Pixabay Fußgängerzone

Internet verändert Städte

Im Vorfeld zur Citytagung am 29. Oktober veranstaltet von RegioPlan ziehen die Experten Bilanz.

Ist das Internet an den zunehmenden Leerständen der Innenstadtflächen Schuld? 

DI Wolfgang Richter, Geschäftsführer der RegioPlan: „Während wir bei den Top-Geschäftsstraßen noch kaum über längere Zeit Leerstände sehen, ist die Situation in kleineren Städten oder generell in schwächeren Handelszonen mit Leerstandsquoten von 15 % oder mehr oft dramatisch. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller und es besteht dringend Handlungsbedarf!“ Aber auch die großen Innenstadt-Lagen haben zu kämpfen: Innerstädtische Handelszonen mit bis zu 25 % und mehr Leerständen sind keine Seltenheit mehr. Aktuell sind etwa Wiener Neustadt, Villach, St. Veit an der Glan, Liezen, Bruck an der Leitha sowie viele andere in einer schwierigen Lage. Nur mehr die aller- besten Einkaufsstraßen und Stadtzentren haben keine Probleme, aber auch hier stei- gen die Leerstandsquoten. Aktuell liegen sie bei 5 % - Tendenz steigend.

Studien sagen, dass fast 13 % der Konsumausgaben online ausgegeben werden. Gäbe es nicht den stationär steilen Lebensmittelhandel und Drogeriehandel, dann lägen wir sogar bei 18%. In dem für die Geschäftszonen so wichtigen Fashion-Bereich werden fast 25 % der Ausgaben Online getätigt. Jener Umsatz geht den Geschäften in den Innenstädten, den Geschäftsstraßen sowie Shopping Centern und den Nahversorgungszonen verloren, was die Bewirtschaftung dieser oft sehr teuren Flächen kaum mehr rentabel macht.

All diese Trends bremsen nicht nur die Entwicklung der Verkaufsflächen, sondern auch die Expansionsfreude der Händler. Vor Jahren hat man noch um den besten Standort gestritten, heute ist das Interesse daran verpufft. 

Aber es sind nicht nur die Onlineeinkäufe, die die Expansionslust der stationären Händler dramatisch bremsen, sondern auch die zahlreichen anderen elektronischen Services. Es ist nicht mehr notwendig, wegen Bankgeschäften, Behördenwegen, Reisebuchungen, Apotheken, etc. in die Stadt zu kommen. Das alles spiegelt sich in den Frequenzzahlen wider. Wenn die Menschen nicht mehr kommen müssen um einzukaufen beziehungsweise zu ihrer Ware zu gelangen, werden viele dies einfach nicht mehr machen. Nur wenn es andere Gründe gibt die Stadt zu besuchen, dann werden diese auch genutzt. Dazu zählen: Gastronomie, Kultur, Neues erleben, Sachen ausprobieren, Events, Kommunikation, Freunde treffen, Freizeitangebote. Wer sich hier gut positioniert, dem kann auch "Alexa" nichts anhaben.

Veröffentlicht am

28.08.2019