichende Hinweise, etwa bezüglich des ökologischen Fußabdrucks untersagt.

Eine stärker pflanzenorientierte Ernährung ist unverzichtbar für den Klimaschutz. Trotzdem dürfen seit  2017 Alternativen auf pflanzlicher Basis nicht mehr als „Milch“, „Käse“ oder „Joghurt“ bezeichnet werden. „Wenn die neuen Ziele des EU-Parlaments umgesetzt worden wären, drohten weitere Restriktionen. Dann dürfen pflanzliche Produkte auf Verpackungen und im Marketing nicht einmal mehr darauf hinweisen, dass sie wie Milchprodukte verwendet werden können, etwa zum Binden von Soßen“, so Soja Österreich Obmann Karl Fischer.

Der Begriff „Milchersatz“ wäre verboten, ebenso der Hinweis „pflanzliche Alternative zu Milch“, vergleichende Hinweise wären untersagt – etwa bezüglich des ökologischen Fußabdrucks. Nicht nur die Aufmachung, selbst die Verpackung selbst könnte bei weiter Auslegung problematisiert werden – sie müsste sich zukünftig vom Erscheinungsbild klassischer Milchprodukte unterscheiden, es dürften u. a. keine Gläser mit dem Produkt abgebildet werden. Tetrapaks für Hafer-Drinks oder Becher für Soja-Desserts könnten demnach genauso verboten werden wie etwa die Glasflasche für einen Drink hergestellt aus Dinkelkörnern, wie er seit Mitte 2020 erfolgreich von der Berglandmilch, Österreichs größter Molkerei mit Sitz in Niederösterreich, hergestellt und vermarktet wird. Pikanterweise haben die Marktführer unter Österreichs Molkereien mittlerweile nicht nur Milch von der Kuh, sondern auch pflanzliche Alternativen wie Dinkel- oder Hafermilch im Sortiment.

Der Umsatzanteil am Trinkmilchkonsum im heimischen Lebensmittelhandel kratzte 2020 sogar mit 9,5 % knapp an der 10-%-Marke und wird diese heuer überschreiten.

Verbraucherinnen und Verbraucher können auch gut mit den Begriffen Kokosmilch umgehen, ebenso mit Erdnussbutter oder mit dem in Österreich so beliebten Leberkäse – niemand würde hier ein Verwechslungsproblem mit Produkten aus der klassischen Milchwirtschaft sehen.
Und auch der Mehrwertsteuersatz auf Pflanzendrinks (20%) sollte jenem der Milch (10%) angeglichen werden.

Key Facts

  • Umsatz pflanzliche Trinkmilchalternativen 2020 in Österreich rund 37 Mio Euro bzw. rund 10% des Gesamtmarktes. Rasante Umsatzsteigerung: gegenüber 2019 um 39 %, gegenüber 2018 um 54 %
  • Umsatz pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten gesamt (Trinkmilch, Joghurt und Desserts) 2020 in Österreich 57 Mio. Euro; größten Anteil machen mit 19 Mio. Euro Produkte auf Sojabasis aus
  • Österreichischer Produzent Mona aktuell Nummer zwei am europäischen Markt 
  • Österreichs größte Molkereien sind vor Kurzem in den Markt pflanzlicher Milchalternativen eingestiegen.
  • Gesamtumsatz 2020 für pflanzliche Milchalternativen in Europa 1,6 Mrd Euro
  • Der Trend zum Sojaanbau auf Österreichs Äckern setzt sich fort. Laut aktuellen Flächenerhebungen der AMA beträgt die Anbaufläche für Soja in Österreich erstmals über 75.000 Hektar und konnte somit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 10% zulegen. Damit ist Soja das fünfte Jahr in Folge die viertgrößte Ackerkultur auf heimischen Feldern, nach Mais, Weizen und Gerste. Im Biolandbau ist Soja mit knapp 30.000 Hektar bereits die Nr. 2 nach Weizen. 
  • AMA-Daten zeigen zudem, dass über 12.000 österreichische Landwirte vom Burgenland bis Vorarlberg und somit 19 % aller heimischen Ackerbauern Sojabohnen auf ihren Feldern kultivieren. Das sind fast 1000 mehr als im Vorjahr. Ein Viertel davon sind Biobauern.

Veröffentlicht am

29.05.2021