Markant macht sich Gedanken über Circular Economy: DI Dr. Thomas Fischer, Geschäftsführer der WKO im Bereich Nachhaltigkeitsagenda und Referent der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik; Hon. Prof. Dr. Christoph Scharff, Vorstand der ARA; Mag. Thomas Zechner, Geschäftsführer Markant Österreich; Marcus Schweier, Geschäftsführer der AGU Beratungsgesellschaft für Umwelt- und Qualitätsmanagement und Mag. Ernst Krottendorfer, Geschäftsführer Packforce Austria und Lehrender der FH Campus Wien.

Markant: Herausforderung Kreislaufwirtschaft

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket oder Circular Economy Package (kurz CEP) soll bis Mitte 2020 und die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie bis Mitte 2021 in Österreich umge- setzt werden.

Am 11. März 2020 hat die Markant Österreich in ihrer Veranstaltungsreihe „Compliance im Handel“ ihre Mitglieder zum Thema Herausforderungen und mögliche Auswirkungen des EU-Kreislaufwirtschaftspakets auf EU- wie auch auf nationaler Ebene eingeladen.

Ziel dieser Veranstaltung war, die Geschäftsführungen der einzelnen Handelsunternehmen in diesem Themenbereich auf den letzten Wissensstand zu bringen. „Die aktuelle Diskussion über Einwegpfand bei Getränkeverpackungen, unterschiedlich dargestellte Recycling-Quoten, Sensibilisierungsaktivitäten Richtung Endverbraucher, Littering-Kosten und Circular Packaging haben uns dazu bewegt, mit einer hochkarätigen Expertenrunde diese Themenfelder fachlich strukturiert aufzuarbeiten.“ stellt Mag. Thomas Zechner, Geschäftsführer der Markant Österreich den Hintergrund dieser Veranstaltung dar.

Im Konkreten wurden folgende Themenbereiche von den Referenten ausführlich dargestellt und die daraus abzuleitenden Maßnahmen für den österr. Handel diskutiert:

Das EU Kreislaufwirtschaftspaket (Circular Economy Package, kurz CEP) ist mit 4. Juli 2018 als Richtlinie in Kraft getreten und sollte mit Sommer 2020 spätestens in nationale Gesetzgebung übergeleitet sein. CEP sieht vor, dass Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025 zu zumindest 77% und bis zum Jahr 2029 zu zumindest 90% getrennt gesammelt und recycelt werden müssen.

Die Single-Use Plastics (SUP) Directive ist am 2. Juli 2019 in Kraft getreten und muss bis zum Sommer 2021 in nationales Recht übergeführt werden. In dieser Richtlinie ist grundsätzlich klar definiert welche Produkte davon betroffen sind. Thomas Zechner stellt fest, dass „der freiwillige Verzicht auf das „Plastiksackerl“ im österr. Lebensmitteleinzelhandel in dieser Richtlinie eigentlich nicht vorgesehen ist. Darin kann man schon ersehen, dass der Handel sein Engagement für die Plastikreduktion sehr ernst nimmt."

Das Umweltministerium stellte im Jänner 2020 eine Studie über die Möglichkeiten zur Umsetzung dieser EU-Vorgaben betreffend Getränkegebinde, Systeme und Mehrweg vor. Die Ergebnisse dieser Studie werden im Rahmen eines Runden-Tisches mit Frau Bundesministerin Leonore Gewessler, BA und den Vertretern des österr. Handels am 27. März 2020 be- sprochen.

Wünsche der Markant Österreich Mitglieder

An vorderster Stelle steht der Wunsch, die ausstehenden nationalen Gesetzgebungen auf Basis der EU-Richtlinien so rasch wie möglich umgesetzt zu sehen. Hier ist klar zu unterstreichen, dass der Handel von einem Einwegpfand auf Getränkeverpackungen mit erheblichen Kosten konfrontiert wäre. Darüber hinaus sind die Markant-Mitglieder nach den Ausführungen der Experten überzeugt, dass es besser Ansätze gibt die Recycling-Quote im Bereich Plastik zu steigern bzw. Plastikverbrauch zu reduzieren.

Die Abstimmung zwischen dem Handel und der Industrie im Rahmen der ECR-Österreich-Initiative und die darüber hinaus gehende Abstimmung mit deutschen Initiativen wird als sehr wichtiger Punkt in der Umsetzung des EU-Kreislaufwirtschaftspakets gesehen.

ARA zum Aktionsplan

Die Altstoff Recycling Austria (ARA) begrüßt den  am 11. März 2020 präsentierten Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft der Europäischen Kommission.

„Wir brauchen die Rohstoffwende als notwendige Ergänzung zur Energiewende. Das hat die Europäische Kommission erkannt,“ kommentiert ARA-Vorstand Christoph Scharff die Veröffentlichung der EU-Kommission und meint weiter: „Vom Übergang von der linearen zur Kreislaufwirtschaft ist jede Branche und jeder Konsument betroffen. Wichtig sind jetzt Innovationen und Investitionen an den richtigen Schwerpunkten. Der Circularity Gap Report Austria, die weltweit erste Untersuchung der Zirkularität einer Volkswirtschaft im Auftrag der ARA hat gezeigt, wo diese Schwerpunkte liegen sollten: Ersatz von fossilen Energieträgern, Nutzung des anthropogenen Lagers in Gebäuden und Infrastruktur und vehementer Ausbau des Recyclings.“ Scharff appelliert: „Wir begrüßen diesen Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft und sehen es als unsere Verantwortung, unseren Beitrag zur Umsetzung zu leisten. Unser Aufruf an die Österreicherinnen und Österreicher lautet daher: Wir wollen jede Verpackung zurück fürs Recycling.“

Circular Design als „Gamechanger“

Zentraler Bestandteil des Aktionsplans sind Maßnahmen zur Art und Weise, wie Produkte hergestellt und wie sie angepasst werden können, um Wiederverwendung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit zu optimieren. Der EU-Plan will damit sicherstellen, dass Ressourcen so lange wie möglich im Kreislauf bleiben, und damit den Wirtschaftsstandort Europa, Beschäftigung und die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft stärken. „Die Maßnahmen des Aktionsplans rund um die nachhaltige Produktgestaltung haben wir bereits in unser Leistungsangebot aufgenommen: Mit ARA Circular Design unterstützen wir heimische Unternehmen dabei, „Design for Recycling“ und „Design from Recycling“ für ihre Produkte und Verpackungen umzusetzen – das sind Lösungen, die wesentlich dazu beitragen, die EU-Ziele zu erreichen. Circular Design ist ein unabdingbarer Gamechanger.“

Veröffentlicht am

13.03.2020