PROPAK Obmann Georg-Dieter Fischer

PROPAK: Mehr als einfach Verpackung

Die Betriebe der PROPAK haben ein turbulentes Jahr hinter sich, das sie gut meisterten. Aber die Herausforderungen gehen weiter.

PROPAK Obmann Georg-Dieter Fischer bringt es auf den Punkt: „Die 85 Unternehmen, die unter dem PROPAK Dach stehen, bieten Papierprodukte per se. Was sie aber wirklich ausmacht, ist das Service und die Nachhaltigkeit“. Denn: Als Kunde bekommt man nicht einfach eine Verpackung, man bekommt die Betreuung, welche Verpackung die richtige ist: für den Kunden, das Produkt, die Abnehmer.

Rückblick 2020

Das letzte Jahr war für die PROPAK herausfordernd, denn eCommerce erhielt eine Riesen-Schub und der Großteil der versendeten Waren wurden in Wellpappe oder Karton verpackt. „Hier wird heute viel mehr verlangt, als ein reines Transportmedium. Kunden erwarten ein ganzheitliches Erlebnis – von der Bestellung bis zum Auspacken – und fordern nachhaltige, einfach konzipierte und optisch ansprechende Verpackungen. Da sind wir als Hersteller besonders gefordert!“, so Fischer.

Während die Wirtschaft 2020 in Österreich aufgrund von COVID-19 einen massiven Einbruch (minus 6,6 %) erlitt, lag die PROPAK Industrie deutlich über dem BIP. „Mit einem leichten Minus von -0,2 % beim Wert (2,4 Mrd. Euro) beziehungsweise +1,6 % bei der Menge (1,2 Mio Tonnen) steuerte die PROPAK Branche robust durch das erste Pandemie-Jahr,“ sagt PROPAK Obmann Georg-Dieter Fischer.

Hohe Exportquote

Mit 78 % war auch der Export wieder verantwortlich für die PROPAK-Konjunktur. PROPAK Unternehmen erwirtschaften drei von vier Euro im Ausland. Insgesamt hat die Branche 792.000 Tonnen (+0,3%) an Produkten aus Papier und Karton im Wert von 1,85 Mrd. Euro (-2,1%) exportiert. Dem stand eine Importmenge von 546.000 Tonnen (-3,0%) im Wert von 1,24 Mrd. Euro (-7,7%) gegenüber. Die stabile wirtschaftliche Entwicklung in der PROPAK Branche resultierte in einer ebensolchen Beschäftigungslage. Der Personalstand ging bedingt durch die Stabilität der Branche nur geringfügig auf 8710 Beschäftigte zurück (-1,6%). Auf Kurzarbeit musste quer über die Branche nur vereinzelt zurückgegriffen werden.

Sorge um Abfallwirtschaftsgesetz

„Der Anteil an Recyclingmaterial liegt durchschnittlich bei 75 %, die Recyclingquote von Verpackungen aus Papier und Karton in Österreich sogar bei 90 % und damit bereits heute klar über dem EU-Ziel von 75 % bis zum Jahr 2025. Im Funktionieren der Sammlung von Altpapier liegt damit aber auch ein Schlüssel zur Versorgungssicherheit“, so Andreas Blaschke, Vorstand Mayr-Melnhof Packaging International.

Die Rohstoff-Knappheit stellt die Branche vor Herausforderungen. Trotz teils signifikanter Lieferverzögerungen und einiger Lieferausfälle ist die Versorgung von Kunden und Letztverbrauchern gesichert.
Die Branche blickt jedoch mit Sorge auf die kommende Novelle des Abfall-wirtschaftsgesetzes (AWG). „Neben einem massiven Bürokratieaufbau drohen hier gewaltige Eingriffe in Grundfreiheiten, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Konsumenten,“ warnt Blaschke. „Besonders besorgniserregend sind unreflektierte Förderungen von Mehrweg zu Lasten unserer Kreislaufverpackungen.“ Allen Studien zum Trotz, die zweifelsfrei belegen, dass es hier keine eindeutigen Vorteile für ein System gibt, wollen das Klimaschutzministerium und seine Ratgeber bis zu Preiseingriffen gehen, um die Mehrwegideologie zu pushen. Und Blaschke appelliert: „Papierfasern können bis zu 25-mal rezykliert werden, das kann man durchaus als Mehrweg auf Materialebene sehen. Wir fordern den Gesetzgeber auf, den unverständlichen einseitigen Zugang in der zum Kreislaufwirtschaftspaket gehörigen Novellen zu überdenken und nicht eine Kreislaufwirtschaft zu diskriminieren!“

Ausblick

Die Wachstumsaussichten von IWF und Europäischer Kommission für 2021 (3,5%) und 2022 (über 4%) haben sich zuletzt überraschend deutlich verbessert. Das sind auch gute Vorzeichen für die PROPAK-Branche. Es gibt allerdings einen Wermutstropfen: die Rohstoffpreise. Eine Entspannung der Preise auf dem Weltmarkt ist nicht wirklich in Sicht: Zuletzt sind die Holzpreise überdurchschnittlich gestiegen, aber auch die Primär- und Sekundärfaser wird teurer, ebenso wie Stahl, besondere Erden, chemische Erzeugnisse und nicht zu vergessen der Transport.

Veröffentlicht am

02.06.2021