Dr. Andreas Nentwich, Geschäftsführer Maresi, im Interview mit retailreport.at: Yogi Tea gehört zu den Gewinnern.

Vom Auf und Ab der Marken

Maresi Geschäftsführer Dr. Andreas Nentwich hat es zurzeit nicht leicht mit seiner Markenschar: Manche eilen umsatztechnisch davon wie der Blitz und manche werden von Corona-Lockdowns abgestraft.

So schnell kann es gehen und die Beliebtheit und Bedeutung einer Marke ändert sich in gefühlten Sekunden: „Inzersdorfer ist unsere „Brand of the Year“. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben sich die Produkte ausnahmslos stark verkauft und auch im zweiten Lockdown sind wir richtig gut mit Inzersdorfer unterwegs“, blickt Maresi-Geschäftsführer Dr. Andreas Nentwich zurück auf das, was Corona für die Marken bewirkt hat. Für Inzersdorfer lagen die Gründe klar auf der Hand: Nach der ersten Angst und dem Eindecken mit haltbaren Lebensmitteln reagierten die Österreicher auf die Gastro-Schließungen und konsumierten abermals mehr zu Hause. Dazu kam Home-Schooling und Home-Office: zweimal am Tag sollte ein Essen auf den Tisch kommen.

Kochlösungen boomen

In diesem Zusammenhang waren es nicht nur die Produkte von Inzersdorfer, über deren besonderen USP wir gleich noch mehr lesen werden, sondern auch jene von Santa Maria und Shan Shi. „Beide Marken bieten Kochlösungen, die dem Verbraucher die Zubereitung einer feinen Mahlzeit in rascher Zeit ermöglichen. Wir bieten für unsere Produkte auch passende, gelingsichere Rezepte“, so Nentwich.
Das Erfolgsrezept der Stunde lautet „Convenience“ und gilt für Fertiggerichte ebenso wie für modulares Kochen, vorausgesetzt die Qualität stimmt. Gerade bei Inzersdorfer hat Maresi gezeigt, dass die Marke auch ins Premiumsegment vordringen kann. „Mit Pure Beef haben wir eine neue Linie mit 100 Prozent Rindfleisch aus Österreich entwickelt, die sich durch den hohen und hochwertigen Fleischgehalt auszeichnet“, meint Andreas Nentwich.

Das richtige Maß an Werbung

Eine weitere Zutat zum Erfolgsrezept ist das richtige Maß an Werbung: „Unseren Qualitätsanspruch haben wir den Österreichern, trotz Lockdown im ersten Halbjahr, mit einer impactstarken Plakat- und Print-Kampagne kommuniziert. So konnten wir für unsere Pure Beef Sugi in den Sorten Bolognese, Arrabiata und Parmigiana viele Probierkäufer gewinnen, die dank der Topqualität zu Stammverwendern wurden“, freut sich der Markenartikler über die Erschließung eines neuen Segments mit hohen Beliebtheitswerten. Nach wie vor sind Spaghetti nach dem Wiener Schnitzel das beliebteste Gericht in den heimischen Haushalten.

Inzersdorfer als universelle Dachmarke

Auch A.C. Nielsen hat den Höhenflug der Inzersdorfer Fertiggerichte bestätigt: Vor dem ersten Lockdown bereits mit einem Umsatzanteil von 55 Prozent in der Kategorie Fertiggerichte nass ausgestattet, erreichte die Traditionsmarke danach gar ein All-time-High von 59 Prozent. „Der Lockdown brachte eine unverhoffte Reaktivierung der Marke. Mit den damit einhergehenden Hamsterkäufen gelang es, neue Konsumenten zu erreichen, die von der Qualität durchaus angetan waren. Zusätzliche werbliche Akzente, wie die Teilnahme an der Markenartikel-Kampagne und die besagte Pure Beef Kampagne haben die Marke punktgenau ins rechte Licht gerückt und zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen“, so Nentwich.

