Margot Königshofer

Die Königsidee der Margot Königshofer

Margot Königshofer ist ein Profi der Branche. Sie gründete Procfit, das b2b-Einkaufsnetz für Startups, Händler und Markenartikler.

von Dr. Hanspeter Madlberger

Als „Familienunternehmen des Tages“, das  Startups auf die Erfolgsspur  lenkt, stellte kürzlich das angesehene deutsche Handelsblatt die Firma Procfit der 36jährigen Steirerin Margot Königshofer vor. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit war Königshofer, die ihren Mastertitel an der Karl Franzens Uni in Graz erwarb,  Einkaufsmanagerin bei Spar in Salzburg und danach bei Nestlé in Frankfurt und Wien. Jenen Startups und Handelsunternehmen, die eine tolle Produktidee, aber noch keinen dafür passenden Produzenten haben, bietet Procfit mit der „Fabrik für Jedermann“ eine global aufgestellte Sourcing-Plattform. Und checkt darüber hinaus die Erfolgschancen von Innovationen, die sich Startups ausdachten.

Upstream-Beratung

Startups und Consultingfirmen, die sich ihrerseits um Startups kümmern, gibt es mittlerweile in der digital gepowerten Konsumgüterwirtschaft wie Sand am Meer. Was Königshofers Firmenidee, vor drei  Jahren aus der Taufe gehoben, von der Masse der Newcomer abhebt, ist die Blickrichtung: Im Rahmen der Lieferkette legt Procfit den Fokus auf Beschaffung und nicht auf Absatz. Nicht downstream-, sondern  upstream-Beratung, lautet die Devise. Gegen den Strom zu schwimmen, ist solcherart das Erfolgsrezept der sympathisch-bodenständigen Jungunternehmerin und zweifachen Mutter, die übrigens mit dem ex-Radrennfahrer Roland Königshofer nicht verwandt ist. 

Spektakuläre Erfolge veranschaulichen, wie das Procfit-Konzept funktioniert. Das Münchener Startup-Unternehmen Bravaria suchte einen Hersteller von Büstenhaltern, die asymmetrischen Brüsten durch unterschiedliche Körbchengrößen Rechnung tragen. Binnen weniger Monate machte Königshofer einen Produzenten ausfindig, der diese Spezialanfertigung zuverlässig, in hoher Qualität und zu fairen Preisen anbietet. Anderes Beispiel: Die  Firma Badala in Wien hatte die originelle Idee, Kartons durch aufklebbare Sticker in Spielzeug umzuwandeln. Mehrwertschöpfendes Recycling vom Feinsten. Procfit leistete professionelle Hilfe beim Aufbau einer Sticker-Beschaffungs-Lieferkette. Ein genaues Briefing der Lieferanten ist im Procfit-Service inbegriffen. 

Die  von der „Fabrik für Jedermann“ organisierte Lieferantensuche hat sich binnen kürzester Zeit zu einem  Global Sourcing-Projekt entwickelt. Königshofer: „Mittlerweile haben wir 70.000 Lieferanten aus aller Welt auf unserem Radar“. Ein weiterer USP ihrer Firma: Das digitale Einkaufsnetz macht Tempo bei der Umsetzung. “Maximal acht Wochen nach Auftragserteilung machen wir für unsere Kunden geeignete Lieferanten inklusive Preisliste und Lieferplan namhaft.“ Besonders willkommen sind österreichische Spezialitäten-Produzenten jeglicher Größenordnung. Königshofers Spezialfach ist unter anderem ein Ressourcenpool von Stoffen und Materialen für Modeartikel. “Da haben wir fast eine Alleinstellung“. 

Lotsenfunktion für Erschließung von Marktnischen

Amazon lehrt: Digitalisierung ist der Motor einer exorbitanten Individualisierung, was auf Produzentenseite das Entstehen zahlloser Marktnischen zur Folge hat. Damit „gleichgesinnte“ Hersteller und Distributeure zusammenfinden, leistet die „Fabrik für Jedermann“ eine nützliche Lotsenfunktion. Übrigens, das Handwerk der professionellen Erforschung von Marktnischen hat die clevere Margot K. bei Nestlé erlernt. Als „European Lead Buyer“ war sie in Frankfurt einige Jahre hindurch für den Einkauf von Gewürzen verantwortlich.  Und besetzte damit eine Schlüsselrolle im Match zwischen Maggi und Knorr.   

Dank Kloepfel-Connection präsent am deutschen Markt

Beachtung über die Grenzen unseres Landes hinaus fand Königshofers Startup durch die Kooperation mit der deutschen Mittelstands-Consultingfirma Kloepfel. Marc Kloepfel, Chef der  gleichnamigen Unternehmensgruppe hält 46% Anteile an Procfit, Königshofer besitzt 49%, das „Zünglein an der Waage“ ist mit 5% Anteil Thomas Wandler, ein Partner der Kloepfel-Gruppe. Laut Handelsblatt erzielte das Düsseldorfer Consultingunternehmen Kloepfel, das  kleinere und mittlere Unternehmen bei der Optimierung ihres Einkaufs berät, mit 250 Mitarbeitern einen Umsatz von 50 Millionen €.  Österreich-Partner ist das Procfit-Büro in Wien 20., Wagramerstraße, in einem Hochhaus gegenüber der UNO City. 

Immer häufiger werden die Procfit-Beschaffungsdienste von der Lebensmittelbranche in  Anspruch genommen. So stellte Kunde Edamama kürzlich auf der Anuga vier Sorten einer  veganen Bio-Pasta, samt dazugehörigen Saucen aus. Grundstoff sind biologische Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen). Das  Ausfindigmachen der entsprechenden agrarischen Produzenten, ist ein klarer Fall für Procfit. „Mittlerweile gibt es die ersten Listungen von Edamama-Sortimenten im Handel“ freut sich Königshofer.    

Liste der Partner reicht von Bahlsen bis Rewe

Die Kreation innovativer Lebensmittel, hochtrabend als Food Design bezeichnet, durch die Zusammenarbeit mit Startups zählt gleichermaßen zur Lieblingsbeschäftigung von Handelsmarken-Sortimentsmanagern und Markenartiklern aus der Industrie. Auch bei diesen Innovations-Expeditionen der  großen Player sind die Scouting-Dienste von Procfit gefragt. So arbeitet die Firma beim „Kitchen Town“ Projekt von Bahlsen mit, das seit Juli dieses Jahres in Berlin läuft. Dort können Startups ihre Rezepte für neue Lebensmittel und neue Gebäcksorten in einer Versuchsküche ausprobieren und verfeinern. Ebenfalls auf Königshofers Agenda ist die Zusammenarbeit mit  der heimischen Rewe beim  TV-Projekt  „Start up Ticket“, das im Rahmen der Puls 4-Sendung „Zwei Minuten, zwei Millionen“ läuft. 

Tipp für einen Erstkontakt: Über www.procfit.at/fabrikfuerjedermann können Startups und Interessierte  einen Fragebogen ausfüllen, mit dem sie Auskünfte über ihre Produktidee erhalten. Nächster Schritt ist eine von Procfit erstellte Potenzanalyse, die aufzeigt, wo die Chancen für eine erfolgreiche Markteinführung liegen. Endet diese Schnupperphase für beide Seiten positiv, wird daraus ein Business Case.

Veröffentlicht am

22.11.2019