IT-Offensive der Raiffeisen-Lagerhäuser in Kärnten &Tirol

Die digitale Kraft aus dem Kärntner Land

Eine IT-Offensive der Raiffeisen-Lagerhäuser in Kärnten &Tirol ist gestartet.

Bericht: Dr. Hanspeter Madlberger

Mag. Hubert Schenk, Sprecher der Geschäftsführung der „Unser Lagerhaus“ Warenhandelsgesellschaft m.b.H. erläutert für retailreport.at die aktuellen Digitalisierungspläne seines Unternehmens und dessen 65 Lagerhaus-Standorte in Kärnten und Tirol. Doch vorweg einige Eckdaten zum Unternehmen: Mit über 1150 Mitarbeitern erwirtschaftete die "Unser Lagerhaus" Warenhandelsgesellschaft (WHG) im Jahr 2020 einen Umsatz von 495 Mio. €.
Zum Vergleich: Österreichweit erzielten die Raiffeisen Lagerhäuser im letzten Jahr einen Umsatz von 4,5 Mrd. €. Den Löwenanteil steuerte mit 2,4 Mrd. € der RWA Konzern (Raiffeisen Ware Austria AG) bei, der als Großhandels- und Dienstleistungszentrale der Lagerhäuser eine strategische Allianz mit der BAYWA unterhält.  Nicht mit von der RWA/BAYWA-Partie sind die Kärntner, die deshalb auch bei der Entwicklung ihrer IT-Struktur auf Eigenständigkeit setzen.

Anchorwoman der Digitalisierungs-Offensive der "Unser Lagerhaus" WHG ist seit Jahresbeginn 2021 Mag. Sabine Thaler. Die gebürtige Kärntnerin blickt auf eine lange und erfolgreiche Karriere im Rewe/Billa-Konzern zurück, wo sie im IT-Bereich als Expertin für Warenwirtschaft und Kassenorganisation am POS tätig war. Ob ihres  handelsspezifischen IT-Fachwissens und ihrer reichen Praxiserfahrung bei der Einführung innovativer digitaler Tools ist sie bis heute allseits geschätztes Mitglied des GS1 Austria-Beirates.

Retailreport: Die "Unser Lagerhaus" WHG startet eine Digitalisierungsinitiative, mit Mag. Sabine Thaler als Projektleiterin. Welche konkreten IT-Projekte, die auch nach außen hin Wirkung zeigen, wollen Sie in den kommenden Monaten und Jahren angehen?

Schenk: "Unser Lagerhaus" ist die „Kraft fürs Land“. Unsere Verbundenheit mit der Region ist dabei ein wichtiger USP. Besonders die Vernetzung in der Region bietet neue digitale Chancen im Businessumfeld. Dafür braucht es eine moderne IT und performante Systeme, die schnell die richtige Ware an den richtigen Ort bringen. Das macht die WHG bereits heute.
Sucht der Kunde nach Produkten in unserem Online-Shop, kann er aus einem umfassenden Sortiment wählen und die Bestellung umgehend erhalten. Egal wo und wann der Kunde einen Kaufwunsch hat oder eine Dienstleistung aus unserem Angebot braucht, das Lagerhaus möchte ihm diesen Wunsch erfüllen.

Unser flächendeckendes Standortnetz in Kärnten und Tirol ermöglicht eine schnelle Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen. Auch unsere regionalen Produzenten und Partner werden sichtbarer und die Wertschöpfung bleibt in der Region. Die IT-Projekte unterstützen diese Initiativen.

Online-Handel ist gerade in der Baustoff- und DIY-Branche ein wettbewerbsrelevantes Thema. Wird ihr Unternehmen in dieser Vertriebssparte künftig regional oder überregional  tätig werden?

Schenk: Wir haben vor ca. 3 Jahren einen neuen Onlineshop gestartet. Dieser wird seither ständig optimiert und um weitere Produkte erweitert. Wir sehen diesen Shop als Erweiterung unserer regionalen Standorte. Die Lieferung erfolgt flächendeckend in ganz Österreich. Weiters finden Heimwerker auf unserer Website zahlreiche Tipps und Hintergrundinformationen.

Im Baustoffbereich wurde eine B2B-Online-Plattform für Gewerbekunden ausgerollt, die jetzt laufend weiterentwickelt wird. Diese dient zum Informationsaustausch und ermöglicht Gewerbekunden ein 24-Stunden-Online-Service. Die sehr gute Annahme dieser Onlineplattform durch unsere Kunden bestärkt uns, diesen Weg konsequent weiterzuverfolgen und das Portal zukünftig auch für Privatkunden auszubauen.

Landwirten bieten wir mit unserem Portal „onfarming“ zahlreiche für sie maßgeschneiderte Services, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Weiters gibt es im Onlineshop einen Bereich für landwirtschaftlichen Bedarf wie etwa Ersatz- und Verschleißteile für Landtechnik.