An diese Erfolge möchte man nahtlos anschließen, denn Inzersdorfer hat noch viel mehr zu bieten, wie z.B. die heuer gelaunchten Soup Bowls, die einen internationalen Trend aufgreifen und sich primär an eine junge Zielgruppe mit Vorliebe für veganes Bio-Essen wenden. Nentwich: „Inzersdorfer ist eine sehr universelle Dachmarke. Wir bedienen viele Zielgruppen mit unterschiedlichsten Konzepten. Die berechtigte Frage lautet daher: Wie weit lässt sich die Marke dehnen, ohne ihre Positionierung zu verwässern?“ Dies beschäftigt aktuell nicht nur Maresi. Im Rahmen eines Seminars am Institut für Handel und Marketing an der Wirtschaftsuniversität Wien beleuchtet eine Studentengruppe unter der Leitung von Dr. Cordula Cerha die aktuelle Positionierung von Inzersdorfer und erarbeitet im WS 2020/21 neue Vermarktungskonzepte.

Weitere Top-Seller

Zwei Marken, die sich ebenfalls sehr gut entwickelt haben, sind Twinings Tea (Marktführer bei Grün- und Schwarztee) und Yogi Tea, ein Tee-Konzept mit Sinn und Nachhaltigkeit. Zweitere ist seit Juni 2020 im Sortiment und hebt regelrecht ab. „Die Betreuung der Großfläche durch unseren Außendienst sowie Neulistungen und zusätzliche Promotions bringen der Marke heuer ein sattes zweistelliges Wachstum“, ist Nentwich stolz.

Des einen Freud, des anderen Leid

Inzersdorfer lebt davon, dass die Leute aktuell weniger einkaufen gehen. Ganz anders ist es bei Knabbernossi. Nentwich: „Impulsprodukte und Produkte zum Sofortverzehr leiden natürlich unter der aktuellen Corona Situation.“ Dementsprechend verzeichnete die Marke Rückgänge bei den Einzel- und Duopacks. Auch typische Outdoor-Marken wie Isostar und Dextro Energy litten unter der Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Bei Maresi Eiskaffee musste gar die ganze OOH Kampagne gestrichen werden. „Sobald der Schul- und Freizeitbetrieb wieder voll aufgenommen wird, ziehen auch die Impulspackungen wieder an. Es spricht für eine Top-Marke, dass langfristig die Konsumentenloyalität bestehen bleibt“, gibt sich Nentwich zuversichtlich.

Strategie für die Zukunft

Was in den CEE Tochtergesellschaften bereits die wichtigste strategische Säule bildet, wird für Maresi auch in Österreich stärker in den Fokus rücken, nämlich die Distribution von Partnermarken. Nentwich: „Wir bieten jeder FMCG-Marke eine vollwertige Länderorganisation.“ Neben der üblichen Vertriebsdienstleistung, die eine volle Außendienstbetreuung am POS ebenso inkludiert, wie die Belieferung einzelner Märkte, hat Maresi ein eigenes Marketingteam für Partnermarken und ein Team für Qualitätssicherung, das von der Prüfung der Verkehrsfähigkeit über das Konsumenten-Service bis zu Rückhol-Aktionen alles organisiert. In der Supply Chain, die Logistik für Trocken-, Kühl- und Tiefkühl-Sortimente managt, werden als Dienstleistungsbausteine auch das Packen von Displays und Promotion-Ware angeboten, um den POS bestmöglich auszustatten. Stichwort POS: „Unsere Außendienst-Mannschaft war heuer das gesamte Jahr durch alle Lockdown-Phasen nonstop unterwegs. Das ist eine Betreuungsqualität, die der Handel ebenso schätzt wie unsere Markenpartner“, zeigt sich Nentwich zufrieden und verweist abschließend auf den Status „zertifizierter Foodbroker“. Im jährlich durchgeführten Audit erhielt Maresi heuer Bestnoten und zeigt sich so bestens gerüstet für die Aufnahme neuer Partnermarken.

Veröffentlicht am

18.12.2020