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Lebensmittelknappheit im Supermarkt?

Stehen die Kunden vor leeren Regalen?

Die Mythen ranken sich um die Lebensmittelknappheit. Stehen wir wirklich vor einer vorher nie dagewesenen Beschaffungs-Krise? retailreport.at hat nachgefragt.

Bericht: Gabriele Jiresch

Leere Regale im Supermarkt, keine Container für Transporte, kein Nachschub der Ware, teure Rohstoffe: all diese Themen beherrschen die Wirtschaftsressorts der weltweiten Medien. Nun soll auch die Knappheit der waren im Regal angekommen sein. Unito-Chef Harald Gutschi meinte jüngst in einer Diskussion: „Wer im Herbst und vor Weihnachten Ware hat, der wird unter den Gewinnern sein“.

Ist das auch im Lebensmittelhandel so? retailreport.at hat nachgefragt und eindeutige Antworten wie diese von Nah&Frisch-Geschäftsführer Mag. Hannes Wuchterl bekommen: „Ich halte es für unangemessen überhaupt von Lebensmittelknappheit in Österreich zu sprechen. Wir werfen jährlich hundertausende Tonnen Lebensmittel weg, Landwirtschaft und Produktion noch gar nicht inbegriffen. Darüber sollten wir, nein MÜSSEN wir verantwortungsvoll diskutieren!“

Er stehe mit seiner Meinung nicht alleine da, aber woher kommt die Annahme, dass wir keine Waren mehr für den Konsumenten beziehen können. Ich denke man muss zwei verschiedene Aspekte für den Handel analysieren: Food und Non Food. Es mag für Non Food in Teilbereichen stimmen, dass die Beschaffung der Ware aufwändiger und teurer ist. Daran ist aber nicht nur Corona und die Krise Schuld, sondern auch der Umgang der Politik mit den Herstellern. Da – vor allem in Europa – viele Unternehmen gestützt wurden und die Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, hat man sich weniger um die Produktion gekümmert – vor allem im Baubereich ist diese der Fall. Dafür kann jedoch China nichts. Manche Klimakrise, die ebenfalls corona-unabhängig ist, hat ebenfalls die Herstellung in einigen Wirtschaftszweigen blockiert.

Was allerdings die Nahrungsmittel in Österreich anbelangt, so sind sich die Händler einig: von einer Lebensmittelknappheit ist keine Rede. Im Gegenteil, es kommt endlich zu einem Umdenken. Nachhaltige und regionale Rohstoffe müssen besser bezahlt werden.

Die Meinungen der Lebensmittelhändler

Hannes Wuchterl führt weiter aus: A“lle gemeinsam, Rohwarenlieferanten, Logistiker, Hersteller und natürlich auch der Handel, sind verpflichtet gemeinsam nachhaltige Konzepte im Sinne der Beschaffung zu entwickeln. Noch einmal, es ist genug da, wir müssen alle gemeinsam - auch die Konsumenten - bereit sein, Lebensmittel besser zu nutzen. Dann werden wir alle gemeinsam, wenn wir das wollen, keine Diskussion über teurere Lebensmittel führen müssen. Wir sollten uns nicht damit beschäftigen, wie wir dem Konsumenten Preiserhöhungen erklären. Wir sollten uns damit beschäftigen, wie wir gemeinsam dem Konsumenten erklären Lebensmittel nachhaltiger zu nutzen“. Das gilt für den Nah&Frisch-Geschäftsführer für Food und Non Food gleichermaßen, er sieht in beiden Bereichen eine unnötige Verschwendung.

Paul Pöttschacher, Pressesprecher der Rewe Group: “Die Rewe Group Österreich bekennt sich seit Jahren zur Partnerschaft mit der heimischen Landwirtschaft. Dies ist mit ein Grund, weshalb uns Probleme mit Lieferketten aus Asien, welche derzeit starke Auswirkungen auf Europa haben, nur marginal betreffen. Selbst bei einzelnen Produktgruppen, welche von Natur aus Schwankungen unterliegen – wie beispielsweise Obst und Gemüse, wo Wettereinflüsse, Schädlingsbefall etc. über eine gute Ernte entscheiden – haben wir ein breites Netzwerk an Lieferanten, um flexibel reagieren und unseren Kunden und Kundinnen ein passendes Angebot machen zu können. Die allgemeine Warenverfügbarkeit quer durch unser Gesamtsortiment ist also sichergestellt.“

Auch die Spar hat aktuell eine sehr gute Warenverfügbarkeit, wie Mag. Lukas Wiesmüller, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung bestätigt: „Wir haben ein extrem breites Sortiment, sodass kurzfristige Lieferengpässe bei Einzelprodukten sehr gut abgefedert werden können. Bei Naturprodukten kann es natürlich zu erntebedingten Schwankungen kommen, das ist aber nicht außergewöhnlich.
Die Kunden greifen aktuell verstärkt zu regionalen Produkten und hier sind wir als Spar der beste Partner der lokalen und regionalen Manufakturen, und das schon seit Gründung der Spar. Wir haben es geschafft ganz viele Produkte, die früher nur durch Import verfügbar waren, wieder in Österreich heimisch zu machen und haben uns dadurch von internationalen Importen teilweise entkoppeln können. Erich Stekovics ist ein burgenländisches Paradebeispiel für heimischen Knoblauch, der vor einigen Jahren noch importiert wurde.“

Auch der Diskont in Österreich ist von Lieferengpässen nicht betroffen, hört man bei Lidl und auch Hofer ist ganz und gar ein Vertreter der heimischen Produktion: „Mit unserem engmaschigen Lieferantennetzwerk und durch möglichst effiziente Transportwege bemühen wir uns, unsere Produkte stets pünktlich in all unseren Filialen anbieten zu können. Aktuell verzeichnen wir keine Lieferverzögerungen oder Lieferengpässe im Bereich der Lebensmittel“.

