Dr. Ulrike Detmers und Maik Detmers in der Produktion des Unternehmens Mestemacher

Mestemacher: Produzieren in Krisenzeiten

Der Gütersloher Brot- und Backwarenspezialist hatte in der Corona-Krise alle Hände voll zu tun. Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Ulrike Detmers, berichtet.

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen war in der Hoch-Zeit der Pandemie ein medialer Hotspot in Europa. Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück hatte aufgrund von zahlreichen Corona-Fällen im Unternehmen alle Blicke auf sich gerichtet. 
Nicht weit entfernt liegt Gütersloh, wo die Brot- und Backwarenfirma Mestemacher seit Jahrzehnten angesiedelt ist. Das Familienunternehmen hat mit seinen Produkten zur Versorgung der Bevölkerung beigetragen: Spezialbrote, Brote und Backwaren mit einer guten Haltbarkeit waren in Corona-Zeiten das Um und Auf. Die Einkaufsfrequenz sank deutlich und man deckte sich mit Lebensmitteln ein. Um die Versorgung aufrecht zu erhalten, musste die Produktion am Laufen bleiben. Dr. Ulrike Detmers, die Vorsitzende der Geschäftsführung und Sprecherin des Unternehmens erzählt es so:

"Der mehrwöchige Mehrschichtbetrieb inklusive Überstunden, verknüpft mit einer intelligenten Planung der Backprozesse, hat mit dazu beigetragen, dass die steigenden Bestellmengen größtenteils auch ausgeliefert werden konnten."

retailreport.at: Wie schafft man es als Unternehmer/Unternehmen in der Krise die Verfügbarkeit zu erhalten? 

Dr. Ulrike Detmers: Wir haben Sonderschichten etabliert, Mehrarbeit veranlasst und Neueinstellungen durchgeführt. Darüber hinaus wurden an die Mitarbeiter steuerfreie Corona-Prämien gezahlt: Mitarbeiter/-innen in Vollzeit erhielten einmalig 500 Euro, Mitarbeiter/-innen in Teilzeit erhielten diese Prämie anteilig. Auszubildende erhielten einmalig 150 Euro und geringfügig Beschäftigte erhielten einmalig 50 Euro.

Wie schafft man es, die Mitarbeiter zu schützen? 

Wir hatten Glück im Unglück. Ein Verwaltungsangestellter kam Anfang März aus dem Corona-Hotspot Ischgl vom Urlaub zurück. Er hatte sich mit dem Corona-Virus infiziert und wurde sofort aus dem Verkehr gezogen. Damit waren wir sensibilisiert für die Corona-Bedrohung. Umgehend haben wir veranlasst, dass Präventionsregeln zur Sicherheit unserer Belegschaft, unterteilt in Hygieneregeln, Besucherregeln, Konferenzregeln und Reiseregeln, ausgehängt wurden.
Darüber hinaus veröffentlichten wir die wichtigsten Hygienetipps des Bundesministeriums für Gesundheit.

Ihre Brote als systemrelevantes Produkt (Brot-abgepackt) war stets verfügbar? Wie geht das?

Die Brotspezialitäten von Mestemacher, immerhin über 40 Einzelprodukte, vereinen wirklich alle Eigenschaften, die Konsumenten in der Corona-Pandemie verlangen. Die Brotspezialitäten sind hygienisch verpackt, ubiquitär, ungeöffnet bis zu 180 Tage genussfrisch und dazu noch gesundheitsorientiert.

Das langjährige Supply-Chain-Netzwerk hat gehalten. Unsere Zutatenlieferanten und Rohstofflieferanten haben keine Lieferengpässe verursacht. Die Logistikleistungen haben auch weitestgehend 100 % erreicht.

Wie sieht die Situation in Gütersloh aus? Haben andere Unternehmen wie Mestemacher auch unter der Tönnies-Berichterstattung gelitten?

Tiefenentspannt. Auch während der kritischen Hochphase bei Tönnies war es bei uns weitestgehend ruhig. Wir haben keinesfalls negative Publicity einstecken müssen.

Produktion bei Mestemacher in Gütersloh
Produktion bei Mestemacher in Gütersloh

Veröffentlicht am

09.09.2020