Bio Markt in Österreich

Österreich, das Bio-Eigenmarkenland

Der Konsument sucht in Krisenzeiten nach Vertrautem – so bekamen biologische Produkte in der Corona-Zeit einen Boost.

Die AMA Marketing hat jüngst Zahlen veröffentlicht, die die Um- und Absatzsteigerung von Bio in Österreich darlegen: +14,4% in der Menge im ersten Halbjahr 2020 und +19,7% im Wert gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Gerti Grabmann, Obfrau von Bio-Austria: „Wir erleben nicht nur einen dynamischen Markt im Konsum der Bio-Produkte, sondern auch in der biologischen Landwirtschaft“. Das zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen des BMLRT. Derzeit wirtschaften 24.225 Höfe bzw. 22,1 % aller landwirtschaftlichen Betriebe nach den Kriterien der Bio-Landwirtschaft. Die Biobäuerinnen und Biobauern Österreichs bewirtschaften insgesamt 669.921 Hektar Land. Das ergibt einen Anteil von derzeit knapp mehr als 26 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Im Vergleich zum Jahr 2018 sind 2019 748 Bio-Betriebe neu hinzugekommen.

Trotzdem heisst es: Bewusstsein fördern, denn es werden zum einen noch immer viele biologische Rohstoffe importiert, weil wir in Österreich nicht autark produzieren (in Bio) und zum anderen gibt es Segmente, die noch starken Aufholbedarf haben. Wichtigste Einkaufsquelle für Bio-Lebensmittel ist der klassische Lebensmitteleinzelhandel, zwei Drittel der Bio-Produkte werden dort gekauft, ein Drittel im Diskont (wenn man den Lebensmittelhandel als gesamt sieht). 15% gehen über den Fachhandel oder direkt über den Bio-Bauern und rund 7% gehen über die Gastronomie. Noch gering fällt der Bio-Anteil bei Großküchen und Gemeinschaftsverpflegung aus. „Potenzial in der weiteren Absatz-Entwicklung sehen wir etwa im Bereich von Großküchen bzw. Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen, aber auch im Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels. Einerseits könnten in vielen Bio-Produkten Bio-Rohstoffe aus anderen EU-Ländern durch heimische Bio-Rohstoffe ersetzt werden. Andererseits nehmen Bio-Lebensmittel generell nach wie vor nur einen sehr geringen Teil des durchschnittlichen Supermarkt-Sortiments ein“, so Grabmann.

Zugeständnis gefordert

Dass dieser Anteil noch so gering ist, ist auch dem fehlenden Bekenntnis der Regierung geschuldet, so sehen das Branchenvertreter. „Der letzte Koalitionsvertrag sieht bereits eine Erhöhung des Bio-Anteils in Gemeinschaftsverpflegung und Großküchen in Österreich vor, allerdings, so KR Christof Kastner, Geschäftsführer der Kastner Gruppe, muss dazu auch die öffentliche Hand Budgets zur Verfügung stellen. „Die Politik wünscht sich eine Erhöhung des Bio-Anteils in der GGV, die Ausgaben dafür sind jedoch nicht gewährleistet“, meint Kastner.

In Österreich wird stark zwischen Bio-Landwirtschaft und konventioneller Landwirtschaft unterschieden. Bio ist jedoch nicht nur das immer das Produkt, von dem man spricht, sondern auch Boden und Struktur in Österreich. „Noch immer ist es so, dass bestimmte Rohstoffe in Bio-Qualität nach Österreich importiert werden müssen, weil wir hierzulande zu wenig produzieren. Dazu zählen bestimmte Ölsaaten, Weizen, Grieß, Dinkel, naturgemäß Südfrüchte, Gewürze und Kräuter. Autark sind wir - auch bei konventioneller Ware - nur bei Kartoffel, Rindfleisch und Milch“, so Kastner.

Österreich ist das Bio-Eigenmarkenland

Der Bio-Anteil in Österreich ist hoch, allerdings wird er stark von den Eigenmarken des Lebensmittelhandels getragen. Ziel sollte es sein, den Bio-Anteil auch außerhalb der Eigenmarkenwelt zu erhöhen. Um mehr Dynamik in das Bieterverfahren bei GGV in etwa zu bekommen, gibt es von seiten des Großhändlers Kastner folgende Vorschläge:

  1. Verbesserung des Ausschreibungsverfahrens: Wenn der Billigstbieter in einem Ausschreibungsverfahren billiger anbietet als die durchschnittliche Gewinnmarge des Handels (1%), dann wird sein Angebot als Dumping eingestuft und ausgeschieden.
  2. EU konform kann jeder Anbieter ein Angebot abgeben

 

Und es es sollte in der Vermarktung eine einzige einheitliche Plattform als Drehscheibe für bäuerliche Lebensmittelvermarktung geben. Diese Vermarktungsplattform für bäuerliche Produkte ist eventuell am besten in einem Online-Shop gelöst.
​​​​​​​Christof Kastner nennt ein Beispiel: „Alleine auf myproduct.at haben wir 8000 österreichische Produkte. Und dem österreichischen Marktplatz Shöpping.at liefern wir das „ö“, indem wir in Kürze 2000 Artikel aus bäuerlicher Manufaktur und Produktion anbieten“, so Kastner. Man sieht, dass es viel Luft nach oben gibt, allerdings muss die Politik ein klares Bekenntnis, auch budgetär, abgeben. Nur so kann der Anteil gesteigert werden.

Was wird gekauft?

Den höchsten Bio-Anteil im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel verbuchen die Sortimente Milch und Eier. Erdäpfel, Gemüse und Fruchtjoghurt liegen ebenfalls weit über dem Durchschnitt. Jedes zehnte Produkt in den Warengruppen Butter, Käse und Obst stammt aus biologischer Landwirtschaft. Unterdurchschnittlich fällt der Bio-Anteil bei Wurst und Schinken sowie Fleisch und Geflügel aus. Einzig bei Eiern gab es im ersten Halbjahr einen Rückgang beim Bio-Anteil, was allerdings der geringen Verfügbarkeit geschuldet war. "Im März und April war die Nachfrage nach Bio-Frischeiern im Lebensmitteleinzelhandel höher als sie die Legehennenhalter und Packstellen bedienen konnten", analysiert AMA Marketing-Geschäftsführer Dr. Michael Blass.

Ergänzend zu den Daten aus dem Haushaltspanel erhob die AMA Zahlen zum gesamten Bio-Markt. Darin sind alle Einkäufe im Lebensmittelhandel enthalten - also nicht nur Frischeprodukte - sowie Gastronomie, Direktvertrieb und Fachhandel. 2019 wurden in Österreich Bio-Lebensmittel im Gesamtwert von etwas mehr als 2 Mrd. Euro abgesetzt, das entspricht einem Plus von 6,7% gegenüber 2018. 

Bio-Aktionstage nur online

Die heurigen Bio-Aktionstage im September finden Corona-bedingt online statt. Drei Schwerpunkte sind geplant: eine Bio-Blogger-Tour, eine interaktive Rätselrallye auf bioinfo.at und eine Mitmachaktion für Volksschulen, die sich im Unterricht mit Bio beschäftigen.

H Ö

Veröffentlicht am

16.09.2020