Lassen den Vorwurf des Lohndumpings nicht gelten

Handel lässt Vorwurf nicht gelten

Den Vorwurf des Preisdumpings möchte der Handel nicht auf sich sitzen lassen.

Bis 1. Mai 2021 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, um die 15 Bestimmungen der UTP-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelkette auf nationaler Ebene umzusetzen soviel ist bekannt. Nun geht es in die detaillierten Verhandlungen aller Partner.

Um aber Unklarheiten auszuräumen, wehrt sich der Handel in diesem Fall durch den Handelsverband gegen Vorwürfe, dass er für Preisdumpings bei der Landwirtschaft verantwortlich wäre. Im Konkreten geht es um Medienberichte rund um die gestarteten Verhandlungen, dass die Lebensmittelhandelsspannen die Hauptursache für sinkende Bauerneinkommen wären, sind hingegen schlicht falsch. "Der Lebensmittelhandel ist kaum für die Erzeugerpreise verantwortlich und unsere Handelsspannen sind nicht Ursache für sinkende Bauerneinkommen. Die durchschnittliche Gewinnmarge im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel beläuft sich auf lediglich 1,5%. Bei den Großunternehmen der Lebensmittelindustrie sind die Margen im Schnitt 10- bis 20-mal so hoch. Überdies ist die Lebensmittelindustrie der größte Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse", so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

Der Preis bildet sich grundsätzlich auf dem freien Markt (Angebot/Nachfrage) und differenziert nach Produktkategorie (Getreide, Obst/Gemüse, Fleisch, Wein) und Verarbeitungsgrad. Am Beispiel Milch wird deutlich, dass der Lebensmittelhandel oft als Sündenbock herhalten muss, wenn Einbrüche auf Exportmärkten und Überproduktion zu einem Preisverfall führen. Tatsächlich ist der Einfluss des Handels auf die Preispolitik der Molkereien gering, er trägt jedoch durch die Vermarktung österreichischer Milchprodukte im Rahmen von Regional- und Qualitätsprogrammen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Molkereien bei.

Überdies gehen nur 30% der erzeugten Milch direkt an den heimischen Lebensmittelhandel. Rund die Hälfte der Gesamtmenge wird von den Molkereien zu wesentlich niedrigeren Preisen ins Ausland exportiert (z.B. Versandmilch im Tank für die Käseproduktion in Deutschland und Italien).

Anlaufstellen für alle

Nicht nur die ins Leben gerufene Anlaufstelle für Bauern ist für die Zukunft wichtig, auch die neue Initiative "Lebensmittel Wertschätzen" öffnet hier alle Möglichkeiten der Kooperation. Sie verfolgt das Ziel, den Dialog als Plattform zu strukturieren und den Wert heimischer Lebensmittel stärker zu vermitteln, damit diesen beim täglichen Einkauf der Konsumenten ein noch höherer Stellenwert beigemessen wird. "Um den österreichischen Lebensmitteln auch ihren verdienten Wert zu geben, ist es wesentlich, von der Preisdiskussion wegzukommen und eine Kaufentscheidung zu Gunsten regionaler Lebensmittel zu unterstützen", erklärt Frank Hensel, Vizepräsident des Handelsverbandes das Ziel der Initiative.

"Wir sind nicht verantwortlich"

„Der Lebensmittelhandel ist nicht für sinkende Bauerneinkommen verantwortlich, sondern steht im Gegenteil für Fair Play“, sagt Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der WKO. Der Lebensmittelhandel ist Bindeglied zwischen Produzenten und Verbrauchern und bietet eine umfangreiche Produktpalette an. "Unsere heimischen Händler gehen dabei auf die individuellen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden ein – so wird auch preisbewussten Käuferschichten der Erwerb von hochwertigen Lebensmitteln ermöglicht. Für die Kundschaft entscheidend ist eine attraktive Relation zwischen Preis und Leistung", so Buchmüller.

 Der Lebensmittelhandel sieht sich immer wieder unsachlicher Kritik ausgesetzt. „Tatsache ist, dass der Lebensmittelhandel die Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln flächendeckend mit dem Ziel sicherstellt, den Konsumentinnen und Konsumenten im Rahmen unserer Marktwirtschaft Waren zum besten Preis-Leistungsverhältnis anzubieten“, zeigt sich Buchmüller überzeugt.

Handelsobmann in der WKO, Peter Buchmüller

Veröffentlicht am

05.02.2020