Auch im stationären Handel  macht die Digitalisierung große Fortschritte. Z.B. durch Click&Collect, ein System, das in den Lockdown-Wochen rasant an Bedeutung zulegte. Wie ist da der aktuelle Stand in Ihrem Unternehmen, was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

Schenk: Wir bieten unseren Kunden neben Click & Collect auch eine Call & Collect-Option an. Bei einer Abholung in einer unserer Filiale fallen für Kunden keine Lieferkosten an. Durch unser flächendeckendes Filialnetz ist auch bei Kunden die am Land wohnen, immer ein Abholstandort in deren Nähe. Wir bieten aber auch den umgekehrten Weg: Speziell für unsere kleineren Standorte stellt der Onlineshop ein erweitertes Verkaufsregal dar. Der Kunde wird vor Ort von unseren Fachleuten beraten, diese können dann die Ware über unseren Shop bestellen und in die Filiale oder zum Kunden nach Hause liefern lassen.

Lebensmittelabteilungen in Lagerhaus-Märkten sind hervorragend geeignet, das regionale Angebot bäuerlicher Produkte und die Sortimente der Raiffeisen-Lebensmittelindustrie (Molkereien, Fleischverarbeiter etc.) zu vermarkten. Welche Aktivitäten entwickelt das Lagerhaus in Kärnten etwa in Zusammenarbeit mit Kärntner Milch oder Karnerta im Lebensmittel-Bereich? Süffige Frage: Engagieren Sie sich für den Weinbau in Kärnten?

Schenk: In unseren Haus- und Gartenmärkten bieten wir im Rahmen so genannter Bauernecken ein vielseitiges, regionales und saisonales Produktsortiment, welches von umliegenden Produzenten stammt. Durch die Einführung der Bauernecken ist uns ein Kreislauf mit unseren Kunden gelungen, die einerseits Imkerei-, Schlachterei- oder Einkochzubehör bei uns kaufen, um dann in weiterer Folge die fertigen Erzeugnisse über das Lagerhaus verkaufen zu können.

Am neugebauten Standort in Villach wird seit ca. zwei Monaten auch mit der ansässigen Genussmeierei der Firmen Karnerta bzw. Kärntner Milch zusammengearbeitet. Neben gemeinsamen Werbeaktivitäten und gegenseitigen Produktplatzierungen sind weiters Grillkurse geplant, bei denen den Teilnehmern Frischfleisch seitens der Karnerta und Grillequipment seitens des Lagerhauses zur Verfügung gestellt wird. Sofern sich diese Zusammenarbeitet positiv entwickeln wird, ist eine Ausweitung auf ganz Kärnten denkbar. Der in Kärnten stetig wachsende Weinbaubereich lässt sich bereits durch den Vertrieb regionaler Weinsortimente innovativer Winzer in den Regalen der Bauernecken finden. Eine mögliche Aufnahme von Weinbauzubehör befindet sich noch in Prüfung.

Gibt es IT-Projekte, die Sie als Testpiloten in Zusammenarbeit mit RWA/BAYWA  in Angriff nehmen?

Schenk: Da sich die Tests in einem frühen Stadium befinden, möchten wir noch keine Details verraten.

Können Sie konkret Projekte in den Bereichen Warenwirtschaft und Logistik benennen, wo Sie  auf die reichen fachlichen Erfahrungen von Frau Mag. Thaler  zurückgreifen können?

Schenk: In einem ersten Schritt geht es um einheitliche Stammdaten als Basis für die Online-Aktivitäten. Unser Unternehmen greift dabei auf einen umfassenden Pool an Artikelstammdaten zu. Der richtige Einsatz der Stammdaten ermöglicht eine deutliche Beschleunigung der Supply Chain – schnelle Einlistung neuer Produkte, umgehende Beschaffung und flexibles Eingehen auf Kundenwünsche bis hin zu fehlerfreien Prozessen vom Lieferanten bis hin zum Kunden.

Ein weiteres Kernthema ist der standardisierte Datenaustausch mit den Lieferanten. Die WHG ist vorwiegend in den Branchen Haus & Garten, Baustoffe, Agrar und Technik sowie Energie tätig. In diesen Branchen gibt es Optimierungsmöglichkeiten für EDI-Anwendungen. Die Funktion von Frau Mag. Thaler im GS1 Beirat bietet ihr das Netzwerk für die Weiterentwicklung und Standardisierung.

In der nahen Zukunft könnte u.a. auch Künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um die Kundenfreundlichkeit, Servicequalität und Effizienz weiter zu steigern. KI-Anwendungen können präziseste Vorhersagemodelle bieten und damit die herkömmlichen Bestellvorschläge revolutionieren. Ein Thema, das Frau Mag. Thaler von der Pike auf kennt.

H

Veröffentlicht am

07.05.2021