Bei Unimarkt ist man prinzipiell der gleichen Meinung, sieht die Lage ein klein wenig anders. Sandra Trifunović, Bereichsleitung Sortimentsmanagement bei der Unimarkt Gruppe sagt: „Es gibt sehr viele Alternativartikel also wird die Lebensmittelversorgung in Österreich auch in Zukunft sichergestellt. Einzelne Produkte werden durch z.B. fehlende Verpackungen knapp oder auch durch klimatische Probleme wie Starkregenfälle. Wenn es um Non Food geht, dann sind die heiklen Themen: Fehlende Verpackungen, Klimatische Probleme, ausfallende Rohwaren, logistische Probleme der Hersteller zum LEH und fehlendes Personal beim Hersteller aber auch bei uns im LEH und so können wir die Marktbestückung tw. fast nicht mehr sicherstellen.“

Auf die Frage, wie man diese Situation dem Konsumenten erklärt, meint Trifunović: „Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden informiert und diese verbreiten es an die Kunden. Wir suchen natürlich auch immer wieder nach Artikelalternativen. In unseren Werbemedien weisen wir schon seit langem auf den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln hin. Explizit Kunden informieren werden wir nicht. Von seiten der Industrie kommt man bei meistens mit Preiserhöhungen zu uns. Selbstverständlich wird das thematisiert.“

Geht es um eine Art „Bereinigung“ des Marktes? "Ich denke schon. Aus unserer Sicht haben wir in Österreich viel zu viele internationale Produkte am Markt. Wir produzieren in Österreich qualitativ hochwertigste Lebensmittel und importieren uns minderwertigere Ware. Wir als Unimarkt Gruppe setzen seit vielen Jahren auf regionale Produkte und Kreisläufe. Vielleicht bringt es ein Umdenken und ich denke unseriöse Marktanbieter können sich in diesen Zeiten nicht halten. Transparenz und Ehrlichkeit sind die Topthemen unserer Zeit."

Aktuell bei iglo

Passend zu diesem Thema meldet sich iglo erst heute zu Wort: „Die Wertschätzung der Konsumenten nach verantwortlich hergestellten Lebensmittelprodukten ist sehr erfreulich und unterstützt so die gemeinsamen Anstrengungen für die Klimaziele“, so Antje Schubert, Bereichsvorstand bei Tiefkühlkonzern Nomad Foods und verantwortlich für iglo Western Europe. „Allerdings haben die Bemühungen zum Klimaschutz und für mehr Nachhaltigkeit auch einen Preis, der auf Dauer nicht allein von den Herstellern getragen werden kann. Daher sind Preisanpassungen nicht nur erforderlich, sondern auch ein Gebot der Fairness und Wertschätzung“. 

Angebotsengpässe bei gleichzeitigen Nachfragespitzen

Bei iglo und dem Mutterunternehmen Nomad Foods hat das Fischsegment eine maßgebliche Bedeutung. Das Unternehmen engagiert sich bereits seit mehr als 20 Jahren für einen nachhaltigen Fischfang, fördert jene Fischereigebiete, die sich gemäß der MSC-Kriterien auditieren lassen und bietet selbst nahezu ausschließlich Fisch aus diesen verantwortungsvoll gemanagten Fanggebieten an. Allerdings ist die Alaska-Seelachsfischerei, die einen großen Teil der verarbeiten Rohware liefert, von den Covid 19-Auswirkungen und dem weltweiten Nachfrageanstieg – bei gleichzeitig zwei aufeinanderfolgenden schlechten Fangsaisonen – erheblich betroffen.
Das Wachstumsfeld der veganen Produkte auf Basis von pflanzlichen Proteinen ist beschaffungsseitig auch von Angebotsengpässen bei den Rohstoffen betroffen. „Der Trend, den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten zu verringern,“ so Antje Schubert, „hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht und ist unumkehrbar. Weniger tierische Lebensmittel bedeutet mehr Klimaschutz. Ob bei veganen, vegetarischen oder traditionellen Produkten – die Qualität der iglo-Produkte wird auch in Zukunft der Maßstab bei den Tiefkühlprodukten bleiben. Trotz der extremen Kostenentwicklung wird es keine qualitativen Abstriche geben“. Dies steht auch im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Lebensmittelgruppe, die den Fokus auf eine bewusste, verantwortliche und gesunde Ernährung legt. Als Vorreiter beim Nutri-Score hat iglo bereits frühzeitig ein Signal gesetzt, in welche Richtung die Unternehmensgruppe auch in Zukunft steuert.

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Veröffentlicht am

26.07.2021