Lobby der Mitte

Ein Zeichen für den Mittelstand

Noch immer sind KMU in Österreichs die tragende Kraft. Eine Lobby setzt auf mehr Sichtbarkeit.

Dass die Regierung nun gekippt ist, finden die Vertreter der "Lobby der Mitte" - allen voran ihr Gründer Wolfgang Lusak, nicht gerade förderlich für die Entwicklung des Mittelstandes in Österreich. Dadurch entsteht Stillstand in der Weiterentwicklung. Lobby der Mitte-Vorsitzender Wolfgang Lusak belegt das mit neuen Umfragen und Strategien sowie dem neuen Buch "Best of Mittelstand".

Lobby der Mitte-Vorsitzender Wolfgang Lusak forderte den Mittelstand auf „jetzt aufzustehen, sich besser darzustellen und noch intensiver zu kooperieren“, denn nur mit „selbst gegründeten Lobbys“ könne er seine Ideen, Innovationen und Interessen gegenüber „spaltenden Ideologien, gierigen Konzernen und alten Seilschaften“ durchsetzen und nachhaltigen Wohlstand für alle sichern. Als Starthilfe dafür legte er das Buch „Best of Mittelstand“ mit 70 Erfolgs-Interviews hervorragender KMU und Selbständiger vor.

Für Wolfgang Lusak ist es „grotesk, dass der Mittelstand als wichtigster Innovator, Steuerzahler und Arbeitgeber Österreichs bis vor kurzem so sehr vernachlässigt wurde.“ Dabei sei er der Einzige, „der uns nachhaltigen Wohlstand statt Abhängigkeit von überbordender Konzernmacht bietet“. 

Viele prominente und erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen diese Initiative und Plattform. So forderte Winzer und Investor Leo Hillinger – der beim Event auch als Mittelstandshero geehrt wurde - verstärkte Entbürokratisierung und bei Prüfungen durch Behörden das tatsächliche „Beraten statt Strafen-Prinzip". Er meint, dass der Mittelstand “viel mehr gehört werden müsse“.

Friedrich Riess vom Geschirr-Erzeuger Riess-Kelomat sagt: „Wir KMU stehen im internationalen Vergleich mit den höchsten Kosten da und benötigen daher mehr politische Wertschätzung und Unterstützung statt ständig mit neuen Auflagen geprügelt zu werden.”

Geschäftsreise-Büro-Unternehmerin Christiane Tondolo von BTU meint “Unsere größte Herausforderung ist es, gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter zu finden, um gegen die globale Konkurrenz bestehen zu können. Ich begrüße das neue Arbeitszeitgesetz, wünsche mir eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie einen Bildungssektor mit Fokus auf die Anforderungen der Digitalisierung.”

Der auch als Mittelstandshero geehrte Einkaufszentrum-Chef Richard Lugner findet, dass viele Unternehmen „von den internationalen Ketten an die Wand gedrängt werden und ein starker Mittelstand das einzige Bollwerk dagegen darstellt“. Und er verweist darauf, dass Österreich “das einzige Land in Europa ist, wo es keine Sonntagsöffnung gibt.” Gerade im Wochenendtourismusziel Wien sei, so Lugner, eine teilweise Freigabe dringend notwendig, “da Touristen neben Stadtbesichtigungen auch gerne einkaufen”. Derzeit verlöre der stationäre Handel sehr viel an den 24-Stunden erreichbaren Onlinehandel.

Mittelstand selbst schuld?

Die bedenkenlose Ausbeutung des Mittelstandes hat die Zurückdrängung von Nahversorgung, Nachhaltigkeit und regionaler Qualität erst möglich gemacht. Schuld daran sei der Mittelstand auch selbst, weil sich viele seiner Betriebe aus mangelnder Solidarität, unbeholfener Gleichgültigkeit und echter Ohnmacht nicht wirklich zur Wehr setzten. Aber der Mittelstand wäre auch ein unermüdliches „Stehaufmanderl“, meint Lusak: „Die Betriebe entdecken immer wieder neue Möglichkeiten und Nischen, um sich dabei selbst neu zu erfinden“. Der Startup-Boom unterstreiche das, aber „wir halten es für wichtig, dass die Startups auch mit starken KMU kooperieren und organisch wachsen, um nicht in den sie kaufenden Konzernen ihre Seele zu verlieren.“

Der beste Beweis und ein neuer Anfang für die „notwendige Sichtbarkeit“ des Mittelstandes sei das neue Buch „Best of Mittelstand“, in dem 71 Unternehmerinnen und Unternehmer aus allen Bundesländern und Branchen Österreichs anhand der Beantwortung von 5 Fragen nach Ihrem Erfolg „auf äußerst berührende und mitreißende Weise“ ihre Geschichte, Ansichten und Erfahrungen mitteilen. „Wir wollen, dass das ein Vorbild und Lesebuch aller Österreicher wird.“

Fehlende Lobbying-Kompetenz des Mittelstands

Lusak verweist auf das aus seiner Sicht immer noch fehlende Lobbying-Know How der Betriebe und Exporteure. „Auch wenn wir schon ganz tolle Beispiele gebracht haben, wie KMU mit EPU und Konzernen in erfolgreichen innovativen Kooperationen und Lobbys zusammenarbeiten und dabei sogar den Lead innehaben, der Großteil weiß noch immer nicht wirklich, wie er sich bei den für ihn relevanten VIPs in Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft mit durchsetzen kann. Wenn alte, eher behindernde Seilschaften kraftlos werden, müssen neue Cluster und Konsortien auf den Weg gebracht werden.“

Hintergrund und Ausgangspunkt für die neue Strategie der „Lobby der Mitte“ für den Mittelstand sind eine brandaktuelle Mail- und Telefon-Umfrage (April - Juni 2019) unter 100 KMU und Freiberuflern über Ihre Meinung zum Status des Mittelstandes, ihre Forderungen an die Politik und ihre wichtigste Botschaft an die „Mittelstands-Kollegen“. 

Veröffentlicht am

13.06.2019