Bettina Vogler-Trinkfass, Country Managerin P&G Österreich

"Österreich hat hohen Stellenwert"

Wie sieht der internationale Konzern Procter&Gamble die Bedeutung des österreichischen Marktes. Die Country Managerin weißt eine Antwort.

Bettina Vogler-Trinkfass übernahm mit Jänner 2017 die Geschäftsleitung der Procter & Gamble Austria, Zweigniederlassung der Procter & Gamble GmbH in Wien. Bei Procter & Gamble startete die Oberösterreicherin bereits 1998 - sie kennt das Unternehmen aus vielen Sichtweisen. retailreport.at gab Sie ein Interview zum Thema regionaler Markt, Nachhaltigkeit und einiges mehr.

Österreich als kleiner mitteleuropäischer Markt: Welche Bedeutung hat er im P&G Konzern?

Bettina Vogler-Trinkfass: Österreich ist Teil der DACH-Region, einer der wichtigsten Regionen die für P&G weltweit. Österreich hat somit einen hohen Stellenwert. Innerhalb von DACH hat sich Österreich als Pilot- und Lernmarkt etabliert, das bedeutet, dass Gelerntes gut nach Deutschland skalierbar ist. Von P&G entwickelte Innovationen kommen somit schnell nach Österreich.

Mit lokalen Initiativen bringen wir uns gut in die Gesellschaft ein und können vieles bewegen – das ist uns extrem wichtig. Ein Beispiel ist unsere sehr erfolgreiche Kooperation mit Bipa, unserem größten Handelspartner, und der Caritas. Für die Mutter-Kind Häuser der Caritas konnten wir bereits 2018, gemeinsam mit Bipa, 100.000 Euro an Spenden lukrieren. 2019 haben wir im Rahmen der Caritas-Initiative #wirtun im Mai, ebenfalls mit Bipa, über 110.000 Euro an Spenden generiert und können somit über 3.500 Schlafplätze in den österreichischen Mutter-Kind-Häusern ermöglichen.

Welche Bereiche entwickeln sich gut, wo ist der Markt heute schon sehr gesättigt?

Bettina Vogler-Trinkfass: Unsere Innovationen, allen voran unseren neuen Ariel All-in-1 Pods, sind unsere wichtigsten Wachstumstreiber. Mit den Ariel und Lenor Pods haben wir die gesamte Kategorie nach vorne entwickelt und zusätzliche Wertschöpfung in den Markt gebracht. Die Zukunft bei Waschmitteln liegt in den Pods – sie sind bequem in der Anwendung und durch ihre dichte Wirkkonzentration eine sehr nachhaltige Form des Waschens.

Die Kategorie Rasur haben wir in diesem Jahr ebenso revolutioniert. Bisher gab es am Markt kein zufriedenstellendes Angebot für Männer mit sensibler Haut. Mit dem neuen Gillette SkinGuard Sensitive Rasierer haben wir deshalb die Nassrasur noch einmal neu erfunden. Der Rasierer verfügt über ein Schutzelement zwischen den beiden Klingen, den SkinGuard. Dieser glättet die Haut und reduziert den Druck. Das Ergebnis ist eine gründliche Nassrasur ohne oder mit deutlich weniger Hautirritationen.

Wie schafft man in einem gesättigten Markt trotzdem Umsatzsteigerungen im Non Food-Bereich, der ja auch noch mehr als der Food-Bereich den Online-Handel bedienen muss?

Bettina Vogler-Trinkfass: Die wichtigste Frage, die wir uns bei jeder Innovation stellen, ist: „Welchen Mehrwert hat der Konsument von diesem Produkt oder dieser Kooperation?“ Gelingt es uns das richtige Produkt zur richtigen Zeit in hoher Qualität überall dort verfügbar zu machen, wo Konsumenten es suchen, sind wir erfolgreich.

Welche Kennzahlen von P&G dürfen und können Sie bekanntgeben?

