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Kommentarfoto Gabi Jiresch

Scheitern ist ok, aber so oft?

Man spricht immer davon, dass die Kultur des Scheiterns erlaubt sein soll, aber wie oft denn noch?

Fehler sind erlaubt, wenn die gleichen Fehler aber immer wieder passieren, dann muss man an der Intelligenz zweifeln. Oder ist es Ignoranz? Die Fehler bei der Krisenbewältigung durch die Regierung passieren nun schon zum wiederholten Male: Kanzler, Arbeits- und Gesundheitsminister wurden ausgetauscht, aber auf die Wissenschaft hat trotzdem niemand gehört. Und nun stehen wir vor dem nächsten kompletten Lockdown, wieder einmal vor Weihnachten.

Legen wir einmal zu Seite, dass die Laune der Österreicher so mürbe ist, wie ihre geliebten Vanillekipferl. Diese hätte man gerne mit Freunden bei Punsch und Glühwein auf einem Adventmarkt genossen – um die psychischen Auswirkungen wird man sich später noch kümmern müssen, vor allem bei den Schülern, die jetzt wieder zu Hause vor dem Bildschirm unterrichtet werden (hoffentlich!).

In der Handelsbranche geht es aber tatsächlich um Existenzen: wir starten wieder in die heiße Vorweihnachts-Online-Phase, die nicht nur von einigen großen Online-Händlern geprägt ist, sondern auch von der Frage: bekomme ich, was ich will oder ist die Spielkonsole auf einem der Container-Friedhöfe dieser Erde gelandet? Könnte man sich virtuell um „heiße Ware“ prügeln, man würde sogar das tun.

Volle Regale findet man im Modehandel, da beruhigt auch die Spartenobfrau des Wiener Handels, Margarete Gumprecht. Zumindest in all jenen Geschäften, die es noch gibt. Denn wer mit offenen Augen durch die Einkaufsstraßen fährt, wird merken, dass viele – auch namhafte Händler – für immer geschlossen haben. Dahinter stehen nicht nur die Existenzen des Unternehmers und der Arbeitsplätze, auch jene der Zulieferindustrie. Das darf man nie vergessen! Was sich hier finanziell anbahnt, spottet jeder Beschreibung.

Und auch wenn im Lebensmittelhandel die Türen offen bleiben, so weiß man, dass sich aufgrund der Pandemie viele dazu entschlossen haben mit Lebensmitteln online zu handeln. Das bedeutet noch mehr Wettbewerb, der sich rasch entwickeln kann. Hat deshalb Hofer so rasch sein Lebensmittel-Online-Portal freigeschalten?

In jedem Fall halte ich in Österreich eine andere Kultur neben jener des Scheiterns für erneuerungswürdig, nämlich die der „Entschuldigung“. Ich gehe hier d’accord mit dem großen Politologen Peter Filzmaier, der meint „eine Bitte um Entschuldigung der Politik für Fehlentscheidungen und Versäumnisse“ sei angebracht, nachdem sie alle Hinweise, Flehen und Bitten der Wissenschaft so lange ignoriert hat.

Nachtrag: Gesundheitsminister Mückstein hat sich heute bei der Bevölkerung entschuldigt für die Vorgehensweise der letzten Wochen.

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Veröffentlicht am

19.11.2021