Bettina Vogler-Trinkfass: Bezüglich der Kennzahlen, P&G veröffentlicht seine Zahlen im jährlichen Geschäftsbericht. Zahlen für den österreichischen Markt weisen wir nicht einzeln aus.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel heute und bedienen Sie auch den Online-Handel?

Bettina Vogler-Trinkfass: Den überwiegenden Teil der Umsätze tätigen wir unverändert im stationären Handel – gerade in Österreich, mit seiner extrem hohen Dichte an Supermärkten und Drogerien, ist es für den Konsumenten in der Regel sehr einfach, sämtliche Güter des täglichen Bedarfs überall und während der normalen Geschäftszeiten zu erwerben. Zusammen mit den Händlern in Österreich arbeiten wir daran, dass die vom Konsumenten nachgefragten Produkte aus unserem Sortiment überall und in attraktiver Art und Weise verfügbar sind. Sehr erfolgreich laufen am POS unsere Test-Stationen für Nassrasierer und für die elektrische Mundpflege, wo die Produktbenefits für den Konsumenten buchstäblich greifbar sind. Insbesondere Bipa hat die Testereinheiten in einer sehr hochwertigen Anmutung toll umgesetzt und wir sind österreichweit in jedem Bipa mit Testereinheiten als Kategorielösung vertreten. Die Testereinheiten für die elektrische Mundpflege sind bei vielen führenden Händlern österreichweit umgesetzt. Der Einsatz von Testereinheiten war ein Paradigmenwechsel für den Händler, der immerhin Regalfläche dafür zur Verfügung stellen muss.

Beim Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs ist häufig Convenience ein entscheidender Faktor für die Wahl der Einkaufsstätte. Deshalb ist es uns wichtig, Trends frühzeitig zu erkennen und auch den Online Handel professionell zu bedienen. Shopper sind etwa bei Windeln tendenziell online-affiner als beispielsweise bei Zahncreme oder Haarshampoo. Der Konsument spart sich das Schleppen der großvolumigen Verpackungen und kann mit online Abo-Modellen seine regelmäßige Bevorratung sehr bequem organisieren. Neben Windeln wächst das Online-Geschäft auch bei elektrischer Zahnpflege und elektrischer Rasur sowie Nassrasur deutlich. Wir haben deshalb zum Beispiel für Rasierklingen eine kleine Verpackung entwickelt, die daheim in den normalen Postkasten geliefert werden kann und damit dem Konsumenten das Abholen der Lieferung an der Post oder Paketstation erspart. 

Last but not least: Nachhaltigkeit und Plastik: welche Maßnahmen setzt P&G hier (Mikroplastik in Produkten, Plastikflaschen, etc.)

Bettina Vogler-Trinkfass: P&G hat sich mit der Agenda 2030 ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Diese betreffen alle Bereiche unserer Wertschöpfungskette: von der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb unserer Produkte, über den Gebrauch bis zur Entsorgung von Verpackungen. 

Ein Beispiel sind die Ariel Pods. Das Waschmittel ist das kompakteste Ariel Flüssigwaschmittel, wodurch wir mehr Waschladungen auf einen Lkw laden können und somit weniger Lkw-Kilometer fahren müssen. 

Ein weiteres Beispiel sind unsere Verpackungen: Bis 2030 werden all unsere Verpackungen recyclebar oder wiederverwendbar sein. Viele sind es heute schon. Parallel arbeiten wir daran immer mehr wiederverwendeten Kunststoff, sogenanntes Rezyklat, einzusetzen. Im vergangenen Jahr waren es weltweit schon mehr als 38.000 Tonnen.

Im Rahmen der Optimierung seiner Lieferkette wird P&G bis 2030 zudem die Wassereffizienz an seinen weltweiten Standorten um 35 % steigern und mindestens 5 Milliarden Liter Wasser aus Aufbereitung und geschlossenen Wasserkreisläufen nutzen. Die Produktionsstätten werden ihre Treibhausgasemissionen halbieren und so viel Strom aus erneuerbaren Quellen beziehen, dass davon alle unsere Werke betrieben werden können.

I Ö I

Veröffentlicht am

26.08.2019